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Ptolemäer

Ursprünglich aus Makedonien stammendes Herrschergeschlecht, das nach Ptolemaios, einem engen Freund, Leibwächter und General Alexander des Großen, benannt ist. Nach Lagos, einem makedonischen Adligen und dem Vater des Ptolemaios, wird die Dynastie auch als "Lagiden" bezeichnet; seine Mutter Arsinoë entstammte einer Seitenlinie des Argeadengeschlechts, das seine Abstammung von Herakles und Zeus ableitete. Nach dem Tod Alexander des Großen (323 v. Chr.) fiel die ägyptische Satrapie an Ptolemaios. Durch militärische Erfolge, geschickte Heiratspolitik und den Aufbau einer Verwaltungs- und Militärorganisation konnte er die Satrapie bald als selbstständiges Reich organisieren; um 305 v. Chr. ließ er sich als König Ptolemaios I. inthronisieren. Im Laufe der Diadochenkämpfe unterstützte er erfolgreich Seleukos im Kampf um die Satrapie Babylonien, dem Ausgangspunkt des benachbarten Reichs der Seleukiden. Die Befreiung der Rhodier von der Belagerung des Demetrios brachte ihm den Beinamen "Soter" ein, als der er später göttliche Verehrung erfuhr. Seine Verehrung galt Alexander dem Großen, dessen Lebensgeschichte er verfasste. Die literarische Tätigkeit als Verfasser der Alexandergeschichte fällt vermutlich in die Zeit der Mitregentschaft seines Sohnes und Thronnachfolgers Ptolemaios II. (seit 285 v. Chr.). Ptolemaios I. Soter war der einzige der Diadochen, dem ein friedvoller Tod - im Winter 283 im Bett - vergönnt war. Am Ende der Regierungszeit des Ptolemaios. I. standen Ägypten, Kyrenaika, Zypern, Südsyrien und Teile Kleinasiens unter ptolemäischer Herrschaft, der Einfluss erstreckte sich auch auf Teile von Griechenland und der Ägäis (Nesiotenbund). Die männlichen Thronnachfolger führten bis zuletzt alle den Namen Ptolemaios. Unter Ptolemaios II. "Philadelphos" (285-246) begann der für die Dynastie typische Herrscherkult und die Heirat der Geschwister und anderer Angehöriger der Herrscherfamilie untereinander. Unter Ptolemaios III. "Euergetes" (246-221 v. Chr.) erreichte das Ptolemäerreich seine größte Ausdehnung. Er setzte die von seinem Vater begonnenen Kriege gegen die Seleukiden (Syrischen Kriege) mit einer Strafexpedition gegen die Mörder seiner Schwester Berenike von Syrien (der Witwe von Antiochos II.) fort. Sein Kriegszug zu Beginn seiner Regierungszeit (vermutlich zwischen 245 und 241 v. Chr.) führte ihn tief in das Seleukidenreich (nach Medien). Erst Schwierigkeiten in Ägypten, das in der Zwischenzeit von seiner Gemahlin Berenike II. regiert wurde, nötigten ihn zur Rückkehr. Ihr Sohn Ptolemaios IV. "Philopator" (221-204 v. Chr.) zog es vor, seine Zeit mit Orgien zu verbringen und die Regierungsgeschäfte seinen Ministern zu überlassen, vor allem dem skrupellosen Sosobios. Das Reich erlebte einen rapiden wirtschaftlichen Niedergang und den Beginn der Eingeborenenaufstände gegen die dünne griechisch-makedonische Oberschicht. Sein Sohn Ptolemaios V. "Epiphanes" (197-180) konnte die inneren Unruhen zwar zunächst einmal beenden, verlor nach außen aber die Besitztümer in Palästina, Syrien, Kleinasien, Thrakien und der Ägäis. Seit Ptolemaios VI. "Philometor" (180-164, 163-145 v. Chr.) gerieten die Ptolemäer zunehmend in Abhängigkeit von Rom. Innerfamiliäre Machtkämpfe führten zu Teilungen des Reichs, das zudem durch Aufstände, wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten (Inflationen) zerrüttet wurde. Die späten Ptolemäer waren bedeutungslose und schwache Herrscher, die unter dem Einfluss ihrer Mütter und Frauen standen. Der letzten Königin des Ptolemäerreichs, Kleopatra VII. "die Große" (51-30 v. Chr.), gelang es noch einmal, das Reich zu erweitern. Die Geliebte Caesars und Marc Antons stellte ihre geistigen Fähigkeiten und körperlichen Reize geschickt in den Dienst ihrer ehrgeizigen politischen Pläne, ein römisch-ptolemäisches Ostreich zu bilden. Mit der Niederlage in der Seeschlacht von Actium (31 v. Chr.) - gemeinsam mit Marc Anton gegen Octavian (Augustus) - scheiterte ihr Vorhaben. Im folgenden Jahr nahm sie sich das Leben, Ägypten wurde zur römischen Provinz.
Die umfangreiche, aber etwas eintönige Münzprägung der Ptolemäer begann mit Münzen im makedonischen Stil Alexander des Großen (nach attischem Münzfuß), die auf den Vs.n den Kopf Alexanders mit Ammonshörnern und Elefantenskalp zeigen. Die Rückseitendarstellung des thronendenZeus (mit Adler und Zepter in Händen) wird durch Athena Alkidemos (in voller Rüstung mit Schild und Speer in Händen) mit einem kleinen Adler als Beizeichen abgelöst. Noch zur Zeit der Satrapie zeigt ein AE-Münztyp den Adler (auf Blitzbündel) als Rückseitenbild, ein für die Münzprägung der Ptolemäer charakteristisches Motiv. Mit dem Beginn der Königszeit (um 305 v. Chr.) erscheint auf den Vs.n das Kopfbild des Königs Ptolemaios I. Soter mit Diadem, das auf den Vs.n der Ptolemäermünzen fast bis zur Endzeit der Dynastie verwendet wird. Mit dem Kopfbild des Königs und dem Adler erscheinen auch die ersten goldenen Pentadrachmen, die - neben den goldenen Oktadrachmen - die charakteristischen Nominale der Ptolemäerprägung darstellen. Die Ausgabe der goldenen Oktadrachmen begann vermutlich als eine Art Gedenkprägung nach dem Tod (270 v. Chr.) der "vergöttlichten" Arsinoe II., der Schwestergemahlin von Ptolemaios II. Philadelphos (285-246 v. Chr.). Sie zeigen auf den Vs.n das verschleierte Kopfbild der vergöttlichten Königin mit Zepter und Stephane, auf den Rs.n die doppelte Cornucopia, ein Münzbild, das auch in späterer Zeit Verwendung findet. Interessant ist der Oktadrachmen-Typ, der auf der Vs. die Büsten des besagten Geschwisterpaars Ptolemaios II. und Arsinoe II. gemeinsam trägt. Ob die Einführung dieses Typs noch in die Prägezeit unter Ptolemaios II. fällt oder erst unter Ptolemaios III. (246-221), ist nicht ganz gesichert, die Prägung des Großteils dieses Typs wird aber unzweifelhaft Ptolemaios III. zugerechnet. In diese Periode fiel eine umfangreiche Münzprägung, die im Namen von Königin Berenike II. ausgegeben wurde: Vermutlich von 246 bis 241 v. Chr., als die Königin (aufgrund der kriegsbedingten Abwesenheit von Ptolemaios. III.) das Ptolemäerreich regierte. Unter Berenike II. und Ptolemaios III. entstand die reichste Goldprägung der Dynastie: Die Nominale Oktadrachme und Didrachme, die Drachme und ihr Halbstück (Hemidrachme) und sogar das Trihemiobol (ca. 1,07 g) wurden in Gold, Deka-, Penta- und Tetradrachmen sowie 2 1/2-Drachmen-Stücke wurden in Gold und Silber ausgeprägt. Zudem wurden silberne Dodekadrachmen im Gewicht von ca. 51,6 g (nach attischem Fuß) geschlagen, das größte Silbernominal der griechischen Welt. Seit der Zeit unter Ptolemaios IV. (221-204 v. Chr.) und seinen Ministern kommt auf den ptolemäischen Münzen schließlich die Strahlenkrone als Kopfbedeckung des Königs vor; auch die Cornucopia auf den Rs.n der Münzen erscheint in dieser Zeit strahlenbekrönt. Für die Prägungen der Ptolemäer bleiben die Kopfbilder oder Büsten der Könige und Königinnen (allein und/oder gemeinsam), mit Diadem, Strahlenkrone, Schleier oder Stephane geschmückt, als typisches Vorderseitenbild bestehen. Auf den Rs.n erweisen sich Adler und Cornucopia (bei großen Nominalen auch doppelt) als die bestimmenden Motive. Die umfangreiche Ausgabe von großen Bronzemünzen der Ptolemäer, deren Charakteristikum der Zentralpunkt ist, weisen eine monotone Typologie auf. Ihre Vs.n zeigen meistZeus oder Zeus-Ammon (in der Regel bärtig mit Lockenkopf). Die kleineren AE-Münzen sind etwas abwechslungsreicher mit Darstellungen verschiedener Götter oder Helden gestaltet wie Apollon, Artemis, Dionysos, Herakles und Isis (letztere auch mit den Zügen von Kleopatra I.).

Tetradrachme des Ptolemaios III. Euergetes (246-221 v. Chr.)