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Pfalzgraf

Der Pfalzgraf (lat. comes palatinus) entwickelte sich im Fränkischen Königreich aus dem Hofbeamtentum: zunächst als Beisitzer, dann als Vertreter des Königs beim Königsgericht und Vorsteher der Gerichtsschreiber. Schließlich wurden die Pfalzgrafen Vorsitzende des sich abspaltenden Pfalzgerichts. Otto der Große (962-973) setzte die Pfalzgrafen als Vertreter der königlichen Rechte und somit als Gegengewicht zu den Herzögen in territoriale Rechte ein. Die Pfalzgrafen von Sachsen erhielten 1064 in Sulza das Münzrecht. Der bedeutendste Pfalzgraf wurde der "comes palatinus Rheni" (Pfalzgraf bei Rhein), wie Heinrich von Laach, der dritte Gatte der Witwe des lothringischen Pfalzgrafen 1093 zum ersten Mal genannt wurde. Auf Heinrich geht vermutlich auch die erste Münze zurück, die im Namen des rheinischen Pfalzgrafen geschlagen wurde. Über die Staufer und Welfen fiel die Pfalzgrafschaft 1214 an Ludwig I. von Bayern, dessen Sohn Otto II. (gest. 1253) durch Heirat mit der welfischen Erbtochter Agnes von der Pfalz auch die Erbgüter der Pfalzgrafen erwarb. Die Wittelsbacher erweiterten das Gebiet des Pfalzgrafen ständig und nahmen Neustadt und Heidelberg (das später zum Sitz der Pfalzgrafen wurde) zu Lehen. Gemäß dem wittelsbachischen Hausvertrag von Pavia (1329) wurde Bayern der neueren Hauptlinie zugesprochen, die Oberpfalz (zwischen Regensburg und Fichtelgebirge) und die Untere Pfalz (Besitzungen links und rechts des Rheins) gingen an die ältere pfälzische Linie der Wittelsbacher, wobei die Kurwürde zwischen beiden Linien wechseln sollte. Dies hob jedoch die Goldene Bulle 1356 zugunsten der Pfalz auf. 
Seit dem 14. Jh. wurde in der Rheinpfalz regelmäßig geprägt.  Kurfürst Ruprecht I. (1353-1390), der Gründer der Universität Heidelberg (1386), gewann u.a. Simmern, Ingelheim, Odernheim, Nierstein, Oppenheim und die Grafschaft Zweibrücken mit Bergzabern dazu. Er ließ die ersten pfälzischen Goldgulden in Bacharach, Heidelberg, Oppenheim, Neustadt und Amberg (selten) schlagen, und zwar zunächst in Absprache mit dem erzbischöflichen Kurmainz. Seit 1385/6 vervollständigten die Erzbischöfe von Kurtrier und Kurköln den Münzverein, dessen rheinischer Goldgulden als Handelsmünze über die Landesgrenzen hinaus bedeutend wurde. Auch nach dem Verfall des Rheinischen Münzvereins blieb die monetäre Verbindung zwischen dem geistlichen Kurfürstentum Mainz und dem Kurfürsten der Pfalz bis um 1802 (kurz vor dem Ende des "Alten Reichs") bestehen.
Nach dem Tod des 1400 zum König gewählten Ruprecht III. ( 1398-1410) wurde die Pfalz in die vier Linien Kurpfalz (Heidelberg, Amberg, Nabburg) Pfalz-Neumarkt (restliche Oberpfalz, bis 1443), Pfalz-Simmern (bis 1685) mit der Nebenlinie Pfalz-Zweibrücken (bis 1799) und Pfalz-Mosbach (bis 1499) geteilt. Nach Erlöschen fielen die Linien Neumarkt und Mosbach an Pfalz-Simmern (mit Nebenlinie Zweibrücken) und hauptsächlich an die Kurpfalz. Friedrich I. (1449-1476) stärkte die Vormachtstellung der Pfalz am Oberrhein durch Erwerbungen der Grafschaften Lützelstein, Rappoltstein, Löwenstein, der Vogtei Hagenau, von Selz, Kleeburg und Gebiete an Nahe und Bergstraße. Ferner gab Friedrich I. der Pfalz eine moderne Organisation. Im bayerischen Erbfolgekrieg gingen 1503/5 die elsässischen Güter an Habsburg, Löwenstein an Württemberg verloren, die Linie Pfalz-Neuburg wurde allerdings mit Gütern Bayern-Landshuts ausgestattet. Nach der Einteilung in Reichskreise zählen die Prägungen der kurpfälzischen Fürsten zum Kurrheinischen Kreis. Die Münzen der Pfalzgrafen von Simmern und Zweibrücken werden mit allen später entstehenden Seiten- und Nebenlinien (Pfalz-Lautern, -Neuburg, -Sulzbach, -Kleeburg, -Birkenfeld und -Veldenz) zum Oberrheinischen Kreis gezählt. Im Jahr 1556 führte Otto Heinrich (Ottheinrich der Hochgemute) von Pfalz-Neuburg in seinen zersplitterten Gebieten die Reformation ein, mit seinem Tod 1559 starb die alte Linie Kurpfalz aus. 
Pfalz-Neuburg wurde von Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken beerbt. Davon spalteten sich die Linien Pfalz-Birkenfeld und -Neuburg ab. Die Kurlande kamen an Friedrich III. von Pfalz-Simmern, der sogleich den Calvinismus einführte. Nachdem Böhmen Kurfürst Friedrich V. (1596-1632) von der Pfalz 1619 zum König erhob, musste der "Winterkönig" nach verlorenen Schlachten in der Pfalz und Böhmen nach Holland fliehen (1620) und verlor Land und Kurwürde (1623) an Maximilian von Bayern. Ferner gingen pfälzische Güter an Hessen-Darmstadt und Habsburg. Nach Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs erhielt Friedrichs Sohn Karl Ludwig Teile des Landes und eine neu geschaffene achte Kurwürde. Die alte Kurwürde und die Oberpfalz verblieben bei Bayern. 
Die Linie Pfalz-Simmern erlosch mit Kurfürst Karl II. (1685), die katholische Linie Pfalz-Zweibrücken-Neuburg, die 1614 Jülich und Berg gewann, folgte ihr bis zum Aussterben 1742. Die Kurfürstenwürde fiel an die auf den jüngeren Sohn des Neuburger Pfalzgrafen zurückgehende Linie Sulzbach (1614), die nach Aussterben der bayerischen Wittelsbacher (1776) Bayern erbte. Ihr folgte schließlich die Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (Birkenfeld hatte Zweibrücken beerbt). Der Pfalzgraf (1795-1799), Kurfürst (1799-1805) und spätere König (1805-1825) Maximilian IV. Joseph von Bayern vereinigte noch einmal kurzfristig sämtliche Besitzungen der Wittelsbacher, bis im Frieden von Lunéville (1801) und durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) die linksrheinischen Gebiete an Bayern und die rechtsrheinischen Gebiete an Baden und Hessen-Darmstadt fielen. 
Seit 1816 bildete die Pfalz, deren Gebiet nun nicht mehr mit der Kurpfalz identisch war, einen Regierungsbezirk Bayerns, der 1918-1930 von Frankreich besetzt war, das die Bestrebungen der Separatisten (1923/4) unterstützte, eine eigene pfälzische Republik zu gründen. Durch den Versailler Vertrag (1919) kam der westliche Teil des Regierungsbezirks Pfalz (Saarpfalz) zum Saarland. Seit 1946 ist die Pfalz Bestandteil des Bundeslandes Rheinland-Pfalz.

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