Das große Reppa Münzen-Lexikon
V
70 Beiträge in dieser Lexikon KategorieV (Münzstättenzeichen)
Kennbuchstabe der Münzstätten Turin (16. Jh.) und Troyes (seit 1698) auf französischen Münzen; ferner der Münzstätte Venedig unter den Habsburgern (1797, 1815-1866) und der spanischen Münzstätte Valencia (seit 1497).
Vacquette
1. Französische Diminutivform von "vache" (Kuh), bedeutet also etwa "kleine Kuh". Die Vacquette in Gestalt einer kleinen Kuh war das Münzzeichen der Münzstätte Pau, in den westlichen Pyrenäen gelegen. Schon im Mittelalter war in Pau, der Hauptstadt von Béarn und Navarre (Navarra), eine Münze eingerichtet. Der Münzort wurde aber erst bedeutend, als der Stempelschneider und Münzingenieur Jean Erondelle mit seinen technischen Geheimnissen die Pariser Münzstätte Moulin des Etuves verlie
Valetudo
Name der römischen Göttin der Gesundheit zur Republikzeit, später Salus genannt.
Valuta
Aus dem Italienischen stammendes Fremdwort für Währung, meist in der Bedeutung für fremdländische Währung gebraucht.
Valvation
Vom lat. valere (werten) abgeleiteter alter Begriff für die Bewertung von Münzen. Seit dem ausgehenden Mittelalter wurde der Begriff für dieTarifierung (Bewertung) und die Wertverhältnisse der Münzen untereinander bei Geldwechslern und im Kaufmannsverkehr benutzt. An Kreisprobationstagen wurden in sog. Valvationstabellen die Bewertungen für die geprüften Münzen veröffentlicht.
Variante
Mehr oder weniger geringfügige Abweichungen des Münztyps, die nicht bewusst vom Münzherrn vorgenommen wurden, nennt man Varianten. Als Variante kann z.B. eine Münze desselben Jahrgangs, jedoch mit anderem Münzmeisterzeichen, oder eine leicht veränderte Stellung der Elemente des Münzbilds zueinander bezeichnet werden. Solche Detailveränderungen sind heute keine ausreichenden Begründungen, um von einem neuen Typ zu sprechen. Auch wenn unwesentliche Figu...
Vatikanmünzen
Der Vatikan ist durch die Lateranverträge mit Italien ein souveräner Staat mit dem Papst als Oberhaupt, quasi eine Wiederherstellung des Kirchenstaats im Kleinformat (ca. 0,44 km² in Rom und einige kleine Enklaven). Der Vatikan gibt Kursmünzen heraus, die den Werten, Größen und Legierungen der italienischen Münzen entsprechen. Außerdem gab es bis 1959 goldene 100-Lire-Stücke in geringen Auflagen. Eine weitere Besonderheit sind die Sedisvakanzmü...
Vatu
Einziges Währungsnominal (ohne Unterteilung) von Vanuatu, früher französisch-britisches Kondominium Neue Hebriden, seit 1980 unabhängig.
Veld Pond
Seltene goldene Feldmünze im Wert eines Sovereigns, die die Buren während des Burenkriegs im Jahr 1902 in Pigrims Rest (Südafrika) schlugen. Sie zeigt auf der Vs. die Abkürzung ZAR (Zuid Afrikaanske Republik) und die Jahreszahl, auf der Rs. die Wertbezeichnung EEN POND (Pound). Siehe auch Pond.
Velddaalder
Niederländischer Begriff, der in der Bedeutung über den deutschen Ausdruck Feldtaler oder -münze hinausgeht(Feldklippen): Der niederländische Begriff Velddaalder bezieht sich nicht nur auf Silbermünzen, die während eines Feldzugs für die Soldaten geschlagen wurden, sondern auch auf das Notgeld belagerter Städte(Belagerungsmünzen).
Vellon
Spanisch für Billon. Nach der Pragmatica von Medina del Campo 1497 gab es nur eine Münze, die nicht aus gutem Silber ausgeprägt wurde, die Blanca de Vellon, die im Wert 1/64 des silbernen Real entsprach. Unter Philipp II. begann die Münzverschlechterung, die zur Ausprägung der Reales de Vellon (nur 51% Silbergehalt) führte, die im 17. Jh. offiziell neben den guthaltigen Reales de Plata existierten. Zur Zeit der Velloninflation wurden die Vellonmünzen sogar aus reinem Kupfer ausgegeben. In...
Venezolano
Der Peso wurde unter der Bezeichnung Venezolano zur Münzeinheit der unabhängigen Republik Venezuela. Zunächst wurden dort jedoch hauptsächlich Kupfermünzen ausgegeben, die in der englischen Münzstätte Heaton in Auftrag gegeben wurden. 100 Centavos = 1 Venezolano. Erst im Jahr 1875 entstand ein auf dem Münzfuß der Lateinischen Münzunion basierendes Münzsystem. Der Venezolano entsprach dem goldenen französischen 5-Francs-Stück. Im ...
Venus
Römische Göttin der Liebe, kommt seit der Republikzeit bis zum ausgehenden 3. Jh. v. Chr. oft auf römischen Münzen vor. Besonders häufig ist sie auf Münzen Cäsars dargestellt. Dieser beanspruchte Venus Genetrix als mythische Ahnfrau (Mutter der Abkömmlinge von Aeneas) seiner Gens (julische Dynastie). Für Sulla war sie die glückbringende (Felix), für Pompeius die siegreiche (Victrix) Göttin. In der Kaiserzeit ist Venus häufig auf den Rs.n der Münzen der Kaiserinnen abgebildet, meist...
Verdienstmedaillen
Für Verdienste verliehene Medaillen oder Plaketten. Sie wurden meist für patriotische Verdienste um das Vaterland verliehen. Es gab sie aber auch für verdienstvolle Leistungen auf anderen Gebieten, wie z.B. im Bereich der Landwirtschaft. Die Zeit der Verdienstmedaillen begann Anfang des 19. Jh.s. Sie sind verwandt mit den Preismedaillen.
Verdienstmedaille 1842 von Hohenzollern
Vereinsgoldmünzen
Kronen und Halbkronen, die nach dem Wiener Münzvertrag von 1857 in Österreich und in verschiedenen Staaten des Deutschen Bundes bis 1865 geprägt wurden.
Vereinsmünzen
Münzen, die nach dem Wiener Münzvertrag 1857 von Österreich und den beteiligten Staaten des Deutschen Bundes geprägt wurden. Dazu zählen auch die Vereinsgoldmünzen und die Vereinstaler. Die meisten dieser Münzen sind mit der Aufschrift "Vereinsmünze" versehen.
Vereinstaler
Im engeren Sinn die Talermünzen, die nach dem Wiener Münzvertrag 1857 durch den deutsch-österreichischen Münzverein geprägt wurden. Die Kölner Mark wurde vom Zollpfund zu 500 g abgelöst, aus dem 30 Taler (900/1000 fein) ausgeprägt werden sollten. Im weiteren Sinn wird die Bezeichnung auch auf Talermünzen angewendet, die in vielen deutschen Städten - in Anlehnung an den preußischen Taler von 1750 (nach dem Graumannschen Münzfuß) - nach 1830 geprägt wurden.
H...
Verfälschungen
Wenn preiswerte Originale durch Änderung oder Umarbeiten (u.a. von Wertangabe, Jahreszahlen, Münzzeichen oder Münzbild) zu seltenen und teuren Varianten verfälscht werden, spricht man von Verfälschungen. Die Verfälschung zählt zur Münzfälschung und kann für den Sammler gefährlich sein. Fälscher antiker Münzen haben versucht, durch Umschneiden der Aufschriften oder Umgravieren des Münzbildes betrügerischen Gewinn zu ziehen...
Verfassungstaler
Zwei bayerische Geschichtstaler und eine sächsische Talermünze des 19. Jh.s, die auf die Annahme der neuen Verfassung geprägt wurden: 1. Der bayerische Konventionstaler auf die Annahme der Verfassung vom 26. Mai 1818 zeigt auf der Vs. das Kopfbild König Maximilians I. und auf der Rs. den kubischen Verfassungsstein und die Inschrift CHARTA MAGNA BAVARIAE. Er wird wegen seiner eigentümlichen Rückseitengestaltung auch als Freimaurertaler bezeichnet 2. Der sächsische Speziestaler mi...
Vergolden
Die Feuervergoldung ist eine sehr haltbare, aber teure und hochgiftige Methode, die unter Verwendung von Goldamalgam (Blattgold und Quecksilber) vorgenommen wird. Durch Erhitzen des auf dem zu vergoldenden Stück verriebenen Amalgam verdampft das Quecksilber. Bei der galvanischen Kontaktvergoldung wird das mit einem Aluminiumdraht umwickelte zu vergoldende Stück in eine heiße Lösung von Goldcyanid gehängt. Es entwickelt sich ein galvanischer Strom, durch den sich das Go...
Vergoldungsspuren
Wertmindernde Goldreste, die beim Entgolden zuvor vergoldeter Münzen übrig bleiben. Die Vergoldungsspuren sind bei kritischen Münzsammlern nicht beliebt. Manchmal erscheint erst durch chemische Reaktion bei der Reinigung einer zunächst einwandfrei aussehenden Münze ein verräterischer Goldschimmer.
Vergrabungszeit
Die Zeit, zu der ein Schatz vergraben wurde. Bei Münzschatzfunden liegt die Vergrabungszeit immer nach der Prägezeit der jüngsten im Schatz enthaltenen Münze. Diese wird Leitmünze genannt.
Verprägungen
Als Verprägungen (oder auch Fehlprägungen) bezeichnet man Fehler, die während der Prägung entstehen. Auch wenn Numismatiker und Sammler in der Regel großen Wert auf eine hohe Prägequalität (wie Stempelglanz, prägefrisch etc.) legen, verfügen Verprägungen für Münzsammler, die sich auch auf dieses Gebiet spezialisiert haben, ebenfalls über einen hohen Sammlerwert. Verprägungen sind immer unbeabsichtigt und meist waschechte Raritäten. Sie sind das Ergebnis technischer Fehler, die eig...
Versicherungen
Die kostengünstigste Versicherung für Münzsammlungen bietet die Hausratversicherung, die aber meist nur bis zu einem gewissen Höchstsatz haftet. Manchmal ist auch die Höchstsumme auf Einzelstücke beschränkt und kann bei Verlust eines wertvollen Stücks wesentlich unter dem Wert liegen. Bei Überschreitung der Höchstsumme ist eine Zusatzversicherung notwendig, die meist wesentlich kostspieliger ist. Da im Schadensfall ein gesondert aufbewahrtes Verz...
Versilbern
Das Versilbern der Münzen erfolgt ähnlich dem Verfahren des Vergoldens: Bei der Feuerversilberung verwendet man Feinsilberblech, bei der Kontaktversilberung Kaliumsilbercyanid und bei der Elektrolyse Silbersalzlösungen.
Verwahrfunde
Geschlossene Münzfunde, die sich in einer Mauer, einem Graben oder einem sonstigen Versteck befinden, meist ist noch ein Behälter erhalten. Der Verwahrfund muss den zuständigen Behörden angezeigt werden.
Verwilderte Aufschriften
Nur schwer oder gar nicht lesbare, sinnlose Münzlegenden, die meist von Analphabeten oder Stempelschneidern gefertigt wurden, die nicht fähig waren, vorgegebene Schriften wiederzugeben. Die Buchstaben wurden entstellt, seitenverkehrt oder in wahlloser Reihenfolge zusammengestellt Viele verwilderte Aufschriften kommen auf barbarischen Nachprägungen vor und stammen aus der Völkerwanderungszeit und dem Mittelalter (siehe auch Trugschriften).
Vesta
Römische Göttin des Feuers, des Herdfeuers, Beschützerin der Familie und eine der wichtigsten Göttinnen des Staatskultes. Ihre Priesterinnen, die Vestalinnen, unterstanden direkt dem Pontifex maximus, ein Amt, das seit Augustus in den Händen der Kaiser lag. Vesta ist erst auf späten republikanischen Münzen dargestellt, kommt aber öfter auf kaiserzeitlichen Münzen seit Kaiser Caligula vor. Ihre Attribute sind Zepter, Patera, Simpuvium und Fackel.
Darstellung des...
Vestner
Bedeutende deutsche Medailleure, Vater Georg Wilhelm (1677-1740) und Sohn Andreas (gest.1754), deren Werke nur schwer voneinander zu trennen sind. Georg Wilhelm Vestner wurde 1677 in Schweinfurt geboren und ließ sich nach Ausbildung und ausgedehnten Studienreisen (Chur, Berlin, Weimar) um 1700 in der Freien Reichsstadt Nürnberg nieder. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf einer Reihe künstlerisch bedeutender Medaillen im barocken Stil. Daneben schnitt er auch viele Münzstempel, u.a. für W
Vexillum
Römische Fahne in Form eines rechteckiges Tuchs, die an einer Querstange befestigt war, die mit dem Schaft der Stange des Feldzeichens verbunden war. Die Vexilla waren vor allem die Standarten der Reiterlegionen oder -manipeln und trugen Namen und Nummern ihrer militärischen Einheit. Einige sind auf Münzen der römischen Kaiserzeit dargestellt, in Händen von Soldaten (vor allem von Reitern) und auch von Gottheiten. Besonders die Münzbilder der Sesterze Kaiser Hadrian...
Vianen, Paul van
Vielseitiger niederländischer Künstler, der sich als Radierer, Goldschmied und Medailleur einen Namen machte. Sein Geburtsjahr ist ungewiss, sicher ist, dass er am Prager Hof Kaiser Rudolfs II. die Nachfolge von Antonio Abondio antrat. Vianens Porträtmedaillen Rudolfs II. zählen zu den schönsten und prächtigsten Porträtierungen, die man von diesem Kaiser kennt. Eine große Gussmedaille zeigt auf der Vs. den Kaiser hoch zu Ross, auf der Rs. den Herrscher zwischen den allegorischen Figuren ...
Vicarius
Lat. Aufschrift auf Münzen, bezeichnet Vikare oder Stellvertreter, die nach dem Tod des Kaisers als dessen Stellvertreter Münzen ausgaben, bis der nächste Kaiser gewählt war. Lat. Bezeichnungen wie "Archi vicarius" oder "Rex elector" (Reichsverweser) sind auf diesen Vikariatsmünzen zu finden.
Victoria
Weibliche Personifikation des Sieges der Römer, entspricht der griechischen Nike. Auf Münzen der Republikzeit ist die Siegesgöttin meist als kleine Figur über Zwei- oder Vierspännern (Biga oder Quadriga) schwebend dargestellt. Eine Ausnahme ist der silberne Victoriatus, der auf der Rs. Victoria, ein Tropaeum errichtend, zeigt. In der Kaiserzeit ist sie als Standfigur dargestellt, oft geflügelt. Ihre Attribute sind Siegeskranz und Palmzweig, häufig sind ihr Trophäen beigegeben. Schließl...
Victoriatus
Silbermünze aus der Zeit der römischen Republik, die etwa seit ca. 200 v. Chr., noch vor den ersten Denaren, geprägt wurde. Der Victoriatus ist nach der Rückseitendarstellung, der Victoria, die ein Tropaeum errichtet, benannt, die Vs. zeigt das Kopfbild des Jupiter. Das Gewicht der Münze lag bei drei Scripula, also etwa 3,4 g, etwas unter dem späteren Denar. Die meisten Victoriati wurden außerhalb Roms geprägt. Wahrscheinlich lief der Victoriatus im Wesentlichen nur in entlegenen italisc...
Victoriola
Kleine Victoria-Statuette, die auf römischen Münzen in Händen einer Gottheit oder eines Feldherrn bzw. Kaisers dargestellt wurde. Die Victoriola symbolisierte die sieghafte Kraft ihres Trägers oder spielt auf die militärischen Erfolge des dargestellten Kaisers an.
Darstellung der Victoria mit Victoriola auf einem As desAntonius Pius (138-161 n. Chr.)
Viehgeld
Das Viehgeld diente als Teil des Naturalgeldes (aus tierischen und pflanzlichen Produkten) mit der Arbeitsteilung in vielen Frühkulturen von Naturvölkern (vor allem Hirtenvölker) der Übertragung von Vermögenswerten. Es wurde als Wertmesser und Wertmaß, zur Entlohnung von Dienstleistungen, zur Bezahlung von Schulden, Steuern und Bußen sowie als Opfergaben und als Kampf- und Siegespreis verwendet. In Mittel- und Südeuropa verwendete man vor allem Rinder und Kühe, in anderen Gebieten möge...
Vierbrüdertaler
Talermünzen aus dem Herzogtum Sachsen-Altenburg mit verschiedenen Darstellungen der vier Söhne Friedrich Wilhelms, der vier regierenden Brüder Johann Philipp I. (1602-1639), Friedrich VIII. (1602-1625), Johann Wilhelm IV. (1602-1632) und Friedrich Wilhelm II. (1603-1669). Zwischen 1605 und 1612 sind je zwei Brüder auf jeder Münzseite einander zugewandt dargestellt, zwischen 1613 und 1618 sind die Hüftbilder der vier Brüder auf der Vs. vereint einander zugewandt dargestellt (Rs. Wappen mit...
Vierchen
Kleinsilbermünzen zu vier Vinkenaugen, die im 15. und zu Anfang des 16. Jh.s von einer Reihe von Städten in Pommern geprägt wurden, auch Vierken genannt. Vier Vierchen entsprachen dem Wert eines pommerschen Schillings. Das Gewicht des Vierchens lag bei etwa 0,5 g oder knapp darunter, seine ursprüngliche Feinheit von 360/1000 fiel später noch erheblich. Bereits im 14. Jh. soll es im preußischen Ordensland ähnliche Stücke gegeben haben.
Vierer
Verschiedene Münzen zu vier Pfennigen, Hellern ( Haller) oder Stäblern, die vor allem am Oberrhein sowie im süddeutschen und schweizerischen Gebiet seit dem späten Mittelalter geprägt wurden:Die wohl frühesten Vierer stammen aus der Reichsstadt Straßburg, die seit 1397 Vierpfennigstücke im Gewicht von etwa 1,29 g (960/1000 fein) prägten. Obwohl der Feingehalt der bis zum Ende des 15. Jh.s geprägten Münzen leicht abgesenkt wurde, erwiesen si...
Vierlander
Bezeichnung eines burgundischen Doppelgroschens ( Patard), den Philipp der Gute für die vier Provinzen Flandern, Brabant, Hennegau und Holland seit 1434 prägen ließ. Er war damit die erste einheitliche Prägung für die Niederlande. Die Vs. zeigt das burgundische Wappen, Löwe und Kreuz, die Rs. das Langkreuz mit Löwen in der Mitte, in den Winkeln Lilie und Löwen. Die Münze wurde zuerst in Brüssel und Löwen (Leuwen) geprägt, später auch in Dordrecht, Gent und Valenciennes.
...
Vierpass
Vier nach außen weisende Bögen, die das innere Münzfeld umrahmen. Als Stilelemente der Gotik findet sich der Vierpass noch häufiger auf mittelalterlichen Münzen als der Dreipass. Wenn die runden Bögen von vier nach außen weisenden Spitzen ergänzt werden, spricht man von einem Spitzvierpass.
Vierpass auf der Rückseite eines Chaise d'or von Flandern
Vierschildheller
Bezeichnung von Hohlringhellern, die die rheinischen Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und der Pfalz in zwei Perioden (zwischen 1464 bis etwa 1484 und 1502 bis 1521) prägten. Sie zeigen die vier Wappenschilde der Kurfürstentümer in Kreuzform. Die Schilde der früheren Periode sind schlank und spitz zulaufend gestaltet, die der zweiten Periode sehen gedrungener und abgerundeter aus. Es gab Beischläge im angrenzenden niederrheinischen, westfälischen und hessi...
Vierschlagpfennige
Verschiedene mittelalterliche Pfennige aus Lothringen, der Schweiz und Süddeutschland, die nicht auf runden, sondern auf rechteckigen oder quadratischen ausgeschnittenen Schrötlingen beruhten. Um den vier Ecken der Münzen eine rundere Form zu geben, wurden sie mit einem Hammerschlag ausgedehnt und stumpf oder zipfelig hoch gebogen. Durch die Hammerschläge entstand in der Mitte des Schrötlings das Quadratum supercusum. Vierschlagpfennige wurden in Lothringen (zuerst im Bistum Metz) bereits i...
Viertelgulden
Bezeichnung und Wert des 15-Kreuzer-Stücks. Viertelgulden wurden in der 2. Hälfte des 17. und zu Beginn des 18. Jh.s in großen Mengen ausgeprägt, vorwiegend nach dem Leipziger Fuß. Darunter kann der Sammler viele interessante und sogar einige seltene Stücke finden. Der schweizerische Viertelgulden wurde als Örtli bezeichnet und von Schaffhausen, Schwyz (als 10-Schilling-Stücke oder Vierbätzner) im 17. Jh. und von St. Gallen (als 15-Kreuzer-Stüc...
Vierteltaler
Auch Ort oder Ortstaler (in Mittel- und Ostdeutschland) genannt, war der vierte Teil des Talers, erstmals unter Friedrich III. (dem Weisen) 1507 in Zwickau geprägt. Die Prägung der Vierteltaler war beliebt und nahm erst mit der Ausprägung der Zweidritteltaler oder Gulden ab. Das Viertelstück des Reichstalers war ein 6-Groschen-Stück (8 Gute Groschen), das als Reichsort oder auch als Sechsling bezeichnet wurde. Viertel- oder Ortstaler sind im Typ oft an die entsprechenden Ganz- oder Halbtale...
Vikariatsmünzen
Münzen, die die Kurfürsten der Pfalz und vor allem von Sachsen als Stellvertreter( Vicarius) nach dem Tod des Kaisers bis zur Wahl des nächsten Kaisers in Erinnerung an dieses Ereignis prägten. Nach der Übernahme der pfälzischen Kurwürde durch Bayern gaben auch bayerische Kurfürsten Vikariatsmünzen aus. Meist wurden Dukaten, Taler und Halbtaler als Vikariatsmünzen geprägt, in Sachsen kamen aber auch kleinere Werte bis herab zum Zwölfteltaler vor. Die Stücke aus dem silberreichen Sac...
Vinkenaugen
Auch Finkenaugen, lat. "vincones" oder "parvi denarii slavicales" genannt, sind kleine, geringhaltige Pfennige, die hauptsächlich im 14. und 15. Jh. im mecklenburgisch-pommerschen Gebiet geprägt wurden. Die meist zweiseitig beprägten Pfennige wogen etwa 0,25 g (200/1000 fein). In geringeren Mengen wurden sie auch in der Mark Brandenburg, Ostpreußen und wohl auch in der Lausitz geschlagen. In Pommern waren sie zeitweilig die einzigen Rechnungsmünzen. Dort sind sie 1279 urkundlich erstmals er...
Vintem
Portugiesische Silbermünze zu 20 Reis, die König Johannes II. im Jahr 1489 einführte. Die Vs. zeigt ein gekröntes Y, die Rs. das portugiesische Wappen. Manuel I. (1495-1521) ließ das Y durch ein M ersetzen, Johann III. (1521-1557) ging wieder zum Y über. Letzterer ließ auch Doppelstücke zu 40 Reis prägen. Im frühen 17. Jh. wurden in der portugiesischen Kolonie Brasilien kupferne Vintem und Vielfachstücke (bis zu 12 Vintem) geschlagen.
Virenium
Bezeichnung eines modernen Münzmetalls, das für Münzen der Insel Man seit 1978 verwendet wird. Das zwischen 1978 und 1982 verwendete Virenium besteht aus einem Nickelkern, plattiert mit einer Legierung (Magnimat M) von Kupfer (81%), Zink (10%) und Nickel (9%). Das seit 1983 verwendete Münzmaterial enthält keinen Nickelkern und ist nicht magnetisch. Der Name Virenium ist abgeleitet von Virena Pobjoy, der Gattin des Inhabers der Pobjoy Mint.
Virtus
Römische Verkörperung der Tapferkeit und des Mutes, der hochgeschätzten Tugend der Römer. Auf römischen Münzen wurde sie meist als weibliche behelmte Figur mit Speer und Schild dargestellt, oft mit Victoriola. Manchmal tritt sie mit Kaisern, anderen Personifikationen oder Gottheiten auf, vorwiegend mit Victoria und Honos, mit letzterem hatte sie gemeinsam einen Tempel. Ihre Darstellung ähnelt sehr der Roma. Im 3. Jh. tragen die Virtus-Darstellungen oft männliche Züge mit Ähnlichkeit zu...
Vitta
Wollband, das römische Priester und Priesterinnen im Altertum um den Kopf banden und dessen Enden hinter den Ohren auf den Hals herabhingen. Es wurde meist in Verbindung mit einer Infula (Wollflocken) getragen und bedeutete, dass die Träger einer Gottheit geweiht waren. Das Tragen der Vitta war nicht nur den Priestern vorbehalten; nach griechischem Brauch konnten auch Eingeweihte der Mysterien solche Bänder tragen. Der Kopf eines Opfertieres konnte auch mit einer Vitta geschmü...
Vlieger
Volkstümliche Bezeichnung des niederländischen Arendschelling, nach der missglückten Darstellung des gekrönten Adlers auf der Rückseite.
Brabant, Vlieger 1541 des Karl V. (1506-1555)
Vlieskette
Die Kette des Ordens vom GoldenenVlies, die auf vielen neuzeitlichen Münzen dargestellt ist, meist ist die Kette um das Wappen gelegt. Sie kommt vor allem auf Münzen der Habsburger (österreichische und spanische Linie) vor. Aber auch andere Münzherren, die Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies waren, verwendeten die Kette und das Kleinod auf ihren Münzen.
Voce Populi
Irische kupferne Token, die von dem Knopffabrikanten Roche 1760 in Dublin hergestellt wurden. Es handelt sich um Halfpennies und (seltener) Farthings, die nach der Vorderseitenschrift VOCE POPULI benannt sind. Die Worte umrahmen die belorbeerte Büste des englischen Königs Georg III., die so wenig Ähnlichkeiten mit anderen Porträts des englischen Königs hat, dass man darin die Züge des Jakobiterprinzen Charles Edward Stuart zu sehen vermeinte. Die Rs.n zeigen die sitzende Hibernia (weiblich...
Voigt, Karl Friedrich
Deutscher Medailleur, Graveur, Edelstein- und Stempelschneider, der u.a. an der Loos'schen Münzprägeanstalt in Berlin und unter Benedetto Pistrucci in London arbeitete, bevor er 1829 als Chefgraveur und Medailleur an die Münchener Münzstätte (bis 1855) berufen wurde. Dort schnitt er die Stempel für viele bayerische Münzen, u.a. für die bayerischen Geschichtstaler. Proben und eine Vielzahl von Medaillen für das Haus Wittelsbach und andere deutsche Fürsten gehen ebenso auf Voigt zurück ...
Völkerwanderungs-Münzen
Im engeren Sinn die Münzen aus der Epoche der Völkerwanderungszeit germanischer Stämme, die zwischen dem 4. und 7. Jh. v. Chr. in das Gebiet des römischen Reichs einfielen oder sich dort ansiedelten (vor allem Donauraum, Norditalien, Gallien, Hispanien bis nach Nordafrika). Mit dieser Völkerwanderung war der Zusammenbruch des weströmischen Teils des Reichs verbunden, aber auch die Befruchtung der germanischen Völkerschaften mit der römischen Kultur und dem christlichen Glauben. Von den g...
Volksmedaillen
Im Gegensatz zu den künstlerisch anspruchsvoll gestalteten Medaillen erhebt die Spezies der im Durchmesser oft kleineren Volksmedaillen keine künstlerischen Ansprüche. Sie entwickelte sich in der ersten Hälfte des 18. Jh.s vor dem Hintergrund des untergehenden Absolutismus, sieht man einmal von den früheren Marken, Jetons und Rechenpfennigen ab, die Ähnlichkeit mit den Volksmedaillen aufweisen. Viele britische Token ähneln ihnen. Die Stücke sind meist von privaten Herstellern in größer...
Vorbeschickung
Zusatz an Kupfer zum Edelmetall, um beim Schmelzen die vorgeschriebene Legierung zu erhalten. Bis ins 18. Jh. bedeutete die Vorbeschickung nur den Zusatz an Kupfer, der erfahrungsgemäß zugesetzt wurde, um den Abgang beim Verbrennen und Sieden (insbesondere beim Weißsieden) auszugleichen. Dementsprechend war die Nachbeschickung der nachträglich zugesetzte Teil an Kupfer.
Vorderseite
Auch Avers (abgekürzt Vs. oder Av.) ist die Hauptseite der Münze, die das Bild des Münzherren oder Herrschers, dessen Wappen oder Monogramm trägt. Auch kann ein anderes Symbol oder Merkmal, aus dem die Münzhoheit der Stadt, des Staats oder des Münzherren hervorgeht, diese Rolle übernehmen. Bei antiken Münzen bezeichnet man die durch den Unterstempel geprägte Münzseite als Vorderseite, bei modernen Münzen die staatspolitisch wichtigere Seite...
Vormünzliche Zahlungsmittel
Bezeichnung für frühe Formen des Geldes und Vorformen der Münze, die auch unter den Ausdrücken Primitivgeld, traditionelle Zahlungsmittel oder ursprüngliches Geld bekannt sind, die aber den Gegenstand ebenso unzureichend beschreiben. Der Ausdruck sollte keinesfalls rein zeitlich als "Geld vor dem Aufkommen der Münze" verstanden werden, sondern bildet eher eine kulturgeschichtliche Vorstufe. Vormünzliche Zahlungsmittel haben sich unter der Voraussetzung der Arbeitsteilung im Allgemeinen au...
Votivfunde
Von lat. "votum" (Gelübde, Opfer) abgeleitet, Münzfunde als Gabe, Opfer oder Weihegeschenke (für Götter), die an speziellen Stätten dargebracht wurden. Typische Orte für Votivfunde sind Brunnen( Brunnenfunde) und (heilbringende) Quellen ( Quellenfunde), die Nymphen, lokalen Schutzgeistern oder Schutzpatronen geweiht waren. Die Besucher heiliger Orte ließen ihre Münzgaben der Schatzverwaltung zukommen, die sie im Schatzhaus verwahrten, das sich oft, wie beim Heiligtum von Delphi, in unmit...
Votivmünzen
Römische Münzen der Kaiserzeit, die schon seit Augustus, besonders oft seit der Zeit der Tetrarchie, vorkommen und deren Gepräge sich auf öffentliche Gelübde (lat. Vota publica), Versprechungen und Pläne der Kaiser beziehen. Die kaiserlichen Gelübde wurden meist beim Amtsantritt oder zu Jahresbeginn im folgenden Jahr abgelegt, vermutlich im Rahmen eines religiösen Zeremoniells oder waren begleitet von 5- oder 10-Jahresfeiern (Quinquennalien oder Decennalie...
Vreneli
Volkstümliche Bezeichnung des goldenen 20-Franken-Stücks der Schweiz, das nach einem Entwurf von Fritz Landry gestaltet wurde. Die Vs. zeigt das Kopfbild eines Mädchens (nach Françoise Kramer geb. Egli) mit einer Edelweißkette. Die Rs. bietet den Wappenschild (mit Schweizerkreuz), Wertangabe und Jahreszahl. Das Goldstück wog 6,45 g (900/1000 fein) und wurde zwischen 1897 und 1949 geprägt.