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Drachme

Der Begriff „Drachme“ bezeichnet verschiedene historische Münzen, Währungen und Rechnungseinheiten. Diese vier (Währungs-)Einheiten werden als Drachme bezeichnet:

  • Antike Gewichtseinheit und Rechnungseinheit sowie die Hauptsilbermünze des antiken Griechenlands
  • Silberne Währungsmünze des Sassanidenreichs in Persien
  • Mittelalterliche Drachmen-Münzen, auch als Dragma bezeichnet
  • Prägungen des modernen Griechenlands, die durch den Euro abgelöst wurde

In diesem Münzlexikon-Beitrag können Sie sich einen Überblick über den historischen Kontext und die Geschichte der verschiedenen Drachmen-Währungen verschaffen.

Die antike Drachme

Im antiken Griechenland wurde sowohl die Hauptsilbermünze der griechischen Welt seit dem Beginn der Münzprägung auf europäischem Gebiet (selten in Gold oder Kupfer geprägt) als auch die gängige Gewichts- und Rechnungseinheit als Drachme bezeichnet. Letztere wurde in der Antike noch „Drachmon“ genannt.

Die ursprüngliche Bedeutung leitet sich von „greifen, was die Hand umfassen kann“ ab und geht auf das vormünzliche Gerätegeld zurück. Damals liefen auf dem Peloponnes kleine eiserne Spießchen, sogenannte Oboloi, als Zahlungsmittel um. Von diesen konnten sechs von einer Hand umfasst werden. Die Drachme wurde demnach in sechs Oboloi unterteilt. 100 Drachmen entsprachen einer Mine, 6000 einem Talent. Das Gewicht der Drachme war je nach Münzfuß verschieden.

Nach dem in der griechischen Welt meistverbreiteten attischen Münzfuß wog die Drachme 4,36 g, sank aber bis auf 4,04 g im 2. Jahrhundert v. Chr. ab. Entsprechend höher im Gewicht lagen folgende Mehrfachnominale:

Bezeichnung des Mehrfachnominals Entspricht dieser Zahl an Drachmen
Didrachme 2
Tridrachme 3
Tetradrachme (das häufigste Nominal) 4
Pentadrachme 5
Hexadrachme 6
Oktadrachme 8
Dekadrachme 10
Dodekedrachme 12

 

Das Halbstück der antiken Drachme wird als Hemidrachme (Triobolon) bezeichnet.

Zu Beginn des 5. Jh. v. Chr. erhielt man für die Drachme noch ein Schaf, ausgangs desselben Jahrhunderts soll das Existenzminimum in Athen bei einer halben, im Laufe des 4. Jh. bei einer ganzen Drachme gelegen haben.

Durch die Eroberungen Alexanders des Großen (336-323 v. Chr.) verbreitete sich die Drachme bis nach Indien. Nach dem Tod Alexanders basierte die Münzprägung der hellenistischen Reiche und der aufkommenden Reiche des Ostens auf der Drachme.

Auch das Auftreten der Herrschaft Roms im Osten konnte die Drachme nicht verdrängen. Die Silberdrachme wurde auf den Kurs des römischen Denars gesetzt, obwohl sie immer noch mehr wert war als ihr römisches Gegenstück. Sie wurden noch in einigen Städten Griechenlands, Kleinasiens, Syriens und in Ägypten (als Kupfermünzen) ausgegeben.

Im Gegensatz zu den Denar-Reichsprägungen des Westens basierte die Provinzialmünzprägung des Ostens während des römischen Kaiserreichs größtenteils auf dem alten Drachmen-System. Das wichtigste Nominal war wohl die Tetradrachme, die am häufigsten in Alexandria geprägt wurde und damit zu den sogenannten Alexandrinern gehörte.

Vorderseite einer Drachme aus den Jahren 350 bis 325 v. Chr.    Rückseite einer Drachme aus den Jahren 350 bis 325 v. Chr.

Larisa (Thessalien), Drachme, geprägt 350 bis 325 v. Chr.

Die Sassaniden-Drachme

Auch die silberne Münzeinheit des persischen Sassaniden-Reichs, das in der Nachfolge des Partherreichs 224 n. Chr. entstand, basierte auf dem Drachmen-System. Mit wechselndem Erfolg behauptete sich die Dynastie gegen das Römische Reich und wehrte die Hunnen ab. Das Reich konnte sich (616 n. Chr.) kurzfristig bis nach Ägypten ausdehnen, wurde aber in den Kriegen mit Byzanz geschwächt und schließlich von den Arabern (641 n. Chr.) erobert.

Die Drachmen der Sassaniden mit einem Normalgewicht von etwa 3,9 g zeigen ein relativ konstantes Gepräge: Die Vorderseiten (Avers) zeigen die Bildnisse der bekrönten Großkönige, die Rückseiten (Revers) meist einen Altar mit zwei Priestern.

Das bei jedem Herrscher wechselnde Erscheinungsbild der Krone ermöglicht die Einteilung dieser Sassaniden-Münzen in Typen. Die beiden letzten Typen, die Xusros (Chosroes) II. (591-628) beziehungsweise seinen Nachfolger Yazdgards III. zeigen, wurden von den arabischen Herrschern mit leichten Veränderungen übernommen – diese Geldstücke werden als arabo-sassanidische Drachmen bezeichnet. Von den Hunnen im Gebiet des heutigen Afghanistans wurden diese Stücke als Nachahmungen bis ins 8. Jahrhundert weitergeprägt.

Die mittelalterlichen Drachmen

Im Mittelalter wurde die Schreibweise der Drachme latinisiert zuDragma“. Mit dieser Bezeichnung war der Denarius, also die mittelalterliche Pfennigmünze, gelegentlich auch der Dirham der Omajjaden (ein Familienclan des arabischen Stammes der Quraisch aus Mekka), gemeint. Die latinisierte Form der Drachme lässt sich auf zeitgenössischen Urkunden wiederfinden.

Die latinisierte Form diente zudem auch als Bezeichnung für die Kreuzfahrermünzen von Akkon aus dem späten 12. und dem 13. Jahrhundert im Gewicht des arabisch-islamischen Dirham von 2,7 g.

Die moderne griechische Drachme

Nach Beseitigung der türkischen Oberherrschaft löste die moderne griechische Drachme den Phönix ab. Die erste Ausprägung erfolgte 1832 durch den Regentschaftsrat, der König Otto I. von Griechenland aus dem Hause Wittelsbach bis zu dessen Volljährigkeit (1835) unterstützte. Der ursprüngliche Feingehalt der Silberstücke lag bei 900/1000, wurde aber mit dem Beitritt zur Lateinischen Münzunion zur Angleichung an die Frankenwährung etwas gesenkt. Es galt das Dezimalsystem: 1 Drachme = 100 Lepta. 2001 wurde die nationale Währung schließlich durch den Euro abgelöst.

Die Eckdaten der griechischen Drachme im Überblick:

Merkmal Beschreibung
Zeitraum 1832-2001
Abkürzung ₯, Dr
ISO-4217-Code GRD
Wechselkurs (fix) 1 EUR = 340,750 GRD
100 GRD = 0,293470 EUR
Untereinheit 100 Lepta

FAQ: Drachme

Wie viel ist eine Drachme wert?

Der Wert einer Drachme ist stark von ihrem Ursprung abhängig. Stammt die Währungseinheit aus einem vergangenen Königreich einer längst vergangenen Epoche, so ist diese historische Münze aus numismatischer Sicht von besonderer Bedeutung – besonders wenn sie gut erhalten ist. Im Verhältnis dazu haben Stücke aus dem modernen Drachmen-Münzsystem, die im regulären Umlauf zirkulierten, einen durchaus geringeren Wert. Denn diese Münzen sind relativ einfach zu beschaffen. Dennoch bietet ein Münzensatz, wie zum Beispiel ein 1 - 100 Drachmas Kursmünzensatz Griechenland 1982–2000, für Sammler europäischer Münzen eine preiswerte und dennoch wertige Ergänzung für die persönliche Sammlung.

Der Wert von neueren Drachmen ist also stark abhängig vom individuellen Sammlerwert. Doch wie viel ist eine antike Drachme wert? Aufgrund Ihrer Seltenheit und der damit einhergehenden schwereren Beschaffung liegt der Preis für eine Drachme aus der Antike häufig im dreistelligen Bereich – der genaue Wert ist abhängig von Beliebtheit unter Numismatikern, Seltenheit und Erhaltungsgrad.

Werden in Griechenland noch Drachmen genutzt?

Nein, die Münzen und Scheine der modernen griechischen Drachme sind heute nicht mehr im Umlauf.

Seit wann werden in Griechenland keine Drachmen mehr genutzt?

Die Drachme wird seit der Einführung des Euros, die in Griechenland am 01. Januar 2001 vollzogen wurde, nicht mehr in Griechenland genutzt. Seitdem sind die Banknoten und Münzen aus Griechenland auf den Euro umgestellt. Es gilt der fixe Wechselkurs 1 EUR = 340,750 GRD und 100 GRD = 0,293470 EUR.

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