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Römisches Münzwesen

Die relativ späte Entstehung des römischen Geldwesens spiegelt die politische und militärische Expansion Roms in Italien wider. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurden nach dem Vorbild anderer italischer Staaten mit der Münzproduktion begonnen – zunächst wurden die Geldstücke gegossen, bevor sie schließlich geprägt wurden.

Vor den ersten Münzstücken waren jedoch zunächst gegossene und vorgewogene Bronzebarren – Aes rude – mittelitalischer Stämme im Umlauf. Im ausgehenden 4. bis 3. Jh. kam das standardisierte Aes signatum auf. Bei den ersten Münzreihen, welche im 3. Jahrhundert – nicht vor 275 v. Chr. – in den Umlauf gelangten handelte es sich um gegossene Stücke.

Unter den historischen Münzen gehören jene aus der römischen Republik- und Kaiserzeit zu den geschichtsträchtigsten: Die römische Währung unterlag im Verlauf der Zeit einer Vielzahl an Währungsreformen, Verfassungsänderungen und diversen weiteren historischen Entwicklungen. Tauchen Sie hier in die faszinierende Historie des römischen Münzwesens ein!

Römisches Münzwesen in der Republikzeit

Asse

Nachdem die Vormachtstellung Roms in Mittelitalien schon gesichert war, stellten die Römer nach dem Vorbild anderer (mittel)italischer Staaten die ersten gegossenen Münz-Reihen des Aes grave her – dies ist nach 275 v. Chr. zu verorten. Grundeinheit war der im Libralfuß ausgebrachte As – dieser...

  • entsprach dem Gewicht eins römischen Pfunds (Libra), und
  • wurde in 12 Unicae unterteilt (Duodezimalsystem).

Der As wurde im Laufe der Zeit der Römischen Republik schrittweise reduziert:

  • Zunächst auf die Hälfte (Semilibralfuß)
  • Bei der Münzreform von 211 v. Chr. auf ein Sechstel (Sextantalfuß)
  • Schließlich auf ein Zwölftel (Uncialfuß)

Erste Silbermünzen

Nachdem Rom nach den Pyrrhuskriegen (um 272 v. Chr.) die Oberhoheit über die griechisch kolonisierten Städte Süditaliens errungen hatte, kam es um 269 v. Chr. zur Prägung von Silbermünzen, die zur Zeit des 1. Punischen Kriegs (264-241 v. Chr.) in Umlauf waren und wohl auch von anderen italischen Staaten als Handelsmünzen benutzt wurden. Es handelt sich um Didrachmen im Gewicht von ca. 7,5 g, die in Rom und in Süditalien hergestellt wurden. Es gab vier Typen, zu denen passend AE-Münzen, Litren und Halblitren, geprägt wurden.

Bald nach dem Krieg erschienen im Gewicht leicht verringerte Didrachmen (etwa 6,8 g) neuen Typs mit der Schrift ROMA. Der Typ wird als „Quadrigatus“ bezeichnet – benannt nach der Rückseitendarstellung: Diese zeigt Jupiter und Victoria in der Quadriga. Die Vorderseiten zeigen meist den doppelköpfigen Gott Janus. Seltener wurden auch Halbstücke – Drachmen oder Halbquadrigati – dieses Typs geprägt.

Erste Goldmünzen

Als Janus Münze wurden auch die ersten, seltenen römischen Goldmünzen hergestellt, die sogenannten Stater und Halbstater, deren Prägung auch in die Zeit um 225-212 v. Chr. fällt. Die Rückseiten zeigen zwei Personen beim Schwur des Bundeseids über einem Schwein, das von einer dritten, knienden Person gehalten wird.

Frühe Münzreform des römischen Münzwesens

Eine früher auf 187 v. Chr. datierte Münzreform wird heute – aufgrund neuer numismatischer und archäologischer Erkenntnisse – auf das Jahr 211 v. Chr. gelegt. Durch diese Reform...

  • wurde des As im Sextantalfuß ausgegeben.
  • wurden kurzzeitig (211/210 v. Chr.) neue Goldmünzen, Mars-Adler-Gold zu 20, 40 und 60 Asses geprägt.

Außerdem wurden drei neue Silbernominale eingeführt:

  • Der Denar mit der Wertzahl X zu 10 Asses
  • Das dazugehörige Halbstück, der Quinar mit der Wertzahl V zu 5 Asses
  • Das Viertelstück, der Sesterz (IIS) zu 2 1/2 Asses

Diese Münzen zeigen auf den Vorderseiten den Kopf der Roma (oder Bellona), auf den Rückseiten die Dioskuren (Kastor und Pollux) auf galoppierenden Pferden.

Der Denar blieb für 400 Jahre die Hauptsilbermünze des Römischen Reichs. Die beiden Teilstücke verschwanden kurzfristig und wurden in der Folgezeit seltener geprägt: Der Sesterz blieb eine wichtige Rechnungsmünze und wurde in der Kaiserzeit als Bronzemünze geprägt. Der Quinar erschien im 1. Jh. v. Chr. wieder und wurde zur Kaiserzeit gelegentlich gemünzt, zuletzt in der 2. Hälfte des 3. Jh. v. Chr. als Billonmünze. Dazu wurde im ausgehenden 3./frühen 2. Jh. v. Chr. noch der silberne Victoriatus im Gewicht von drei Scripula (3,39 g) geprägt. Auch hier gab es Halb- und Doppelstücke.

Abwendung vom ursprünglichen, stereotypen Münzbild

Im späten 2. Jh. v. Chr. ging Rom von dem stereotypen Erscheinungsbild seiner Münzbilder ab:

  • Die Bigae und Quadrigae (Zwei- und Vierspänner) wurden nun von verschiedenen Göttern gelenkt. Als Zugtiere wurden neben Pferden unter anderem auch Kentauren oder Ziegen dargestellt.
  • Neue Münzbilder mit historischen Bezügen erschienen, oft von symbolischen und gegenständlichen Beizeichen begleitet.
  • Die bisher anonymen Prägungen wurden zunehmend mit Monogrammen von Münzbeamten versehen.
  • Als die AE-Münzen im Uncialfuß ausgegeben wurden, stieg um 122/121 v. Chr. der Wert des Denars auf 16 Asses – entsprechend der Quinar auf 8 und der Sesterz auf 4 Asses. Bei dieser Relation blieb es auch, als der As im Semiuncialfuß nur noch im Gewicht von ca. 13,6 g ausgegeben wurde.
  • Als Spielart der normalen Denarprägung erschienen etwa seit der Mitte des 2. Jh. sogenannte Serrati, die am Rand sägeartig ausgeschnitten sind.

Vorderseite eines Denars aus dem römischen Münzwesen zur Republikzeit    Rückseite eines Denars aus dem römischen Münzwesen zur Republikzeit

Römische Republik, Denar um 101 v. Chr.

Mit dem Beginn der Bundesgenossen- und Bürgerkriege entdeckten die um Macht und Einfluss kämpfenden Parteien und vornehmen Geschlechter, die gentes, dass sich das Münzbild als Transporteur politischer Propaganda eignete. Die bildlichen Darstellungen nahmen Bezug auf historische Verdienste, die sich ihre Ahnen um Rom erworben hatten, oder bezogen sich auf aktuelle Politik.

Vor allem C. Julius Caesar nutzte die Münze als Mittel für Propaganda in eigener Sache geschickt aus: Viele Münzbilder verherrlichen die Siege Caesars über die Gallier, die Liebesgöttin Venus erscheint als legendäre Stammmutter der „gens Julia“, welcher Caesar angehörte. Schließlich erschien – entgegen der langen republikanischen Tradition – das Bildnis Caesars selbst auf Münzen, dargestellt als Kopfbild mit einer Art Laubkranz gekrönt.

Nachdem unter anderem Sulla (82-79 v. Chr.) und Pompeius (71 v. Chr.) schon sporadisch wenige Goldmünzen prägen ließen, ermöglichte der auf Kriegszügen, vor allem in Gallien, erbeutete Goldschatz dem Feldherrn Caesar eine umfangreichere Prägung des goldenen Aureus im Wert von 25 Denaren. Der Aureus sollte von nun an einen festen Platz im römischen Münzwesen des Kaiserreichs einnehmen.

Zwar lag die Verantwortung für die Herausgabe aller Münzsorten offiziell immer noch in den Händen des Senats, aber so bedeutende Heerführer wie Pompeius oder Caesar, die sich der Staatsgewalt bemächtigten, beanspruchten für sich selbst das Recht, ihre Soldaten nach eigenem Gutdünken mit Münzgeld zu versorgen. Caesar und Marcus Antonius ließen wohl die meisten Gold- und Silbermünzen prägen, die ausschließlich der Besoldung ihrer Truppen dienten.

Nach der Ermordung Caesars begann sich die Porträtdarstellung auf Römischen Münzen durchzusetzen: Das gilt sowohl für die eher seltenen Prägungen der Mörder und Gegner Caesars – also Brutus, Cassius, Labienus, Sextus Pompeius – wie für die in großen Mengen ausgegebenen Münzen der Rächer und Freunde Caesars Lepidus, Marcus Antonius und Octavianus. Letztere bildeten, bevor sie sich gegeneinander wandten, ein Triumvirat und sind auch auf Gemeinschaftsprägungen porträtiert. Besonders beliebt, aber selten, sind Münzen mit den Porträts von Marcus Antonius und der mit ihm liierten Kleopatra, der letzten Königin aus der Dynastie der Ptolemäer.

In dieser Zeit der Auseinandersetzungen um die Herrschaft in Rom treten häufiger als zu anderen Zeiten Schiffsdarstellungen (Galeeren) als Münzmotive auf, vermutlich weil die Machtkämpfe oftmals in Seeschlachten entschieden wurden. Zuletzt setzte sich Octavianus in der Seeschlacht von Actium (31 v. Chr.) gegen Marcus Antonius und Kleopatra durch.

Münzen im Römischen Kaiserreich

Einführung der augusteischen Münzordnung

Nach einer Verfassungsänderung, die das Ende der Republikzeit und den Beginn des Römischen Kaiserreichs bedeutete, wurde Octavianus 27 v. Chr. der Titel Augustus verliehen, unter dem er in die Geschichte einging. Augustus ordnete das römische Münzwesen im Jahre 23 v. Chr. neu:

  • Für die Ausgabe der Kupfer- und Messingmünzen war nominell der Senat verantwortlich, daher trugen die Nominale künftig meist die Bezeichnung S-C (Senatus Consulto = auf Beschluss des Senats).
  • Aus Kupfer wurde die Standardmünze, der As und sein selteneres Viertelstück, der Quadrans, geprägt.
  • Die Mehrfachstücke, der Dupondius (2 Asses) und der Sesterz (4 Asses = 1/4 Denar) wurden aus messingähnlichem Aurichalkum hergestellt, ebenso wie der seit der Mitte des 1. Jh. hinzutretende Semis (1/2 As).
  • Die Prägeerlaubnis für Gold- und Silbermünzen unterlag von nun an dem Kaiser. Aus Silber wurde der Denar (4 Sesterze) und der Quinar (2 Sesterze) ausgebracht, aus Gold der Aureus und seine selteneren Halbstücke.
  • Es existierten auch Mehrfach-Aurei (2-, 4- und 8-fach), die wohl nur zu Repräsentationszwecken in geringen Auflagen geprägt wurden.

Die Vorderseiten der Münzen trugen fortan meist die Büsten der Kaiser, Angehöriger der kaiserlichen Familie (Kaiserin, Mutter oder Schwester) oder der designierten Nachfolger. Dazu trat die Legende, die eine lückenlose Chronologie der römischen Kaisermünzen erlaubt. Andere Darstellungen zeigen Götter oder Personifikationen kaiserlicher Tugenden.

Vorderseite eines As aus dem römischen Münzwesen zur Zeit von Augustus    Rückseite eines As aus dem römischen Münzwesen zur Zeit von Augustus

As des Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.)

Vorderseite eines Aureus aus dem römischen Münzwesen zur Zeit von Augustus    Rückseite eines Aureus aus dem römischen Münzwesen zur Zeit von Augustus

Aureus des Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.)

Die politische Bedeutung des römischen Heers, das den Soldatenkaisern zur Regentschaft verhalf und sie wieder entmachtete, wird deutlich in Darstellungen – die Stücke des römischen Münzwesens zeigen häufig:

  • Trophäen und erbeutete Waffen (Tropaeum)
  • Feldzeichen
  • Personifikationen militärischer Tugenden wie Fides
  • Unterworfene Gefangene fremder Völker, unter anderem Judaea capta, Germania, Parthia
  • siegreiche Feldzüge wie Victoria

Auch in Bezug auf Religion und Bauwerke finden sich mannigfaltige Darstellungen: Gottheiten, Pontifikalgeräte, Opferbräuche.

Das Münzbild wurde zu einem wichtigen Transportmittel für Parolen, Programme und Appelle der Kaiser, vergleichbar mit den Massenmedien heute. Letztlich dienten wohl auch die zum Gedenken an die Apotheose beliebter verstorbener Kaiser/Kaiserinnen ausgegebenen Consecrationsmünzen der Propaganda.

Die augusteische Münzordnung hielt sich in ihrer Grundkonzeption über drei Jahrhunderte. Sie galt nicht nur für Rom und Italien, sondern auch in den west- und mitteleuropäischen Provinzen und Kolonien, die sich das Römische Reich einverleibte – unter anderem in Hispania, Gallia, Britannia, Germania, Pannonia.

Im Osten – unter anderem in Asia, Cappadocia, Syria, Palaestina, Aegyptus – wurden Provinzial-, Kolonial,- oder Lokalprägungen nach eigenen Münzsystemen geprägt, die größtenteils auf dem griechischen Drachmensystem basierten. Das wichtigste Nominal war wohl die Tetradrachme, die als Billonmünze häufig in Alexandria geprägt wurde (Alexandriner). Auch die Didrachme (Caesarea) und die Drachme (Caesarea, Ephesus, Antiochia) wurden im Osten des Römischen Reichs weitergeschlagen. Eine Besonderheit sind die ursprünglich aus dem Reich von Pergamon (Kleinasien) stammenden Kistophoren, deren Prägung Marcus Antonius, Augustus und Hadrian für die Provinzen Asia und Bithynia veranlassten.

Römisches Münzwesen in der Krise: Abwendung von der augusteischen Ordnung

Trotz der prosperierenden Wirtschaft und der Expansion des Reichs zehrten die immensen Kriegsausgaben, die ständig wachsende Zahl der Bevölkerung und die Verschwendungssucht der Kaiserhäuser am römischen Geldwesen, sodass Inflationserscheinungen unausweichlich waren. Aus heutiger Sicht ist es erstaunlich, dass sich das römisch-augusteische Münzwesen überhaupt so lange als funktionsfähig erweisen konnte – diese Form des römischen Münzwesens überdauerte:

  • die Kaiser der julisch-claudischen (31-68 n. Chr.),
  • der flavischen (69-96 n. Chr.) Dynastie,
  • die Adoptivkaiser,
  • die antoninische Dynastie (96-192 n. Chr.)
  • sowie zwei Bürgerkriege (69 und 193 n. Chr.).

Vorderseite eines Denars des Vespasianus aus dem römischen Münzwesen    Rückseite eines Denars des Vespasianus aus dem römischen Münzwesen

Denar des Vespasianus (69-79 n. Chr.)

Vorderseite eines Sesterzes des Domitian aus dem römischen Münzwesen    Rückseite eines Sesterzes des Domitian aus dem römischen Münzwesen

Sesterz des Domitian (81-96 n. Chr.)

Vorderseite eines Dupondius der Faustina aus dem römischen Münzwesen    Rückseite eines Dupondius der Faustina aus dem römischen Münzwesen

Dupondius der Faustina I. (gest. 141)

Erst mit dem Gründer der severischen Dynastie (193-235 n. Chr.), Septimius Severus (193-211 n. Chr.), setzten folgenschwere inflationäre Entwicklungen ein, die dem Münzwesen und der wirtschaftlichen Entwicklung nachhaltig zusetzten. Sein Nachfolger Caracalla (198-217 n. Chr.), der eigentlich den Kaisernamen Antoninus trug, führte Ende 214 n. Chr. den nach ihm „Antoninian“ benannten Doppeldenar ein, der zuerst noch im Gewicht eines 1 1/2-fachen Denars (circa 5 g) aus gutem Silber ausgebracht wurde. Nach einem kurzen Prägestopp wurde der Antoninian im Laufe des 3. Jh. als Billonmünze ausgegeben und schließlich zu einer mit Silbersud überzogenen Kupfermünze gemindert. Er verdrängte den Denar.

Von der zunehmenden Inflation waren vor allem die großen Nominale, der Aureus und der Denar, betroffen. Sie wurden häufig im Gewicht verringert und in geringerem Umfang geprägt oder zeitweise aufgegeben wurden. Die Ausgabe von Bronzemünzen verringerte sich in der 2. Hälfte des 3. Jh. und wurde zeitweise wegen Unrentabilität eingestellt.

In den unruhigen Zeiten der meist kurzfristig regierenden Soldatenkaiser (235-285 n. Chr.) und Gegenkaiser kämpfte das Römische Reich in der Mitte des Jahrhunderts ums Überleben. Zeitweise spalteten Gegenkaiser im Westen das sogenannte Gallische Reich (260-274 n. Chr.) ab, das Provinzen Galliens und Germaniens umfasste, dem sich auch Teile Britanniens und Spaniens anschlossen. Aber unter den Kaisern Aurelian (270-275 v. Chr.) und Probus (276-282 n. Chr.) erholte sich das angeschlagene Reich wieder. Der Münzreform Aurelians war noch wenig Erfolg beschieden.

Reformierter Staat und ein neues Münzsystem – die Tetrarchie

Erst mit Diokletian (284-305 n. Chr.) kam ein Reformer an die Macht, der den römischen Staat gänzlich umgestaltete: Als Herrschaftsform führte er 293 n. Chr. die Tetrarchie, die 4-Kaiser-Herrschaft, ein. Das Herrschaftskollegium der untereinander verwandten Tetrarchen bestand aus zwei Augusti, die zwei Mitkaiser (Caesaren) ernannten. Jeder Tetrarch operierte in einem anderen Teil des ausgedehnten Riesenreichs, das verwaltungsmäßig in 12 Diözesen aufgeteilt wurde. Italien und Rom verloren ihren Sonderstatus, die Römer waren nur noch steuerzahlende Untertanen (subiecti), Rom eine Residenz unter vielen (Diokletian residierte meist in Nicodemia, Kleinasien).

Im Rahmen der Reformen wurde auch das römische Münzwesen neu geordnet und eine stabilere Währung geschaffen:

  • Gewichtsanhebung des Aureus von circa 4,6 g auf etwa 5,45 g
  • Einführung einer neuen Silbereinheit, der Argenteus
  • Einführung einer Kupferbronze, die anfangs noch mit Silbersud überzogen war

Die wichtigste und nachhaltigste Neuerung war die Einführung der Kupferbronze. Die antike Bezeichnung der heute als Follis bezeichneten Münze ist unbekannt. Viele der Münzstätten, die im Laufe des 3. Jh. n. Chr. geschlossen worden waren, wurden nun als Reichsmünzämter wieder tätig.

Prägestätten im römischen Münzwesen

Rom war die einzige Münzstätte des Reichs, die nahezu ununterbrochen tätig war. Bei der gewaltigen Ausdehnung des Römischen Reichs im 1. und 2. Jh. konnte der Münzbedarf aber nicht von einem einzigen Münzamt gedeckt werden. Schon unter Kaiser Augustus eröffnete in Lugdunum (Lyon) um 15 n. Chr. eine Münzstätte. Anfangs prägten neben Orten in Gallien und Spanien vor allem aber die in Kleinasien gelegenen Großstädte Ephesus, Caesarea und Pergamon. Die ehemals griechischen und pergamenischen Orte genossen lokale Sonderrechte und konnten nach eigenem Münzfuß Lokalprägungen herstellen. Ansonsten basierte die Prägung des Ostens bis zur Tetrarchie auf der alten griechischen Drachme.

Nach dem Bürgerkrieg von 68/69 n. Chr. kamen noch zahlreiche weitere Münzstätten hinzu, zumal das Münzamt beweglich war und mit dem Kaiser und seinen Truppen zog, um an Ort und Stelle das benötigte Kleingeld ambulant herzustellen. Außerdem prägten die Rebellenkaiser, die sich selbst zum Kaiser ernannten oder von ihren Soldaten dazu gemacht wurden, mehr oder weniger illegal eigene Münzen.

Die syrische Hauptstadt Antiochia, die schon lange Provinzialmünzen nach dem Drachmenfuß prägte, erlangte durch Septimius Severus (193-211 n. Chr.) eine mit Rom vergleichbare Bedeutung als Hauptmünzstätte für Reichsprägungen. Später betrieben die Kaiser den Ausbau von Residenzen außerhalb Roms, wie zum Beispiel Diokletian in Nicomedia oder Konstantin der Große mit dem Ausbau von Byzanz zur Residenz Konstantinopel. Diese Residenzen wurden auch zu bedeutenden Münzorten.

In den großen Münzstätten, wie Rom, Antiochia, Alexandria und später auch Konstantinopel, arbeiteten mehrere Officinae (Werkstätten), denen jeweils ein Zweigstellenleiter (Officinator) vorstand. Die Münzstätten im Westen waren nicht so groß wie die des Ostens.

Mit den Reformen Diokletians wurde Treveri (Trier) – nach erster Prägetätigkeit (260-274 n. Chr.) – 293 n. Chr. wiedereröffnet und zur Hauptmünzstätte des Westens (423 n. Chr. endgültig geschlossen).

Colonia Agrippina (Köln) prägte zwischen 257 und 274 n. Chr. vorwiegend für die Rebellenkaiser Postumus und Victorinus.

Auf dem Balkan eröffnete 294 n. Chr. die Münzstätte Siscia (Sisak) wieder und wurde zur bedeutendsten Münzstätte des Balkan-Gebiets.

Die Verlegungen der Münzstätten Ostia nach Arles um 313 n. Chr. (Constantina beziehungsweise Arelate) und Ticinium (Pavia) nach Konstantinopel (Constantinopolis) um 326 n. Chr. fallen bereits in die konstantinische Zeit.

Das römische Münzwesen nach Ende der Tetrarchie

Noch war die fünfte revidierte Tetrarchie offiziell als Staatsform in Kraft, als die Truppen des Constantinus I. 312 n. Chr. den illegal in Rom residierenden Maxentius schlugen und unter dem Zeichen des christlichen Kreuzes in Rom Einzug hielten. Damit war der Sieger, der später als der erste christliche Kaiser Konstantin der Große (306-337 n. Chr.) in die Geschichte einging, der unumstrittene Herrscher im westlichen Teil des Reichs.

Als der im Osten herrschende Licinius I. (308-324 n. Chr.) ein Jahr später (313) Konstantins Halbschwester Constantia geheiratet und den grausamen Christenverfolger Maximinus II. beseitigt hatte, war die von Krisen und Machtkämpfen geschüttelte Herrschaftsform der Tetrarchie beendet. Eine anhaltende FriedenszeitBeata Tranquillitas, wie es auf einem Follis-Typ aus Trier heißt – kehrte aber erst ein, als die immer offener zutage tretende Rivalität zwischen Ost- und Westkaiser 324 n. Chr. zugunsten von Konstantin entschieden war.

Das Christentum wurde nach langer Verfolgungszeit zur Staatsreligion. Konstantin ließ in vierjähriger Bautätigkeit das alte Byzanz zur Residenz Constantinopolis ausbauen. Münzgedenkprägungen auf die alte (Rom) und neue (Konstantinopel) Residenz erschienen zur Einweihung Konstantinopels im Jahre 330 n. Chr. und wurden bis etwa ins Jahr 346 von den Söhnen Konstantins fortgeführt.

Die konstantinische Epoche brachte münzgeschichtlich die Einführung des Solidus im Gewicht von 4,5 g, die im Jahr 310 n. Chr. im Westreich und (nach 324) im gesamten Römischen Reich den Aureus ablöste und zur stabilen Hauptwährung wurde. Auch sein Halbstück (Semissis) wurde geprägt, in der valentinianischen und theodosischen (364-455) Epoche auch das Drittelstück (Tremissis). Der Solidus überdauerte den Untergang des Weströmischen Reich, bestand auch im Oströmischen Reich und in dem daraus hervorgehenden Byzantinischen Reich weiter fort.

Als neue Silbermünzen wurden die etwa 4,55 g schweren Miliarense und die leichtere Siliqua (3,4 g) eingeführt. Ihr Wertverhältnis untereinander ist nicht bekannt. Aber die Silbermünzen wurden nur spärlich ausgeprägt.

Hauptumlaufmünze waren die kupfernen Folles, die nun in großen Mengen unter permanenten Größen- und Gewichtsveränderungen geprägt wurden. Sie enthalten nun keinen Silberzusatz mehr, dafür aber Zink-, Zinn- und Bleibeigaben. Ihre Bewertung richtete sich weiterhin nach dem Gewicht, unterschieden werden sie aber nach ihrem Durchmesser:

  • Folles (22-25 mm)
  • Mittel-Folles (18-21 mm)
  • Klein-Folles (15-17 mm)
  • Teil-Folles (unter 15 mm)

Um 346/7 wurde eine „Centenionalis“ genannte Kupfermünze eingeführt und durch Doppelstücke (Maiorina) ergänzt. Die nachfolgenden Bronzen wurden immer kleiner und ähneln dem Centenionalis.

Im 4. Jh. entstanden auch die Kontorniaten, römische Medaillons mit Randschliff, die möglicherweise aus christlich-oppositionellen Senatskreisen stammen.

Untergang des Römischen Reichs und Münzwesens

Die endgültige Teilung Roms in ein West- und ein Ostreich erfolgte im Jahre 395.

Das Westreich, sein Münzwesen und sein Ende

Bei einsetzender Völkerwanderungszeit wurde das Westreich allmählich von germanischen Stämmen erobert, die bis Rom vordrangen. Die letzten Kaiser, die nach Ravenna auswichen, waren abhängig von mächtigen germanischen Heerführern.

Die Münzprägung des Westreichs wurde immer bedeutungsloser und uniformer. Kleine Bronzen machten den Hauptumlauf auf, Solidi und Tremisses wurden in geringen Auflagen geprägt, die silberne Siliquae zu reduziertem Gewicht, manchmal wurden auch nur noch Halbstücke geprägt.

Das Westreich endete glanzlos mit dem letzten Kaiser Romulus Augustulus (475/6).

Das Ostreich, sein Münzsystem und sein Ende

Im Ostteil des Reichs hielt sich das römische Münzwesen länger. Die bekanntesten Prägungen sind der goldene Solidus und seine Teilstücke. Auch hier beschränkte sich die Silberprägung auf die Siliqua, die am Ende nur zu einem Gewicht von 2 g ausgegeben wurde und ihr Halbstück. Den Hauptumlauf machten Bronzemünzen aus.

Mit der Münzreform von 498, als Kaiser Anastasius I. eine Reihe neuer Nominale einführte, endete die römische Münzgeschichte im Osten und ging in das byzantinische Münzwesen über.

Römische Münzen als Sammelgebiet

Die römischen Münzen waren schon immer das beliebteste Sammelgebiet im Rahmen der Antike. Manche Sammler versuchen das ganze Gebiet oder einen Querschnitt davon zu sammeln, andere verlegen sich auf das Sammeln von Teilbereichen, wie die Römische Republik, die Bürgerkriegszeit, die Tetrarchie oder die konstantinische Epoche. Auch die Münzen einzelner Kaiser und einzelne Nominale werden gesammelt. Besonders Bronzen in guter Erhaltung sind beliebte Sammelobjekte. Seltene Münzen mit gutem Erhaltungsgrad und Besonderheiten erzielen Spitzenpreise.

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