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Possidierende Fürsten

Nach dem Tod von Johann Wilhelm, dem letzten Herzog von Jülich-Kleve-Berg, begann 1609 der Streit um die Erbfolge. Mehrere Parteien beanspruchten das Erbe: Kaiser Rudolf II. und Matthias (offiziell Kaiser seit 1612) für das Haus Habsburg, die ältere Schwester des verstorbenen Herzogs, Eleonore (Ehefrau von Kurfürst Albrecht Friedrich von Preußen) für ihren Schwiegersohn Johann Sigismund von Brandenburg und seine zweite Schwester Anna (verheiratet mit dem Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Neuburg) für ihren Sohn Wolfgang Wilhelm. Noch im Jahr 1609 besetzten Truppen von Preußen und Pfalz-Neuburg das Land. Der Kurfürst und der Pfalzgraf einigten sich darauf, ihre Interessensphäre gemeinsam wahrzunehmen, und bildeten eine gemeinsame Verwaltung. Auf Münzen nannten sie sich "possidierende Fürsten" (lat. principes possidentes), wohl um ihre Besitzansprüche auf das Erbe zu dokumentieren. Meist erscheinen Abkürzungen, wie POSS: PRIN., POSS: PRINCIP. Auch im Namen der habsburgischen Kaiser, die die Verwaltung nicht anerkannten und einen eigenen Kommissar einsetzten, wurde in der Übergangszeit geprägt. Außerdem entstanden bei der Belagerung von Städten (Jülich, Kleve) Belagerungsmünzen, meist in Klippenform. In den Erbfolgestreit schalteten sich teilweise in wechselnden Bündnissen Österreich, Spanien, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande ein. Nachdem die possidierenden Fürsten die Konfessionen und Bündnispartner gewechselt hatten, verschärfte sich 1613 die Auseinandersetzung zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg. Unter Mitwirkung von Frankreich und Großbritannien konnte der Streit im Vertrag von Xanten am 12. 11. 1614 beigelegt werden, noch bevor es zum Krieg kam. Das Erbe wurde geteilt: Brandenburg erhielt Kleve, die Mark und Ravensberg, Pfalz-Neuburg wurde Jülich und Berg zugesprochen.
Die Prägungen der possidierenden Fürsten (1609-1624) stammten hauptsächlich aus den Münzstätten Emmerich, Huissen und Mülheim. Es gab auch Prägungen einiger kleiner Münzstätten, wie z.B. Bielefeld (Ravensberg). Dort wurden bis 1644 Münzen im Namen des Pfalzgrafen geprägt, obwohl Ravensberg bei der Teilung an Brandenburg fiel - ein Kuriosum als Folge der Wirren des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648).

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