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Mark I

Numismatische Objekte oder Münzersatzmittel, die zu verschiedenen Zwecken - meist wie Münzen - aus Metall, aber auch aus anderen Materialien (Bein, Holz, Glas, Pappe, Papier) hergestellt wurden. Die münzähnlichen Gebilde dienten schon im Altertum als Berechtigung zum Bezug von Waren (Getreide, Öl) und Geld, als Eintrittskarten für Volksversammlungen, Theatervorstellungen und Bordelle (Spintriae). Die Marken aus der griechischen Überlieferung sind als Symbola bekannt, die des Römischen Reichs als Tessarae. Die meisten Marken des Altertums sind aus Blei oder Bronzeblech, es gibt aber auch Stücke aus Knochen und Elfenbein. Sie zeigen bildliche Darstellungen und Schriften, manchmal auch nur Zahlen oder Monogramme auf ihrem Gepräge, sodass der Verwendungszweck nicht immer erschlossen werden kann. Die römischen Spintriae tragen erotische Darstellungen.
Im Mittelalter, vor allem Spätmittelalter, kamen Marken für die verschiedensten Zwecke in Gebrauch, die ältesten Zeugnisse (12. Jh.) stammen aus Frankreich, Deutschland, Flandern und Holland. Die in Frankreich Mereau genannte Marke war ursprünglich in der Regel aus Blei gegossen (plomb). Die Mereaux dienten Gilden und anderen beruflichen Körperschaften als eine Art Mitgliedsausweis. Klöster und Abteien verkauften sie an Pilger, die Kirche regelte damit Obliegenheiten der französischen Geistlichkeit. Seit dem 13. Jh. galten sie auch Münzern als Passiermarken und zeigten manchmal Darstellungen von Münzwerkzeugen.
Im deutschen Sprachraum wurden die Marken früher Zeichen genannt, der Großteil wurde aus Kupfer hergestellt. Die meisten deutschen Zeichen stammen aus Nürnberg, Augsburg und Regensburg. Gildenzeichen dienten als Ausweis- oder Legitimationsmarken vieler mittelalterlicher Zünfte und Gilden. Sie wiesen angesehene Handwerkerschaften aus. Karitative Zusammenschlüsse gaben Marken für Bettler aus. Andere Zeichen dienten zum Passieren von Brücken, Flüssen, Kanälen und Stadttoren wie auch als Quittungsmarken für Zoll und Steuern. Sie konnten auch zum Zutritt zu Ratsversammlungen, zu Münzstätten und anderen gesperrten Bezirken berechtigen. Für Bezugsmarken konnte man Getreide, Holz oder Torf wie auch Baumaterialien (Lehm, Kalk) erhalten. In Notzeiten wurden Marken zur Rationierung von Brot, Fleisch oder anderen Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben. Ratszeichen wurden von der Stadt für die Anwesenheit bei Versammlungen an Ratsmitglieder verteilt. Sie dienten auch als Entlohnung für Verdienste der damals meist noch ehrenamtlich arbeitenden Ratsmitglieder. Sie waren vor allem im 16. und 17. Jh. im Rheinland beliebt, wo sie in Ratsschänken gegen eine bestimmte Menge Wein eingelöst werden konnten. Viele Marken wurden als Entlohnung für geleistete Arbeit ausgegeben, wie z.B. für Zeitarbeit (Tagelohn). Sogenannte Robotmarken konnten hinterher gegen Waren oder Bargeld abgerechnet werden. Dazu zählen auch die für bestimmte Fördermengen ausgegebenen Bergwerksmarken (Polletter). Die von den Bursarien der westfälischen Domkapitel im 16./17. Jh. ausgegebenen Bursarienzeichen waren die ersten Kupferprägungen Deutschlands und damit Vorläufer der westfälischen und deutschen Kupfermünzen. Marken mit Geldwert spielten in England, Irland, USA, Kanada und Australien im inoffiziellen Zahlungsverkehr in Notzeiten oder bei Kleingeldmangel eine wichtige Rolle. Die Grenze zwischen diesen sog. Token und den Münzen des deutschen und österreichischen Notgelds nach dem Ersten Weltkrieg ist fließend. In Mittel- und Südamerika geben die Großgrundbesitzer bis heute Haciendamarken (Hazienda Token) zur Bezahlung der Arbeiter aus, die oft für flächenmäßig riesige Gebiete gelten.
Der Begriff wurde im 19. Jh. auf Briefmarken und im 20. Jh. auf Lebensmittelmarken übertragen. Da die Druckkosten niedriger sind als die Prägekosten, werden die in Deutschland heute üblichen Essens- und Getränkemarken (Kantinen-, Mensa-, Kellner-, Biermarken usw.) meist in Pappe, Karton oder Papier ausgegeben. Lediglich bei der Herstellung von Automatenmarken überwiegen noch metallische Grundstoffe.

    

Marke für einen Liter Milch des MajoratsChwalkowo in Posen

    

Werbemarke der Firma Wichsmädle-Bohnerwachs in Dresden

    

Postdienstmarke und Straßenbahnmarke der Stadt Halle a. d.Saale

Marke des Gutes Kockow im Bezirk Danzig

    

Brotmarke zu 50 Gramm des Kreises Mainz

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