0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Münzverrufungen

Das Einziehen der im Umlauf befindlichen Münzen und das Ersetzen durch neue Münzen war im Mittelalter ein gebräuchliches Instrument der Münzpolitik. Ursprünglich diente die Münzverrufung (lat. renovatio monetae) dazu, die karolingischen Pfennigmünzen im Frankenreich reichsweit durchzusetzen, denn in der Regel galten die Münzen nur auf den Märkten in der Nähe des Prägeorts als vollwertig, sieht man einmal von Handelsmünzen ab. Die Verrufung bewirkte auch die Ersetzung alter und durch den Umlauf abgegriffener oder beschädigter Pfennige und konnte damit der Beibehaltung oder Verbesserung des Münzfußes dienen. Die Zerbrechlichkeit der mittelalterlichen Brakteaten und Dünnpfennige erforderte ohnehin eine regelmäßige Erneuerung der Münzen. Ebenso mag man den Verrufungen als einer Maßnahme gegen die Beschneidung und das Aussaigern (Aussortieren der im Gewicht schwereren Münzen) der Münzen einen gemeinnützigen Aspekt einräumen. 
Aber nachdem viele Münzstände mit der Erlangung des Münzrechts auch den Münzfuß selbst bestimmen konnten, änderte sich allmählich die Funktion der Münzverrufung. Im Spätmittelalter fungierten die nun manchmal mehrmals in einem Jahr angeordneten Münzerneuerungen als indirekte Besteuerung. Wenn die Pfennige eingezogen wurden, konnte die Bevölkerung damit rechnen, dass sie entweder weniger gleichwertige oder im Feingehalt verschlechterte Münzen zurückerhielten (oder eine Kombination aus beiden). Aber nicht nur in der einfachen Bevölkerung regte sich der Unmut über die Münzverrufungen: Die Kaufleute forderten statt den ständigen Münzerneuerungen eine sog. feste Münze, die bei ihren auswärtigen Handelspartnern Vertrauen erwecken konnte. In der Praxis verzichteten die Münzherren auf Münzverrufungen meist nur, wenn sie als Ersatz Herd- oder Verbrauchssteuer (lat. Monetagium) erheben konnten. Unter den Geldtheoretikern waren Oresmius (in Frankreich) und Kopernikus bedeutende Verfechter einer festen Münze. Außerdem deuten die Schatzfunde darauf hin, dass nicht alle verrufenen Münzen auch bei den zuständigen Münzstätten freiwillig abgegeben wurden. Möglicherweise spekulierten vor allem Wechsler und weitgereiste Kaufleute mit dem Edelmetall der verrufenen Münzen, wenn sie diese mit Gewinn in anderen Staaten verkaufen konnten.