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Reichskreise

In der Regierungszeit unter Kaiser Maximilian I. (1493-1519) wurde das Römisch-Deutsche Reich auf dem Kölner Reichstag (1512) zunächst in sechs, auf dem Wormser Reichstag (1524) in zehn Reichskreise unterteilt. Ihre Aufgaben waren die Wahrung des Landfriedens, die Aufstellung der Kreistruppen, die Erhebung von Reichssteuern und Aufsicht über Zoll und Münze. Der Riesenkomplex des Heiligen Römischen Reichs lässt eine Einteilung der Münzstände in Reichskreise als sinnvoll erscheinen. Unter den folgenden Stichworten sind die wichtigsten Münzstände des Alten Reichs aufgeführt: Österreichisch-Böhmischer, Bayrischer, Fränkischer, Schwäbischer, Burgundischer, Oberrheinischer, Kurrheinischer, Niederrheinisch-Westfälischer, Niedersächsischer und Obersächsischer Kreis. Schlesien wurde als selbstständige Abteilung den Kreisen angeschlossen. Einzelne "nicht eingekreiste" Münzstände (wie Friedberg in der Wetterau) wurden dem nächstliegenden Reichskreis zugeteilt. Die geographische Zugehörigkeit folgt der politischen Zugehörigkeit zum Reichskreis, auch wenn dies nicht immer den numismatischen Gegebenheiten entspricht, wie im Fall Lothringen. Eine Ausnahme bilden die in den späteren Niederlanden gelegenen Reichsstände. Nur die Münzstände, die vor Erlangung der Unabhängigkeit der Niederlande ihre Prägetätigkeit beendet hatten, wurden dem Reich zugeschlagen. Der Burgundische Reichskreis wurde bereits seit der Mitte des 16. Jh.s aus dem Reichsverband gelöst und hat nur wenige numismatische Zeugnisse für das Reich (für Kaiser Karl V.) vorzuweisen. Der Österreichisch-Böhmische Kreis wurde auf die habsburgischen Besitzungen beschränkt und war somit in erster Linie dem Haus Habsburg und nicht direkt dem Reich unterstellt. Böhmen und Schlesien gehörten zwar nominell zum Reich, die Münzstände waren aber eigentlich nicht in Reichskreise eingeteilt und werden im Fall Böhmens dem österreichischen Kreis zugeschlagen, im Fall Schlesiens gesondert behandelt.
Die im 16. Jh. entstandenen Reichsmünzordnungen schreiben den Reichskreisen die Durchführung regelmäßiger Kreisprobationstage vor, die im 15. Jh. schon in verschiedenen Kreisen durchgeführt wurden. Auch wenn die Vorschriften der Reichskreise nicht so streng wie geplant eingehalten wurden, so waren sie für die Aufrechterhaltung des oftmals sehr labilen Münzwesens im Reich von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Vor allem nach Geldkrisen, wie z.B. der Kipper- und Wipperzeit, waren die von den Reichskreisen durchgesetzten Kontrollen eine wichtige Handhabe zur Wiederherstellung eines geordneten Münzwesens. Die nicht nach dem Reichsfuß geprägten Kleinmünzen waren in der Regel nur innerhalb der Grenze des Reichskreises umlauffähig. Die Verwaltungs- und Kontrollfunktion der Reichskreise im Münzwesen bestand bis zu den napoleonischen Kriegen. Der Reichsdeputationshauptschluss (1803) und die Abdankung Kaiser Franz II. (1806) beendeten schließlich auch formell die Institution.

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