0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Patina

Bezeichnung des Belags, der sich im Lauf der Zeit unter äußerer Einwirkung auf Oberflächen von Metallen bildet. Die Patina bildet sich vor allem auf Kupfer und Kupferlegierungen wie Bronze und Messing, in besonderen Fällen spricht man auch von Silberpatina auf Silbermünzen. Der Oberflächenbelag entsteht durch Einwirkung von Säuren, Salzen oder Gasen aus Luft, Wasser oder Erde über einen längeren Zeitraum auf die metallene Oberfläche von Münzen (auch auf antiken Statuen zu sehen). Auch Temperaturschwankungen können eine Rolle spielen, wie es am deutlichsten bei der rötlichen Brandpatina gegeben ist. Wenn diese Einwirkungen zu einer glatten Verfärbung der Oberfläche führten, spricht man von einer "gewachsenen Patina", die bei Liebhabern und Sammlern antiker Kunstwerke sehr geschätzt ist. Denn sie erhöht den ästhetischen Reiz der Kunstwerke und unterstreicht ihr Alter. In günstigen Fällen ist die Patina beidseitig und gleichmäßig ausgebildet. Eine gleichmäßige Patina, die das Oberflächenrelief der Kunstgegenstände nicht angreift, sondern schützt und konserviert, steigert grundsätzlich den Wert der Sammlerstücke. Voraussetzung ist natürlich, dass die Münze noch in einem sammelwürdigen Zustand ist. 
Besonders hohe Wertschätzung gilt glatten, fast emailleähnlichen dunkelgrünen (selten) und türkisenen Oberflächen (Malachitpatina), die entstehen, wenn die Münzen über Jahrhunderte luftig und relativ trocken gelagert waren. Sie bestehen aus einem Gemisch von Kupferoxid mit Kupfersalzen, wie Kupfersulfat oder Kupferchlorid. Letztere bilden sich durch Einfluss von im Boden enthaltenen Salzen, Schwefeldioxiden oder Kohlensäuren. Vorsichtig behandeln sollte man Münzen mit einer helltürkisfarbenen Patina, die stoß- und druckempfindlich ist. Eine blaugraue Art, die beliebte Rauch-Patina, ist auf vulkanischen Ursprung zurückzuführen. Sie schärft die Konturen der Gepräge meist noch und kann den Sammlerwert - je nach Schönheit der Stücke - bis zu 100% steigern. Durch Aktivitäten von Vulkanen hervorgebrachte Schwefelgase sind für die sehr seltene dunkelgelbe Art von Patina verantwortlich, wie sie bei Münzfunden an den Hängen des Vesuv vorgekommen ist. Ockergelbe Verfärbung ist auf den Einfluss von Lehmboden und Schlamm zurückzuführen. In der Regel bildet sie eine körnige Oberfläche aus, selten eine (beliebte) glatte Oberfläche, die die Stücke in einem seidigen Glanz erscheinenlässt. Die betreffenden patinierten Münzen finden sich meist in Schwemmsandgebieten von Flussmündungen, ein bekanntes Beispiel ist die Tiberpatina. Aus antikem Bauschutt geborgene Münzen weisen Farbabstufungen von Rot bis Rotbraun auf. Die rötliche Färbung wird durch Kupfer(I)oxid bewirkt, das sich durch Reduktion von Kupfer(II)oxid abgespaltet hat. Die Brandpatina wird geschätzt, wenn ihre Oberfläche glatt und homogen vorkommt (selten). Durch kristalline Ablagerungen bildet sich meist eine unebene, borkige und fleckige Oberfläche aus. Ebenfalls aus Kupfer(I)oxid wird eine mokkabraune Patina gebildet, die am häufigsten vorkommt. Sie entsteht mit der Zeit auch auf Münzen, die fachgerecht in Sammlungen gelagert sind. Ältere Kupfermünzen, wie z.B. westfälische Kapitelmünzen, sind oft mit einer Patina in einem dunklen Schokoladenton überzogen. Eine schwarze Färbung entstand auf antiken Münzen, die in Abwasserkanälen, Sickergruben, Quellen und Brunnen gefunden wurden. Die sog. Quellenpatina kommt in glatter und rauer Erscheinungsform vor und war früher bei Sammlern beliebt. Heute erscheint sie dem Geschmack vieler Sammler als zu dick, denn sie beeinträchtigt das Münzbild. 
Die Patina frisch gefundener Münzen kann sich durch die wechselnden äußeren Umstände verändern. Durch die noch enthaltene Feuchtigkeit und durch Säuren, die aktiv werden können, kann die Patina Risse oder Sprünge bekommen, Teile können abplatzen oder ausblühen; im schlimmsten Fall bildet sich ein weißliches Pulver (fressende Patina), die das Metall zersetzen kann (Bronzekrebs) und somit die Münze allmählich zerstört. In solchen Fällen sollte der Münzfreund wertvolle Stücke dem Fachmann (Restaurator) übergeben, der den Zerfallsprozess meist stoppen kann. Früher versuchten manche Sammler, die raue Oberfläche der Patina durch vorsichtiges Abschaben zu glätten. Von diesem Verfahren ist abzuraten, da sich der Sammlerwert einer Münze mit manipulierter Oberfläche wertmindernd auswirkt. 
Zur Verleihung eines "antikes Aussehens" sind Medaillen, Münzen oder Plaketten seit der Renaissance oftmals mit künstlicher Patina versehen worden. Auch Fälscher versahen ihre Stücke mit einer "künstlichen Haut", um den Anschein des Alters zu erwecken. Mit Säuren, Salzen, Gasen, Farben und Lacken konnten gelegentlich Effekte erzielt werden, die einer natürlichen Patina gleichen. Bei Verdacht sollte der Sammler die Patina von einem Fachmann prüfen lassen.