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Münzberufe

Im Münzwesen der römischen Kaiserzeit war der Kaiser der eigentliche Münzherr, wenn auch der Senat als Kontrollinstanz mit eingeschaltet war. Die administrative Leitung wurde vom „Praefectus monetae“ (eine Art Geldminister) wahrgenommen, der den Titel „Rationalis“ trug. Die technische Durchführung der Prägung oblag einem „Rocurator monetae“, dem die „Officinatores“ (Zweigstellenleiter) mit den verschiedenen Fachkräften unterstanden. Der „Signator“ (Stempelschneider) und „Scalptor“ (Graveur) hatten einen eigenen kunstverständigen Vorgesetzten, den „Praepositus“. Außerdem gab es den Aequator (Justierer, Wardein), den Dispensator (Kassierer), den Nummularius (Geldprüfer), den Malleator (Zuschläger), Suppostor (Zureicher) und den Mediastinus (Gehilfe). Die mittleren und unteren Münzarbeiter und -beamten setzten sich in der frühen Kaiserzeit meist aus Freigelassen (Felix Augusti Libertus) und Sklaven zusammen. Alle zusammen bildeten die Familia monetalis oder Familia monetaria, die mit dem Zwang der erblichen Berufsfolge unter Kaiser Aurelianus (270-275 n. Chr.) einen sippenähnlichen Charakter annahm. Zunächst wechselten die Mitglieder der „Münzfamilie“ wohl den Ort. Der Münzverband war nach den strategischen Erfordernissen des Reichs ambulant tätig. Daraus bildeten sich festansässige Münzämter, die zur Deckung des Münzbedarfs der Provinzen prägten. In der Mitte des 3. Jh.s wurden die meisten für die Provinzen arbeitenden Münzämter geschlossen, weil sich die Münzprägung nicht mehr rechnete. Im Rahmen der Münzreformen unter Diokletian (294-305 n. Chr.) öffneten die meisten alten Münzstätten wieder, zusätzlich wurde eine Reihe Münzstätten neu eröffnet, alle als Reichsmünzämter.

In der germanischen Völkerwanderungszeit und im frühen Mittelalter war der vom König instruierte Münzer (Monetarius) für die Ausgabe der Münzen verantwortlich. Aus der Merowingerzeit des 7. und 8. Jh.s sind mehr als 2000 Kennzeichnungen von Münzern bekannt, die damit die Umlauffähigkeit der Stücke bestätigten. Deshalb wird angenommen, dass die merowingischen Münzer reich und selbstständig waren (Eligius). Unter den Karolingern wurde die Münzprägung zentralisiert, die Münzer auf ihr Amt (lat. Ministerium) vereidigt, womit sie ihre Selbstständigkeit verloren. Seit dem 9. Jh. vergaben die sächsischen Kaiser und Könige das Münzrecht an geistliche Fürsten (Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte), seit dem 11. Jh. an weltliche Fürsten (oft in Verbindung mit dem Wechseltisch und Zollrecht), später auch an reiche Stadtbewohner und den Landadel, oftmals erblich. Daraus entwickelten sich im 12./13. Jh. mit zunehmender Arbeitsteilung Genossenschaften, in denen sich die Münzer zusammenschlossen. In der Lombardei und der Toskana z.B. die „Societas operariorum et monetariorum Lombardie“, in Frankreich z.B. die „Serment de l'Empire“ (Savoyen, Dauphiné, Rhonegebiet), „Serment de France“ (Ile de France) oder die „Serment de Brabant“ (Niederlande) nach dem Schwur benannt, den man ablegen musste, um in die Genossenschaft aufgenommen zu werden. In Deutschland, vor allem am Rhein, erlebten im 13./14. Jh. Hausgenossenschaften eine Blüte, eine Korporation von reichen Bürgern (Kaufleuten, Goldschmieden u.a.), die die Aktivitäten der Münze regelten. Sie waren regional verschieden organisiert (z.B. in Zünften) und über Rechte und Pflichten mit den eigentlichen Prägeberechtigten verbunden. Über die im Mittelalter Münzknechte genannten Münzarbeiter ist wenig bekannt. Durch die beginnende Technisierung im 13./14. Jh. und die Übernahme der Münzstätten durch die Landesfürsten und Städte bildete sich so der Münzerberuf heraus, der männlich und auch weiblich erblich sein konnte. Frauen verrichteten aber meist untergeordnete Tätigkeiten. In der vierjährigen Lehrzeit hatten die Münzlehrlinge während der Arbeit eine Narrenkappe und häufig ein Schellengewand zu tragen, um eine sicht- und hörbare Kontrolle zu ermöglichen. Der als „Reichsmünzohm“ bezeichnete Geselle arbeitete häufig an wechselnden Orten, was nicht nur durch Edelmetallknappheit, sondern auch durch wechselnde Machtverhältnisse und Reformen verursacht wurde. Da es aufgrund der langen und relativ teuren Ausbildung meist zu wenige Münzarbeiter gab, war die Arbeitsbeschaffung in der Regel kein Problem. An einer Reichsmünzstätte durften allerdings nur „Reichsmünzgesellen“ arbeiten; ihnen bot sich die Möglichkeit, zu Münzmeistern aufzusteigen, die nicht nur Disziplinarvorgesetzte des Münzpersonals waren, sondern oftmals die Münzen eigenverantwortlich führten, obwohl Pachtverträge eigentlich (rechtlich) verboten waren. Die Münzmeister fanden meist Gelegenheit, durch Nebengeschäfte auf eigene Rechnung beträchtliche Gewinne zu machen. Als Kontrollinstanz fungierte der Wardein, der den Betrieb überwachte, die Stempel verwahrte, die Metalllegierungen und Münzen und die Abrechnungen prüfte. Es war ihm verboten, mit den Bediensteten der Münze Geschäftsbeziehungen zu unterhalten. Der Münzmeister und der Wardein mussten Eide leisten. Das weitere Münzpersonal bestand aus Schmiedemeistern, Eisenschneidern oder -grabern (später Medailleure), aus Gießern, Zainmeistern, Schrotmeistern, Stempelschneidern, Probierern, Setzmeistern, Eisenhütern und Justierern. Die absolutistischen Herrscher, die oft verschwenderisch mit Geld umgingen, beschäftigten für die schriftlichen und rechnerischen Aufgaben, die bis dahin die Münzmeister erledigt hatten, eigens sog. Münzrendanten.

Dieses System wurde allmählich durch das Beamtentum ersetzt, zuerst in Deutschland, nachhaltig erst in napoleonischer Zeit. Die Verteuerung der Münzproduktion und die mit der nationalstaatlichen Entwicklung verbundene Zentralisierung führten schließlich im 19. Jh. zur Schließung vieler Münzstätten in Deutschland. In England gab es am längsten private Münzunternehmer, die auch im Auftrag anderer Länder prägten. Auch die großen Münzstätten in Paris, London, Berlin und Wien übernahmen die Münzproduktion für andere (kleinere) Staaten, für die sich die Unterhaltung einer eigenen Münzstätte nicht lohnte.

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