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Münzvereine

Schon in der Antike vereinbarten griechische Stadtstaaten, nach gemeinsamem Münzfuß, teilweise sogar mit ähnlichem Münzbild, gleiche Nominale auszugeben, um den betreffenden Münzen größere Geltung zu verschaffen (Bundesmünzen). Im Mittelalter kennzeichnete die politische und monetäre Zersplitterung - viele Münzstände mit unterschiedlichen Münzfüßen und Bewertungen des Pfennigs, die ständigen Münzverrufungen und Beischläge - das deutsche Münzwesen. Schon bevor die geschwächte Zentralmacht während des Interregnums in der 2. Hälfte des 13. Jh.s gänzlich ausfiel, versuchten einzelne Münzstände (vor allem im Rahmen der Landfriedensbünde) ihre Münzpolitik aufeinander abzustimmen (Münzkonventionen). Um dem monetären Chaos zu entgehen, das im Deutsch-Römischen Reich entstanden war, gründeten im Spätmittelalter verschiedene MünzständeMünzvereine.

Am 1379 entstehenden Wendischen Münzverein der norddeutschen Hansestädte waren Lübeck, Hamburg, Lüneburg und Wismar beteiligt, zeitweise auch Rostock, Stralsund und Hannover. Auch viele Städte in Pommern, Mecklenburg und Holstein übernahmen die Prägung des Münzvereins, ohne selbst Mitglieder des Münzvereins zu werden. Auch in Bremen, Göttingen, Berg und Höxter lief die ursprünglich wendische Vereinsmünze (Witten) um, die auch zum Vorbild für die dänische und schwedische Prägung wurde (Hvid). Seit 1391 kam zu dem Witten (zu 4 Pfennigen) auch noch der Dreiling und der Sechsling, im 15. Jh. der Blaffert, der lübische Schilling und Doppelschilling und im 16. Jh. die Lübische Mark. Nach der Einteilung des Gebiets in den niedersächsischen Münzkreis und mit der Übernahme der Talerwährung 1569 war der Wendische Münzverein aufgehoben.

Einigungsbestrebungen am Rhein führten 1385/6 zur Gründung des Kurrheinischen Münzvereins, neben dem Wendischen Münzverein der wichtigste monetäre Zusammenschluss. Die rheinischen Kurfürsten (Kurtrier, Kurköln, Kurmainz und der Pfalzgraf am Rhein) einigten sich auf die Prägung des (rheinischen) Goldguldens, der über die Grenzen hinaus zur wichtigen Goldhandelsmünze wurde. Andere Absprachen betrafen die Prägung des Albus und anderer Sorten. Weitere Münzstände schlossen sich dem Münzverein an, wie z.B. Jülich-Berg, Jülich-Cleve und Jülich, Aachen, Dortmund, Münster, Köln (Stadt), Speyer (Bistum), später auch Münzstände in Hessen. Die Münzvereinigung erreichte zu Beginn des 16. Jh.s ihre größte territoriale Ausdehnung und zerfiel danach allmählich. Auch ein Vertrag über eine gemeinsame Pfennigprägung im Jahr 1572 konnte den Münzverein nicht wiederherstellen. Lediglich der enge Zusammenhalt zwischen Kurmainz und der Kurpfalz, die schon vor der Gründung des Münzvereins ihre Münzpolitik abgesprochen hatten, blieb bestehen. Andere Münzstände schlossen sich an, die Verbindung Pfalz/Mainz hatte bis zum Ende des alten Reichs (1806) Bestand.

Am Oberrhein gründete sich 1403 der Rappenmünzbund, dem die Städte Basel, Freiburg, Breisach und Colmar sowie der Herzog von Österreich (für seine Besitzungen im Breisgau, Sundgau und Elsass) angehörten. Die Absprachen betrafen den Stebler und Rappen, später auch den Plappert (1425), den Vierer (1462), Doppelvierer und Dicken (1498); in der ersten Hälfte des 16. Jh.s folgten noch gemeinschaftliche Batzen, Taler und halbe Taler. Hauptsächlich betrafen die Absprachen die Menge der zu verprägenden Metalle, das Rau- und Feingewicht der Münzen, die Bewertung und Verrufung fremder Münzen und gelegentlich auch die Abstimmung der Münzbilder. Einen tiefen Eingriff in die Vereinsprägung stellten die Augsburger Reichsmünzordnung von 1559 und die österreichische Münzordnung von 1560 dar. Seitdem beschränkte sich die Prägung der größeren Sorten auf Gulden, Halbgulden und Zehner; die kleinen Rappenmünzen mussten an die Münzordnung angeglichen werden. Der Münzbund blieb bis zum Einstellen der Silberlieferung vom Herzog von Österreich 1584 bestehen.

Auch in Schwaben bildete sich ein Münzbund, dem sich das Bodenseegebiet (1423) anschloss. Münzvereine bildeten auch fränkische Münzstände (Fränkischer Kreis). Die Zeit der Münzvereine war seit dem 17. Jh. vorbei. Seitdem kam es unter einigen Staaten zu Absprachen über einen gemeinsamen Münzfuß (Zinnaischer und Leipziger Münzfuß). Im 19. Jh. schlossen die süddeutschen Mitgliedsstaaten des Zollvereins (Süddeutscher Münzverein) den Münchener Münzvertrag, der sich auf einen gemeinsamen Münzfuß und gemeinsame Münzbilder bezog. Die nord- und mitteldeutschen Staaten verabredeten sich ein Jahr später in Dresden u.a. auf eine Vereinsmünze (Champagnertaler), der auch in Süddeutschland Anerkennung fand. Im Jahr 1857 brachte der Wiener Münzvertrag neben der Zugrundelegung des Zollpfunds als Basisgewicht auch den preußischen Taler als Vereinstaler für alle Mitgliedsstaaten des Zollvereins, einschließlich Österreich. Schließlich sind noch die Skandinavische Münzunion und die Lateinische Münzunion als über die Grenzen der Nationalstaaten hinausgehende Münzbündnisse zu erwähnen.

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