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Pfundner

Tiroler Silbermünze zu 1/5 Goldgulden oder 12 Kreuzern, die Herzog (später Erzherzog) Sigismund der Münzreiche (1446-1490) etwa um 1483 einführte. Das auch "Großer Groschen" genannte Stück zählt nicht nur zu den ersten größeren Silbermünzen (Raugewicht: 6,35 g; Silbergehalt: etwa 6 g), sondern zeigt auch die erste Porträtbüste nördlich der Alpen. Wenn auch die Linienführung noch etwas grob ausfiel, zählt sie damit wohl zu den ersten im Stil der Renaissance geprägten Silbermünzen außerhalb Italiens. Der Stempelschnitt im Mailänder Stil geht auf den Graveur Wenzel Kröndl zurück. Der den italienischen und französischen Testonen ähnliche Pfundner findet sich heute selten in guter Erhaltung und ist von Sammlern sehr gesucht. 
Als der König und spätere Kaiser Maximilian I. im Jahr 1490 in Tirol die Herrschaft übernahm, konnte er auf das von Sigismund geschaffene fortschrittliche Münzwesen des kleinen Landes zurückgreifen, das die europäische Entwicklung im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit entscheidend beeinflusste. Erzherzog Sigismund verstand es, den Reichtum der Schwazer Silberbergwerke geschickt zu nutzen: Nach Verlegung der Münzstätte von Meran nach Hall (in der Nähe von Schwaz) erneuerte er das Münzsystem des für den deutsch-italienischen Handel bedeutenden Landes. Mit der Beratung für den Bergbau und die Münze betraute der Erzherzog den Venezianer Anthoni de Caballis (in Tirol auch als Anthon vom Ross bekannt), einen Kenner der technischen Neuerungen der venezianischen Münze, die kurz zuvor mit der Lira Tron die erste größere Silbermünze geprägt hatte. Dem Ganzstück des Pfundners ging ein Halbstück ("Kleiner Groschen") zu 6 Kreuzern voraus, das später unter Maximilian I. in großem Umfang geprägt wurde. Münzhistorisch gesehen kann der Pfundner als Vorstufe des Guldiners angesehen werden, der ersten Großsilbermünze, die den Wert eines Goldguldens in Silber darstellte.