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Schinderlinge

Bezeichnung der schlechten spätmittelalterlichen Pfennige, die 1457 bis 1460 im österreichischen und süddeutschen Raum geprägt wurden und mit der ersten großen monetär bedingten Inflation der deutschen Geldgeschichte verbunden sind. Der Grund für diese Entwicklung liegt in der Edelmetallknappheit und im Gewinnstreben der Münzherren. Der Wiener Pfennig war in der ersten Hälfte des 15. Jh.s in Österreich und Bayern, das 1395 den Münzfuß des Wiener Pfennigs übernommen hatte, eine wichtige Umlaufmünze. Es kamen aber Klagen auf, dass die Ingolstädter, Münchener, Landshuter, Augsburger und Oettinger Pfennige um 1/5 schlechter seien als die Wiener Pfennige. Im Jahr 1457 begann der Graf von Oettingen unterwertige Pfennige in größeren Stückzahlen zu prägen. Der Erzbischof von Salzburg, der Bischof von Passau und die Landgrafen von Hals schlossen sich der Prägung von „bösen Schwarzpfennigen“ (Böse Halser) an. Kaiser Friedrich III., der durch den Erbstreit mit seinem Bruder, Erzherzog Albrecht, in Geldverlegenheit geriet, verpachtete seinen Gläubigern und Kämmerern noch Ende 1457 das Münzrecht, die nicht zögerten, in Wien, Wiener Neustadt, Graz, St. Veit und wohl auch in Laibach (Ljubljana) große Mengen verschlechterter Pfennige und auch Kreuzer herzustellen. Sie scheuten nicht davor zurück, die Münzbilder des längst verstorbenen Königs Albrecht zu verwenden, um die minderwertigen Geldstücke leichter in Umlauf bringen zu können. Sein Bruder und Kontrahent, Erzherzog Albrecht, ließ in den neu errichteten Münzstätten in Linz und Enns minderwertige Stücke ausprägen. Schließlich beteiligten sich auch die Herzöge Albert (seit 1460 auch Johann und Sigmund) zu Bayern-München, Ludwig zu Bayern-Landshut, der Pfalzgraf Otto in Neumarkt und Graf Johann zu Görz an der Prägung der "bösen Schwarzpfennige", die schließlich 1460 mancherorts nur noch aus Kupfer bestanden und vom Volk Schinderlinge genannt wurden.

Bis 1458 hielt sich die Verschlechterung der Pfennige noch einigermaßen im Rahmen des Erträglichen, wie sich an der Kursentwicklung der Pfennige zum ungarischen Gulden ablesen lässt: Um 1455 gingen in Wien noch 240 Pfennige auf den ungarischen Goldgulden, Ende 1458 waren es 300 Pfennige. Aber 1459 und vor allem 1460 erreichte die Geldentwertung dramatische Ausmaße: Ende 1459 lag der Kurs des ungarischen Goldguldens in Wien bei 960 Pfennigen und am 17. April 1460 bei 3686 Pfennigen. Dies hatte rasante Preissteigerungen zur Folge, eine ungewohnte und erschreckende Erfahrungen für die Menschen. Denn im Mittelalter waren für Preissteigerungen allenfalls Missernten und andere nicht-monetäre Ereignisse verantwortlich. Bis zur Zeit der Schinderlinge hatte sich der Silbergehalt eines Pfennigs im Lauf eines Menschenlebens höchstens auf die Hälfte verringert und selbst dies kannte man nur von anderen Währungsgebieten, denn der Wiener Pfennig war seit dem 13. eine äußerst stabile Münze gewesen und hatte sich über die Grenzen Österreichs hinaus größter Beliebtheit erfreut. Nun aber zeigten sich täglich spürbare Münzverschlechterungen verantwortlich für immense Preissteigerungen. Schließlich wollte niemand mehr die kupfernen Pfennige annehmen, der Handel stockte und die Bevölkerung verarmte. Wer hingegen noch gute (alte) Pfennige oder Prager Groschen besaß, konnte sich dafür alles kaufen.

Als man am 28. April 1460 in Wien die Münzprägung wieder an die Wiener Hausgenossen übertrug, die sich nicht an der Prägung der Schinderlinge beteiligt hatten, setzte eine Geldstabilisierung ein. Mit Unterstützung des reichen Wiener Kaufmanns Wilhelm Teschler ging die Hausgenossenschaft zur Prägung silberner Pfennige (300/1000 fein) über, die den Wiener Kreuzschild zwischen den Buchstaben W(iener) H(ausgenossen) T(eschler) trugen. Auch andernorts stellte man die Prägung der Schinderlinge ein. Aber der Pfennig hatte durch die Schinderlinge seinen Kredit als Währungsmünze für immer verloren. Größere Nominale traten an seine Stelle, der Pfennig wurde zur Klein- und Scheidemünze.

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