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Volksmedaillen

Im Gegensatz zu den künstlerisch anspruchsvoll gestalteten Medaillen erhebt die Spezies der im Durchmesser oft kleineren Volksmedaillen keine künstlerischen Ansprüche. Sie entwickelte sich in der ersten Hälfte des 18. Jh.s vor dem Hintergrund des untergehenden Absolutismus, sieht man einmal von den früheren Marken, Jetons und Rechenpfennigen ab, die Ähnlichkeit mit den Volksmedaillen aufweisen. Viele britische Token ähneln ihnen. Die Stücke sind meist von privaten Herstellern in größeren Auflagen für eine breitere Öffentlichkeit hergestellt worden und richteten sich nach aktuellen Ereignissen, wie politische Affären, Kriege, Hungersnöte, Krönung oder Tod von Monarchen und Politikern. Häufig propagieren sie patriotische, nationale oder dynastische Interessen und bilden Nationalhelden ab. Auch die spöttische, satirische und groteske Kommentierung hat ihren Platz. In neuerer Zeit werden ähnliche Stücke zu Werbezwecken für Tourismus- oder Vergnügungszentren in Auftrag gegeben.
Die Anlässe für besonders reichhaltige Ausgaben der Volksmedaillen scheinen Kriege, Aufstände, Revolutionen, Notzeiten, Missernten sowie nationale oder lokale Katastrophen zu sein. In Deutschland nahm die Volksmedaille vor dem Hintergrund der schlesischen Kriege und der Befreiungskriege ihren ersten Aufschwung, auch die Notmünzen nach dem 1. Weltkrieg und der folgenden Inflationszeit ähneln den Volksmedaillen thematisch. In Frankreich blühte die Volksmedaille in den verschiedenen Revolutionen auf, auch in den Niederlanden war sie verbreitet. In den USA gab es im 19. Jh. ebenfalls Medaillen dieser Art, besonders zwischen 1845 und 1865.