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Naturalgeld

Naturalgeld gilt als die wohl ursprünglichste und gleichzeitig am wenigsten entwickelte Geldform, welche auf dem Prinzip des Warenaustauschs fußt. Bei der Naturalgeldwirtschaft wird zur Bezahlung eines bestimmten Guts kein Münz- oder Scheingeld benötigt, sondern dieser Ware wird ein anderes Gut im Austausch entgegengesetzt. Damit beschreibt das Naturalgeld also ein nicht-monetäres Tauschgeschäft.

Die Naturalgeldwirtschaft funktioniert zwischen verschiedenen Gemeinschaften, Dörfern, Stämmen und Völkern, welche je andersartige Produkte hervorbringen. So pflanzt etwa Gemeinschaft A Knollenfrüchte, während sich die benachbarte Gemeinschaft B dem Fischfang widmet und so weiter. Beim Tausch zweier Produkte nahmen dann diese Güter Geldcharakter an und fungierten so als Warengeld. Getauscht wurde auf bestimmten Plätzen (Märkten), die in festgelegten Abständen aufgesucht wurden. Daneben wurden auch gegenseitige Besuche der Gemeinschaften vereinbart. Problematisch wurde dieses Tauschprinzip erst, wenn ein Tauschwilliger dem angebotenen Gut seines Partners kein geeignetes Tauschgut entgegensetzen konnte. In einer solchen Situation übernahmen Güter, an denen viele Menschen interessiert waren, die Funktion eines Zwischenguts.

Prinzipiell eigneten sich alle pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Produkte mit relativ hohem Wert, langer Haltbarkeit und Lagerfähigkeit als Wertmesser. Beliebt waren Gewürze wie Salz und Pfeffer, Getreide wie Weizen und Reis, Tee, Kakao- und Kaffeebohnen, Nüsse, Tabak und gebietsweise auch Stockfisch. Bei verschiedenen Völkern bildeten sich zu unterschiedlichen Zeiten bevorzugte Naturalien heraus, jedoch konnten daneben auch andere Güter (Schmuck, Waffen, Metalle, Sklaven) Geldcharakter haben. Die alten Hethiter und Juden bevorzugten beispielsweise Schafe, während in Germanien und Indien Viehgeld gängig war.

Allgemein entwickelte sich der Gebrauch von Münzen als Zahlungsmittel im Mittelalter nur sehr langsam mit dem Aufkommen des Städtewesens. In der Neuzeit hingegen waren es eher die Kolonien, welche auf die Naturalgeldwirtschaft zurückgriffen, sei es, weil sie die europäischen Münzen nur langsam akzeptierten oder aus Münzmangel, wie etwa in Kanada und Australien. Daher behalf man sich unter anderem mit Weizen, Mais, Knollenfrüchten, Palmöl, Rum und Holz. Der Gebrauch von Zucker in Westindien, Mahagonistämmen in Britisch-Honduras oder Tabakseilen bei den Hottentotten in Südafrika sind für die Naturalgeldwirtschaft in den Kolonien belegt.


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