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Groschen

Da der Denar (Pfennig) den gestiegenen Anforderungen des Geldumlaufs nicht mehr genügte, entwickelte sich in der 2. Hälfte des 13. Jh.s eine neue Münzsorte, die sich in Europa verbreitete, je nach wirtschaftlicher Anforderung bzw. verbunden mit der Entdeckung neuer Silbervorkommen. Die Benennung der Sorte entwickelte sich aus der lateinischen Bezeichnung grossus (crassus) denarius (dicker Denar). Wenn auch zeitlich nicht das erste Denar-Vielfache (Grosso), so wurde dennoch der französische Gros tournois (lat.: grossus denarius turnosus) im Wert von 12 Deniers tournois zum Vorbild der neuen Münzsorte. Dieser und seine Nachahmungen wurden im deutschsprachigen Raum Turnosegroschen oder kurz Turnosen genannt. Zuerst auch in Form von Beischlägen, verbreitete sich die Münzsorte seit dem ausgehenden 13. Jh. in Lothringen, der Provence, den Niederlanden (Groot) und England (Groat). In den deutschen Landen ist im Jahr 1295 in Köln zum ersten Mal die Zahlung mit Turnosen belegt, das Stück galt 3 (alte) Kölner Pfennige oder 3 Sterlinge. Seit ca. 1340 wurden im Rheinland die Turnosen mit eigenständigem Münzbild in Werten von 18 bis 22 Pfennigen nachgeprägt, jedoch bereits in der 2. Hälfte des Jh.s zugunsten des Albus wieder aufgegeben.
Aufgrund der Ausbeutung der neuen Silbermine in Kuttenberg/Böhmen ließ König Wenzel II. (1278-1305) seit 1300 den Prager Groschen zu 12 Pfennigen prägen, der sich aufgrund der negativen Handelsbilanz Böhmens als Ausgleich schnell in den Nachbarländern bis nach Westfalen und ins Bodenseegebiet verbreitete. Nach diesem Vorbild ließen die Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen seit 1339 die Meißner oder sächsischen Groschen ausgeben, die aus den Silbervorkommen des Erzgebirges geprägt wurden. Der Meißner Groschen erreichte eine ähnlich große Bedeutung wie sein Vorbild und wurde seinerseits in Niedersachsen nachgeahmt. Die vielen Typen und Varianten des Meißner Groschen, die sich im Laufe der Zeit entwickelten, werden als sächsische Groschenprägung bezeichnet. Im Spätmittelalter und der beginnenden Neuzeit entstanden in den deutschen Landen eine ganze Reihe von Pfennigvielfachen. Von den verschiedenen Typen der Groschen (u.a. Annen-, Bauerngroschen, Engelköpfe, Fürsten-, Horn-, Judenkopf-, Kaiser-, Neugroschen, Schildgroschen, Schreckenberger, Zinsgroschen) wurden meist auch Teil- und Mehrfachstücke geschlagen. Da man das anfängliche Vertrauen in die Groschen durch ständige Münzverschlechterung verlor, gingen viele Städte im 14./15. Jh. zur Gegenstempelung der Groschen über, die für den Umlauf einer Region berechtigten oder verriefen. Auch in Norddeutschland (Groten), Skandinavien (vor allem Dänemark), in Polen (Grosz) und in Russland, vor allem nach der an westlichem Vorbild orientierten Münzreform Peters des Großen(Grosch), wurden Groschenmünzen ausgegeben.
Da aber das Bedürfnis nach größeren und wertvolleren Münzen weiterhin bestand, wurden mit der Einführung der Talermünzen die verschiedenen Groschen zur Scheidemünze. Die Augsburger Reichsmünzordnungen machten zwar den Kreuzer zum Bewertungsmaßstab der Reichsmünzen, aber in Mittel- und Norddeutschland hielt man weiterhin am Groschen fest. Dort setzten sich nach 1570 der Gute Groschen zu 1/24 Taler sowie der norddeutsche Mariengroschen zu 1/36 Taler durch. In Österreich, Süddeutschland und Böhmen war das Dreikreuzer-Stück, ebenso wie der Gute Groschen, in 12 Pfennige unterteilt. Im Jahr 1821 wurde in Preußen der Silbergroschen als Scheidemünze für alle preußischen Provinzen geschaffen. Auf den (preußischen) Taler gingen 30 Silbergroschen. Noch heute wird in Deutschland wie schon zur Zeit der Reichswährung, das Stück zu zehn Pfennigen umgangssprachlich als Groschen bezeichnet. In Österreich ist der Groschen zu 100 Schilling seit 1923 Münzeinheit des Währungssystems.

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