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Münzpolitik

Die frühesten Münzprägungen aus Elektron im späten 7. Jh. stammen aus dem Lyderreich (Kleinasien). Die ersten reinen Gold- und Silbermünzen entstanden nach 560 v. Chr. unter König Kroisos (Krösus), bevor das lydische Reich 547 v. Chr. von den Persern unter Kyros II. erobert wurde. Die persischen Großkönige aus der Dynastie der Achämeniden übernahmen die von den Lydern gemachten Erfahrungen und prägten eigene goldene Dareikoi und silberne Sigloi. Über die dem Lyderreich benachbarten griechischen Kolonien in Kleinasien bildete sich im 6. Jh. v. Chr. in der griechischen Staatenwelt die Münzprägung aus. Zunächst prägten die Stadtstaaten für ihren eigenen Bedarf und den lokalen Umkreis die handlichen Zahlungsmittel in Form von Münzen in verschiedenen (lokalen) Münzfüßen aus. Die bedeutendsten und vielleicht auch ersten Münzen auf europäischem Boden waren die Didrachmen der damals bedeutenden See- und Handelsstadt Aigina, die als Münzbild eine Schildkröte tragen (Kröten) und nach dem äginäischen Münzfuß ausgebracht wurden. Sie verloren allmählich ihre Bedeutung nach den Perserkriegen (500-479 v. Chr.), als sich die Vormachtstellung Athens entwickelt hatte. Eine der erstenMünzreformen wird dem Athener Reformer Solon um 590 v. Chr. zugeschrieben, die vermutlich auch den Übergang von der äginäischen zur euböisch-attischen Währung mit sich brachte. Nach der Prägung der frühen athenischen Wappenmünzen folgten die berühmten Eulen von Athen, die das Kopfbild der Athena und das Stadtwappen von Athen (Eule) tragen. Der Eulentyp wurde in verschiedenen Nominalen - die berühmtesten sind die Glaukes genannten Tetradrachmen – aus dem Silber der nahegelegenen Laurischen Minen geprägt. Die Stückelung bis zu Teilstücken des Obols belegt, dass sich der Zahlungsverkehr durch Münzen in klassischer Zeit bis in den Alltag des Bürgers von Athen ausdehnte. Während Städte wie Athen, Korinth und Ägina, deren Münzen weit verbreitet waren, über einen langen Zeitraum am gleichen Münzbild festhielten, begannen andere Städte (Syrakus, Kyzikos, Kyrene) die Münzgestaltung zu variieren, was vor allem der technischen und künstlerischen Weiterentwicklung der Münze zugute kam. Im 5. Jh. führte dies erstaunlicherweise in den peripheren Gebieten der damals bekannten Welt (Sizilien, Unteritalien und Nordgriechenland) zu einer Blütezeit der Münzkunst.

Mit dem Dekret des Klearchos errichtete Athen um 449/448 v. Chr. kurzfristig ein Münzmonopol für Silbermünzen. Den Bundesgenossen und abhängigen Orten war die Prägung von Großsilber verboten und sie waren damit zur Annahme der Eulen von Athen (Glaukes) nach attischem Münzfuß verpflichtet, die zu dieser Zeit in großen Mengen geprägt wurden. Das münzpolitische Diktat über seine Bundesgenossen ermöglichte es Athen, verstärkt das von Laurion stammende Silber zu verprägen. Als überregional führender Münzfuß bildete sich der attische Münzfuß heraus. Das Kleinsilber, das bereits im 5. Jh. teilweise durch Bronzemünzen ersetzt worden war, wurde allmählich durch Kupfer- und Bronzeprägungen verdrängt. Nach der Niederlage des athenischen Expeditionsheers gegen Syrakus brach der 1. attische Seebund auseinander und die Städte begannen wieder mit der eigenen Prägung. Der lange Peloponnesische Krieg (431-404 v. Chr.), der Athen wirtschaftlich erschöpfte, brachte das Ende der Vormachtstellung Athens. Das 4. Jh. war gekennzeichnet von Kämpfen um die Vorherrschaft in Griechenland (Sparta, Theben), die schließlich durch das Erstarken des makedonischen Königshaus auf Philipp II. und seinen Sohn Alexander III. überging.

Die makedonischen Könige Philipp II. (359-336 n. Chr.) und sein Sohn Alexander der Große (336-323 n. Chr.) ließen nach demattischen Münzfuß prägen. Sie monopolisierten nach dem Vorbild Athens, allerdings weit nachhaltiger, die Gold- und Silberprägung. In den von Alexander eroberten Gebieten wurde das Münzbild weitgehend vereinheitlicht. Die Reiche im Osten wurden bis nach Baktrien und Indien vom griechischen Münzwesen auf Jahrhunderte hinaus beeinflusst. Bis dahin herrschte die Vorstellung, Maße und Gewichte seien göttlichen Ursprungs und werden von den Göttern gewährleistet; dementsprechend zeigte das Münzbild in der Regel Darstellungen von Göttern. In den hellenistischen Diadochenreichen wurden die Götterdarstellungen durch die Porträts der Könige ersetzt. Zunächst durch das Bildnis des Herakles mit den Zügen Alexanders, dann durch den verstorbenen Begründer der Dynastie und bald auch durch das Bildnis des lebenden Herrschers.

Die römische Prägung begann erst relativ spät, und zwar in Form von schweren gegossenen Bronzemünzen (Aes grave) auf der Basis des As, der ein römisches Pfund (Libra) wog. Das gegossene Bronzegeld erwies sich mit dem Eintritt in den Welthandel – spätestens ab dem 1. Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) – als unhandlich und wurde nach und nach im Gewicht reduziert. Mit den Gewichtsreduktionen konnte man zur ökonomischeren Prägung (statt Guss) übergehen. Die ersten Silberprägungen (Didrachmen) sind wohl zum Teil von den Kolonisten griechischer Städte in Unteritalien und Sizilien hergestellt worden. Mit dem Aufkommen des silbernen Denars zu 10 Asses im 2. Punischen Krieg (218-201) strukturierte sich in Rom ein vollwertiges, eigenständiges Münzwesen um Denar und As, die bis zur Mitte des 2. Jh.s mit relativ konstantem Münzbild erschienen: Der Denar in der Regel mit dem Kopfbild der Roma oder Bellona und der Darstellung der Dioskuren (Kastor und Pollux), der As mit Januskopf und Prora. Erst im 1. Jh. übernahm Rom die Führungsrolle im Münzwesen des Mittelmeerraums, indem Prägungen eroberter Staaten kontrolliert, beschränkt oder verboten wurden. Das zur Weltmacht aufgestiegene Rom übernahm aber auch andere Münzsorten (z.B. Kistophoren) und ermöglichte Freiräume für lokale Prägungen (vor allem in Griechenland und Kleinasien) und Prägungen römischer Provinzen (z.B. in Alexandria/Ägypten (Alexandriner), Antiochia, Ephesus und Caesarea). Mit den Bürgerkriegen im ausgehenden 2. Jh. wurde die Münze als politisches Propagandamittel entdeckt – eine Funktion, die Caesar am geschicktesten für seine Ziele in Anspruch nahm. Er erhielt vom Senat als erster Römer das Recht, sein Porträt auf römische Umlaufmünzen zu setzen.

Mit dem Ende der römischen Republik organisierte Kaiser Augustus auch das Münzwesen neu. Die Bronzeprägung wurde wieder eingeführt, der As und sein Viertelstück, der Quadrans, wurden aus Kupfer geprägt, der Dupondius (2 Asses) und der Sesterz (4 Asses), ebenso wie der Semis (1/2 As) aus Aurichalkum (Messing) geprägt wurde. Der Denar und der Quinar wurden aus Silber geprägt, der Aureus wurde zur Goldmünze des römischen Kaiserreichs. Seitdem trugen die Münzen regelmäßig auf der Vs. die Büste des Kaisers oder Büsten von Mitgliedern der Kaiserfamilie, die vielen verschiedenen Rs.n dienten der staatlichen Propaganda oder der Glorifizierung der Kaiser. Augustus beließ noch pro forma die Münzhoheit beim Senat. In der Kaiserzeit unterstand die Gold- und Münzprägung dem Kaiser, die Bronzeprägung dem Senat (S C). Durch die wirtschaftliche Entwicklung des Reichs, die ständig wachsende Zahl der Bürger, die kostspieligen Eroberungs- bzw. Verteidigungskriege entstand während der Kaiserzeit eine zunehmende Inflation, die Kaiser Caracalla (eigentlich Marcus Aurelius Antoninus) 214 n. Chr. dazu veranlasste, den nach ihm Antoninian benannten Doppeldenar einzuführen. Die Bronzeprägung wurde in der 2. Hälfte des 3. Jh.s wegen Unrentabilität eingestellt. Im 3. Jh. versuchten mehrere Kaiser erfolglos, das Münzwesen zu reformieren, am einschneidendsten waren die Reformen unter der Tetrarchie Diokletians (294-305 n. Chr.). Mit Hilfe eines Systems sich gegenseitig kontrollierender Beamter setzte er eine Planwirtschaft mit Lohn- und Preisstopp durch und führte auf einem einheitlichen Münzfuß neue Nominale ein: 1 (neuer) Aureus = 2 Semisses = 25 Argentei (Denari) = 200 Folles = 1600 Zähldenare (abgewertete Antoniniane). Der Follis wurde im Durchmesser (22-25 mm) reduziert und in Mittel- (18-21 mm), Klein- (15-17 mm) und Teilfollis (unter 15 mm) unterteilt und er wurde zur Hauptumlaufmünze. Auch der Stil der Münzen änderte sich. Viele im 3. Jh. geschlossene Münzstätten wurden wieder eröffnet, darunter auch Trier. Eine weitere einschneidende Münzreform erfolgte unter Konstantin dem Großen (307-337): Der Solidus löste den Aureus ab und der später wichtige Tremissis (1 1/2 Scripulum) wurde als Goldmünze eingeführt und überdauerte später das Ende des Römischen Reichs. Als Silbermünzen wurden die Neu-Siliqua und der Miliarense (Schwer- und Leicht-Miliarense) eingeführt. Der Centenionalis, dessen Halbstück und die unter Constans 346 n. Chr. eingeführte Maiorina lösten den Follis ab. Mit dem Verfall des weströmischen Reiches behaupteten sich die Klein- und Mittelbronzen. Silber wurde nur noch gelegentlich in Form der im Gewicht reduzierten Siliqua geprägt. Im oströmischen Teil begann die byzantinische Prägung mit der Münzreform Anastasius' I. 498 n. Chr., die eine ganze Reihe neuer Kupfernominale einführte.

Das Münzwesen zur Zeit der Völkerwanderung und der Merowinger war im Wesentlichen durch Nachahmungen byzantinischer Goldmünzen geprägt. Erst die Ausdehnung des Frankenreichs unter den Karolingern führte zu einer Zentralisierung des Münzwesens unter Karl dem Großen, der den Silberdenar zur einzigen Münze machte. Bis zum 12. Jh. ließ der Münzherr nur die letzten Emissionen aus seinen eigenen Münzstätten als gesetzliches Zahlungsmittel zu. Die Besteuerung funktionierte über die Münzverrufung (lat.: renovatio monetae), die der Münzherr in der Regel in Abständen von einem halben bis zu drei Jahren durchführte. Dabei wurden die alten Münzen eingezogen und weniger neue Münzen ausgegeben oder das Rau- oder Feingewicht der Münzen geändert, in der Regel verschlechtert. Die Entwicklung der Wirtschaft und der damit verbundene steigende Einfluss der Kaufmannschaft, die Interesse an stabileren und beständigeren Münzverhältnissen hatte, führte allmählich zu Änderungen des Systems der Münzverrufung. Außerdem war mit der Entwicklung der Wirtschaft auch das stetige Anwachsen der Geldmenge verbunden. Das mit den Münzverrufungen einhergehende Einziehen und Umprägen großer Geldmengen gestaltete sich zunehmend komplizierter und kostenintensiver, sodass die Münzherren schon von sich aus nach einem Ersatz für die entgangenen Münzgewinne suchten. Die Stände boten dem Münzherrn häufig eine Herdsteuer an, für die der Münzherr - entweder für einen abgesprochenen Zeitraum oder für immer – auf die Münzverrufung verzichtete. Im Spätmittelalter war das Münzwesen gekennzeichnet von Interessenkonflikten der Stände: Fürsten, Adel und Großbürgertum und Handwerker- und Bauernschaft vertraten verschiedene Interessen. In Not- und Krisenzeiten werteten die Fürsten ihre Währung ab, um große Gewinne zu erzielen, die sie vor allem zur Finanzierung von Kriegen benötigten. Dagegen protestierten der Adel und die hohe Geistlichkeit regelmäßig, da die Kaufkraft der Grundbesitzer dramatisch verfiel und den Import von Luxusgütern verteuerte. Die Rückkehr zu „fester Münze“ rief die Handwerker, Bauern und Arbeiter auf den Plan, da sich nun die Dinge des täglichen Lebens verteuerten. Da die Reichen und Mächtigen in den Ständeversammlungen den größten Einfluss auf die Münzpolitik hatten, war eine stabile Währung in Friedenszeiten eigentlich die Regel. Zwar gab es Aufstände und Tumulte der „einfachen Leute“, die von ihrer Hände Arbeit lebten, sie wurden aber regelmäßig niedergeschlagen und unterdrückt. In Zeiten der Edelmetallknappheit zwangen die Fürsten die Exporteure inländischer Waren zur Bezahlung mit Edelmetall und verhinderten die Ausfuhr von Edelmetall für die Importeure ausländischer Waren. Wenn zwei oder mehrere Staaten eine solche Politik betrieben, störte das nicht nur den Handel, sondern führte auch zu fiskalischen Abwertungen und zu Kriegen. Im Spätmittelalter und der beginnenden Neuzeit schaukelte sich das Ineinandergreifen solcher Mechanismen zu Inflationen hoch: Um das Edelmetall im Land zu halten, wurden dafür immer höhere Preise festgesetzt. Aus dem teuren Gold und Silber ließen die Münzherren immer schlechtere Münzen prägen, vor allem, wenn höhere Gewinne zur Finanzierung von Kriegen benötigt wurden. Erschwerend kam dazu, dass die zunehmende Münzverschlechterung den Falschmünzern erlaubte, ihre minderwertigen Münzen ungestörter in Umlauf bringen zu können. Die Minderwertigkeit der Münzen veranlasste die Bevölkerung, die alten vollwertigen Münzen zurückzuhalten, was zur Verknappung des Edelmetalls beitrug und damit wiederum zu höheren Preisen auf dem Edelmetallmarkt führte. Die Münzpolitik seit dem 18. Jh. beschränkte sich in erster Linie auf Veränderungen des Münzfußes und blieb vergleichsweise konstant.

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