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Plåtmynt

Schwedische Bezeichnung für die großen und schweren Kupferplattenmünzen (engl. Plate money), die das Königreich Schweden zwischen 1644 und 1768 (mit Unterbrechungen) ausgab. Es handelt sich um rohe, rechteckige Kupferplatten, die gewöhnlich in der Mitte einen und an den Ecken vier Stempel tragen. Der mittlere Stempel ist mit Wertangabe (in Daler), der Bezeichnung SOLFF:MYNT oder SILF:MYNT und dem Münzzeichen versehen. Die vier äußeren Stempel sollten wohl die Beschneidung an den Ecken erschweren und tragen meist das gekrönte Monogramm der Regenten und die Jahresangabe. Die Kupferplattenmünzen haben eine Größe von bis zu 33 X 68 cm, die Ecken sind gelegentlich gerundet, um sie auf das richtige Gewicht zu bringen. Sie stammen zum Großteil aus der Münzstätte Avesta (Mittelschweden), zwischen Uppsala und den großen Kupferminen von Falun gelegen. Nur wenige sind in Husa, Kengis, Ljusnedal, Semlan und Stockholm hergestellt, letztere aus Kanonenmetall. 
Schweden war zwar arm an Gold und Silber, lieferte aber im 17. Jh. 2/3 des europäischen Kupferbedarfs. Mit der Ausmünzung der Plattenmünzen in Werten von 1/2, 1, 2, 3, 4, 5, 8 und 10 Daler versuchte das Land, den Exportpreis für das Kupfer stabil zu halten. Zwei Schiffsfunde belegen, dass Kupfer in Form von Plåtmynten sogar nach Übersee exportiert wurde. Über 3000 Plattenmünzen enthielt allein die Ladung des am Kap Aghulas (Südafrika) 1783 gestrandeten dänischen Segelschiffs "Nicobar". Bei den Resten des Wracks entdeckten 1987 zwei Harpunenfischer bei Tauchgängen diese seltsamen Kupferplatten. 
Aber die Plattenmünzen dienten nicht nur der Kupferausfuhr Schwedens, sondern auch dem Zahlungsverkehr innerhalb des Landes. Der Metallwert der ersten Ausgaben entsprach genau dem Gegenwert in Silbergeld. Das 10-Daler-Stück wog 19,75 g, genau soviel, wie der Käufer für entsprechend viel Kupfer in Silbermünzen gezahlt hätte. Da aber der Kupferpreis im Verhältnis zum Silberpreis schwankte, bildeten sich zwei Parallelwährungen aus, auf Basis der verschiedenen Münzfüße in Silber und in Kupfer. Da die Plattenmünzen ursprünglich dem Gegenwert der Silbermünzen entsprachen, sind die Wertangaben mit dem Zusatz SOLFF:MYNT oder SILF:MYNT versehen. Das Gewicht der Plattenmünzen wurde mehrfach reduziert, die letzte Ausgabe der 1-Daler-Plåtmynt betrug zuletzt 756 g und entsprach nur noch einem Drittel-Daler in Silber.
Größere Mengen von Kupferplattenmünzen wurden mit Hilfe eines speziellen Transportmittels, dem sog. Plåtdrog, befördert. Das sind einfache, schlittenähnliche Schleifen, die von einem Pferd gezogen wurden. Der Transport über längere Strecken war nicht nur zeitaufwendig, sondern auch ziemlich kostenintensiv. Bei kleineren Geschäften erwies sich der Zahlungsverkehr mit Plattenmünzen als unpraktisch, denn selbst kleinere Mengen der schweren Kupferplatten mussten mit Karren und Rucksäcken bewegt werden. Wenn ein Händler in Schweden eine Rechnung in Plåtmynt bezahlte, musste sein Geschäftspartner "in gleicher Münze zurückzahlen". Zur Vereinfachung des Zahlungsverkehrs und zur Kostensenkung der Transportwege führte die Stockholms Banco 1657 "Transportzettel" ein, die als erstes europäisches Papiergeld gelten. 
Dänemark und Russland erwogen im 18. Jh. die Herausgabe von Plattenmünzen, beließen es jedoch bei einigen Probeprägungen. Umso erstaunlicher ist es, wie lange Schweden an diesem kuriosen Zahlungsmittel festhielt. Das mag darin begründet liegen, dass die Kriege die ehemalige nordische Großmacht finanziell so erschöpften, dass sie am Kupfer als Münzmetall festhalten musste. Gegen Ende des Nordischen Kriegs (1700-1721), in den Jahren 1715-1718, wurden die Werte der alten Plattenmünzen durch Gegenstempel erhöht (Görtzsche Notdaler). Die Plåtmynten stellen ein Kuriosum der Münzgeschichte dar und üben auch auf Sammler von Allgemein- oder Querschnittsammlungen einen Reiz aus. Es sind heute nur noch sieben Exemplare von 10-Daler-Werten bekannt, kleinere Werte von 1/2, 1, 2, 3 und 4 Dalern aus dem 18. Jh. sind noch einigermaßen erschwinglich.

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