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Sterling

Die Etymologie des Wortes ist noch nicht ganz geklärt, vielleicht ist es von dem späten altenglischen Ausdruck "steorling" in der Bedeutung "Münze mit einem Stern" abgeleitet, zumal einige frühe anglo-normannische Pfennige einen Stern auf der Rs. aufweisen. Vielleicht wurden auch schon anglo-normannische Pfennigmünzen als Sterling bezeichnet, sicher ist die Bezeichnung für die beständigen und hochwertigen mittelalterlichen Pfennigmünzen, die seit 1180 unter dem englischen König Heinrich II. (1154-1189) geprägt wurden. Dieser Typ zeigt auf der Vs. das zeptertragende Brustbild des Herrschers in Vorderansicht, auf der Rs. ein kurzes Zwillingsfadenkreuz mit 4 Kugeln in den Winkeln, danach Short-Cross Penny genannt. Seit 1247/8 zeigt der Sterling über die Umschrift bis zum Münzrand reichende Langkreuze auf den Rs.n (Long-Cross Penny), 1278 noch einmal abgeändert (einfaches, breites Kreuz). Im Vergleich mit den Pfennigprägungen auf dem Kontinent war der englische Sterling nicht nur erstaunlich typentreu, sondern im Zeitraum von fast 200 Jahren auch in Gewicht und Feingehalt (von wenigen Ausnahmen abgesehen) bemerkenswert konstant: Zu Beginn der Prägung 1180 hatte er ein Raugewicht von ca. 1,36 g (etwa 925/1000 fein), im letzten Regierungsjahr Edwards III. (1327-1377) wog er immerhin noch etwa 1,17 g. Sterlinge waren in Kontinentaleuropa ausgesprochen beliebt: Sie kommen in Münzfunden bis in den mecklenburgisch-pommerschen Raum vor und wurden auf den Märkten in der Champagne in großen Mengen an italienische Kaufleute verhandelt. Sterlinge liefen auch in Irland um, ähnliche Münzen wurden in Schottland geprägt. Der Einfluss ihrer Münzbilder reicht von Skandinavien bis nach Portugal. Nachahmungen und Beischläge wurden vor allem in Nordfrankreich, Westdeutschland und den Niederlanden produziert, darunter die besonders minderwertigen Lushburnes (Luschburger). Die mit dem Sterling in etwa gleichwertigen norddeutschen Witten wurden den Sterlingen angeglichen. In Südwestdeutschland und Westfalen wurden sie auch Engelsche oder Englische genannt, in Dänemark Engelsk. In Frankfurt a.M. war sogar ein Nominal mit der Bezeichnung Englisch versehen. Als Münzbezeichnung hielt sich der Ausdruck bis zum Ende des Mittelalters.
Im Laufe des 13. Jh.s begann sich der Name Sterlingsilber als Standard-Feingehaltsangabe (925/1000) einzubürgern, zunächst in den oberitalienischen Handelsstädten Venedig und Genua, davon ausgehend auch im östlichen Mittelmeerraum. Im 14. Jh. war Sterling die übliche Bezeichnung für den Standard-Feingehalt von Silberbarren in Venedig. Im Laufe des 14. Jh.s ist die Standard-Feingehaltsbezeichnung - neben der Münzbezeichnung - auch für Westeuropa dokumentiert. Erst mit Einführung der Goldwährung in Großbritannien im frühen 19. Jh. beginnt die Bedeutung von Sterling als Standard-Feingehaltsangabe abzunehmen. Die englischen Silbermünzen wurden noch bis 1919 in einer Legierung von 925 Tausendteilen Silber und 75 Promille Kupfer ausgemünzt. 
Seit der Mitte des 15. Jh.s verschiebt sich die Bedeutung des Ausdrucks Sterling (vorher Münzbezeichnung) in englischsprachigen Dokumenten auf die englische Währung. Da im Mittelalter aus einem Pfund (Pound) Silber 240 Sterlinge geprägt wurden, bürgerte sich als Zähleinheit der Ausdruck "pound of sterlings", in Dokumenten lat. "libra sterlingorum" (Sterling in der Pluralform !) ein, der seit der Mitte des 15. Jh.s zunehmend in der Form Pound sterling (Singularform) erscheint. Als Bezeichnung der britischen Währung hat sich der Ausdruck Pound Sterling (Pfund Sterling) bis heute erhalten. Seit 1971 gilt: 100 (New) Pence = 1 Pound Sterling (zuvor 20 Shillings = 1 Pound Sterling)