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Esslinger Reichsmünzordnung

Die erste Reichsmünzordnung, die am 10. November 1524 in Esslingen erarbeitet und von Kaiser Karl V. erlassen wurde. Der Kaiser und das Reich versuchten damit erstmals für gemeinsame Geldsorten zu sorgen, die auf Reichsebene gelten sollten. Der Reichstag zu Esslingen beschloss, den Goldgulden als Hauptgoldmünze des Reichs beizubehalten. Er sollte aber feinhaltiger geprägt werden als damals üblich, und zwar im Feingehalt von 22 Karat (916 2/3 /1000 fein). Man stellte einen silbernen Guldiner (damals Güldener genannt) als Währungsmünze daneben, im Gesamtgewicht von 29,23 g, der 27,41 g Silber halten sollte (entspricht einem Feingehalt von 938/1000). Die kleineren Groschen, von denen 24 auf den Guldiner gingen, sollten im Feingehalt von 750/1000 ausgeprägt werden. Das Gepräge der Reichsmünzen sollte auf den Vs.n das Wappen des Münzstandes, von dem sie geprägt wurden, auf den Rs.n den Reichsadler zeigen. Ein wesentlicher Teil der Münzordnung beschäftigte sich mit den Valvationen (Bewertungen) der umlaufenden Münzsorten, ein Zeugnis für die damals im Reich herrschenden chaotischen Münzverhältnisse. In den sieben Reichskreisen sollte jährlich ein Kreisprobationstag abgehalten werden, der die Münzstände auf die Einhaltung der Reichsmünzordnung überprüft.
Die Esslinger Reichsmünzordnung konnte sich aber nicht wie gedacht durchsetzen. Insbesondere scheiterte sie daran, dass es unzumutbar war, die bisher bereits geprägten Guldengroschen (Taler) im vorgegebenen Gewicht umzuprägen. Es hätte zu hohe Prägekosten verursacht, die schon in großen Mengen geprägten Joachimstaler und die sächsischen Taler umzuprägen. Sie hielten zwar etwas weniger Silber als der von der Münzordnung vorgesehene Guldiner, wurden aber auch zu einem Goldgulden gehandelt. Bis auf wenige Versuche unterblieb die Prägung des als Hauptsilbermünze vorgesehenen Guldiners. Außerdem war der Münzfuß für die Kleinmünzen in dieser Qualität (750/1000) zu hoch angesetzt, sodass ihre Prägung (gemessen am Nominalwert) zu teuer war. Aufgrund der fehlenden Durchschlagskraft der Esslinger Münzordnung veranlassten Kaiser Karl V. und das Reich in den 50er Jahren des 16. Jh.s die Augsburger Reichsmünzordnungen.