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Wermuth‚ Christian

Der produktivste deutsche Medailleur und Stempelschneider des Barock und Rokoko, der nach seiner Ausbildung als Medailleur und Graveur in Dresden 1685 eine Anstellung an der Münze des Grafen von Schwarzburg-Sondershausen fand. Dort arbeitete er schon für den Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, der ihn 1688 an die Münze nach Gotha holte. Er schnitt weiterhin sehr viele Münzstempel, auch für andere Münzstätten. Zudem betätigte er sich als überaus erfolgreicher Medaillenkünstler und erhielt daher 1699 das kaiserliche Privileg, eine eigene Medaillenwerkstatt zu eröffnen. Als selbstständiger Unternehmer betrieb er seine Werkstatt in großem Stil. Gemeinsam mit Schülern und Angestellten, darunter zwei Söhne und eine Tochter (die nach seinem Tod selbstständig arbeiteten), schuf er über 1300 Medaillen, teilweise auf Bestellung, teilweise vertrieb er seine Medaillen auch über eigene Verkaufslisten, die er an Münzkabinette, Händler und Sammler verschickte. Es gibt kaum ein Ereignis, das er nicht mit einer Medaille kommentierte (Ereignismedaille), kaum eine bedeutende zeitgenössische Persönlichkeit, die er nicht porträtierte (u.a. Porträtmedaillen auf Reformatoren), es gibt auch einige Selbstporträts. Zudem stammen zwei umfangreiche Suiten aus seinem Atelier, eine Papstreihe im Umfang von 250 Medaillen, und eine Folge römischer Kaiser mit 214 Exemplaren von ihm. Dazu kamen noch Spottmedaillen oder satirische Medaillen, die er gewöhnlich nicht signierte. Er gilt als erster Medailleur, der eine Kornjudenmedaille herausgab. Auch religiöse und moralische Medaillen sowie Jetone stellte der Gothaer Betrieb her, den er auch nicht verließ, als ihn König Friedrich I. von Preußen 1703 zum Hofmedailleur berief. Von Gotha aus arbeitete er nunmehr als privilegierter Medailleur für den preußischen Hof. Seine Medaillen signierte er meist mit C.W., C.W.F. und mit vollem Namen. Die Medaillen Wermuths sind technisch immer sauber gearbeitet.

    

Medaille 1717 von Wermuth zur Zweihundertjahrfeier derReformation