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Vacquette

1. Französische Diminutivform von "vache" (Kuh), bedeutet also etwa "kleine Kuh". Die Vacquette in Gestalt einer kleinen Kuh war das Münzzeichen der Münzstätte Pau, in den westlichen Pyrenäen gelegen. Schon im Mittelalter war in Pau, der Hauptstadt von Béarn und Navarre (Navarra), eine Münze eingerichtet. Der Münzort wurde aber erst bedeutend, als der Stempelschneider und Münzingenieur Jean Erondelle mit seinen technischen Geheimnissen die Pariser Münzstätte Moulin des Etuves verließ und um 1556 in die Dienste des Königs von Navarra trat. Er bekam den Posten eines Chefgraveurs und installierte seine Maschinen in Pau. Als ihm fünf Jahre später auch noch Etienne Bergeron folgte, konnten die beiden innovativsten Köpfe der mechanischen Münzprägung zusammen arbeiten, ohne von den Eifersüchteleien konservativer Münzer gestört zu werden. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die besten Münzen nach der Mitte des 16. Jh.s in der Münzstätte des doch eher provinziellen Pau geprägt wurden.

2. Volkstümliche Bezeichnung eines besonderen Typs der Billonmünze Liard aus der Münzstätte Pau, den die Grafen von Béarn ausgaben. Heinrich IV. war schon seit 1572 König von Navarre und Béarn. Als er 1589 König von Frankreich wurde, behielt man die Prägung dieses speziellen Typs bei, der auf der Rs. zwei gekrönte H und zwei sich diagonal gegenüber stehende kleine Kühe zeigt. In Dokumenten ist sogar ein "cinq vacquettes d´or" erwähnt, also ein Goldstück (nach dem Typ der Billonmünze), bei dem es sich wahrscheinlich um eine Schau- oder Repräsentationsmünze (pièce de plaisir) handelte.