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Suitenmedaillen und Münzserien

Eine Folge (frz. suite) von Münzen oder Medaillen, die ein innerer Zusammenhang verbindet, wie Herrscher aus derselben Dynastie oder berühmte Persönlichkeiten. Sie werden oftmals nach dem Tod des verehrten Herrschers herausgegeben. Häufig weisen schematische Kennzeichen der äußeren Gestaltung wie gleicher Durchmesser oder gleiche Gestaltung einer Seite darauf hin, dass es sich um eine Suite oder Serie handelt. Manchmal sind die Seriennummern angegeben. Als erste Münzserie gelten baktrische Tetradrachmen aus der gemeinsamen Regierungszeit des Antimachos und Agathokles (171-160 v. Chr.), die sie herausgaben, um sich in der Auseinandersetzung mit dem Usurpator Eukratides (171-135 v. Chr.) als berechtigte Nachfolger zu legitimieren. Die Folge zeigt auf den Vs.n die Ahnenreihe beginnend mit dem für Alexander den Großen gehaltenen Herakleskopf, dann die Bildnisse des Seleukidenkönigs Antiochos, des Diodotes (Gründer des baktrischen Reichs) und schließlich dessen Nachfolger Euthydemos. Die Rs.n zeigen Herakles oder Zeus und sind mit Namen und Monogramm der beiden baktrischen Herrscher beschriftet. Unter den römischen Prägungen der Kaiserzeit auf verehrte Vorgänger ragt die Antoninian-Serie unter Kaiser Trajanus Decius (248-251 v. Chr.) heraus, die 11 römische Kaiser zeigt. 
Das Aufkommen der Medaille in der Renaissance, ursprünglich meist Auftragsarbeiten der Herrscher, die sich für die Nachwelt verewigen wollten, bot das ideale Medium für Suiten. Im 16. Jh. entstanden mehrere Medaillensuiten auf die Päpste, darunter auch eine deutsche von Tobias Wolff, sowie eine Fürsten-Suite aus der Hand Valentin Malers. Auf die Gesandten des Friedensschlusses zu Münster (1648) fertigte Vestner später eine Medaillensuite, im 18. Jh. folgten Suiten auf die Zaren von Russland, die Kaiser des Römisch-Deutschen Reichs und die Könige von Frankreich sowie von Hedlinger auf das schwedische Königshaus. Aus dem Atelier Christian Wermuths stammen die umfangreichen Suiten mit 250 Papst-Medaillen und 211 römischen Kaisern, Schega schuf eine Suite auf die bayerischen Fürsten aus dem Hause Wittelsbach. Im 18. und 19. Jh. entstanden auch Suiten auf "berühmte Männer", wie z.B. die Medaillensuite auf Reformatoren von Jean Dassier. Die Suitenmedaille stand aufgrund der fehlenden Authentizität lange in der Kritik, denn die Dargestellten, die ja schon lange verstorben waren, mussten Zeichnungen, Kupferstichen und Büsten nachempfunden oder sogar frei erfunden werden. Um zu kennzeichnen, dass es sich um lebensechte Porträts handelt, tragen deshalb Medaillen (zusätzlich zu den Herstellungsformeln fecit oder sculpsit) den Zusatz ad vivum (meist ad viv. oder A.V. abgekürzt). 
Heute werden Suitenmedaillen wieder gesammelt, ganze Serien sind schwer zu bekommen bzw. teuer. In jüngster Zeit kamen Serienmedaillen oder sog. "Medailleneditionen" heraus, die nach thematischen Schwerpunkten gefertigt werden, z.B. Folgen von Nobelpreisträgern oder Fußballspielern. Dadurch müssen nicht einzelne Medaillen verkauft werden, sondern es können gleich ganze Serien im Abonnement zum Kauf angeboten werden.