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Barbarische Nachprägungen

Sammelbegriff für nachgeahmte Münzen, deren Bilder und Beschriftungen als "verwildert" angesehen werden. Das kann bedeuten, dass die Schrift der nachgeahmten Münzen nur in kleinen Details abweicht, aber auch, dass eine gegenüber dem Original vollkommen veränderte Beschriftung aus Phantasiezeichen vorliegt. Letzteres kommt häufig vor, wenn die barbarischen Nachprägungen ihrerseits als Vorlage für weitere Nachahmungen dienen und dies über einen längeren Zeitraum hinweg. Vor allem germanische Münzen zur Völkerwanderungszeit als Nachahmungen römischer und byzantinischer Vorbilder und keltische Nachahmungen römischer und griechischer Vorlagen werden unter diesem Begriff eingeordnet, wobei letztere umstritten sind. Denn die Münzbilder keltischer Münzen (vorwiegend eigentümliche Darstellungen von Pferden) wurden im 20. Jh. zunehmend als Ausdruck einer eigenständigen Ästhetik aufgefasst und bilden mittlerweile einen eigenen Teilbereich der antiken Numismatik, dessen Forschungsstand durch neue Funde in Süddeutschland ständig erweitert wird. Slawische Nachahmungen deutscher und englischer Pfennigmünzen sind Beispiele für barbarische Nachprägungen aus dem Mittelalter.

   

Ostkeltische Prägung einer Tetradrachme von Thasos