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Barren

In verschiedene Formen gegossene Metalle zu Tausch- und Zahlungszwecken von vorgeschichtlicher Zeit bis in die Neuzeit. Schon im 2. Jahrtausend v. Chr. finden sich doppelbeilförmige Kupferbarren, die sich kaum von Kümmerformen des Gerätegelds unterscheiden. Von Barren spricht man aber eigentlich erst, als vorgewogene Gusskuchen auftauchen, die wie der Boden des Tiegels, in dem sie gegossen wurden, geformt sind. Die ältesten stammen aus dem 8. Jh. v. Chr. mit dem eingeritzten Namen eines Hethiterkönigs. In der Folgezeit waren solche Kupfer- und Bronzebarren z.B. auch in Ägypten, Persien, Griechenland und Italien in Umlauf. Es gibt mannigfaltige Formen, meist sind sie rund(Aes rude) oder rechteckig (Aessignatum). Häufig sind sie mit Gewichts- und Feingehaltsangaben bestempelt und an vormarkierten Stellen teilbar, um sie bei Bedarf stückeln zu können. 
Im Mittelalter wurden Barren, wie schon in spätrömischer Zeit, aus Silber gegossen und für größere Zahlungen im Handel verwendet. Im 12. Jh. nahmen sie die Form einer Halbkugel an, sogenannte Gusskönige. Diese erlebten im 14. Jh. im norddeutschen Raum eine Blütezeit. Der Grund hierfür mag in der Garantie für den Feingehalt liegen, die einige Städte Niedersachsens übernahmen. Im 15. Jh. wurde, wie auch schon zuvor in West- und Süddeutschland, der Barren durch den Goldgulden verdrängt.
In Russland waren Barren vom 12.-14. Jh. die einzigen Geldstücke im Umlauf. Am russischen Beispiel lässt sich die Entwicklung vom Barren zur Münze deutlich nachvollziehen. Von zunächst noch ungewogenem Metall unbestimmten Aussehens bis ins 12. Jh. entwickelte sich über die sechseckige Grivna von Kiew die Stangenform des 13. und 14. Jh.s (z.B. Grivna von Novgorod und Smolensk), die im 15. Jh. nur noch 94 g schwer war und wohl schon Rubel genannt wurde.
In China waren Barren in Sattelform und Bootsform (Sycee), manche bis zu 2 kg (50 Liang) schwer, bis ins 20. Jh. in Umlauf. Im Gebiet des heutigen Thailand (und umliegender Gebiete), der einzigen Region Ostasiens, die nicht von Kolonialmächten besetzt war, entwickelten sich zwischen dem 14. und 19. Jh. formenreiche Silberbarrenwährungen auf der Basis des Tikal.