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Ringgelder

Einfache oder spiralförmige Ringe und Reife aus Halbedelsteinen, Muscheln, Palmfasern und fast allen Metallen (Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Messing, Zinn, Eisen) waren nicht nur als zierender Schmuck für Arme, Beine, Finger, Füße, Hals, Ohren oder Stirn beliebt, sondern stellten (wie der meiste Schmuck) auch Wertobjekte dar, die in vielen Regionen der Welt und zu den verschiedensten Zeiten auch als Tausch- und Zahlungsmittel dienen konnten. Diese Ringgelder zählen zu den vormünzlichen Zahlungsmitteln und gehören in den Bereich des Schmuckgelds. Bei dem häufigen Vorkommen und der Vielfalt der Formen (vor allem in Afrika) ist die Zuteilung der Ringe zu einem Kulturniveau nicht möglich. Ob die Ringe als Schmuck, Wertobjekt, Tausch- oder Zahlungsmittel dienten, ist oftmals nicht eindeutig abzugrenzen. In Schwarzafrika (vor allem im Kongogebiet) trugen die Frauen oftmals sehr schwere Drahtringe und -spiralen (auch aus Eisen, Kupfer, Zinn und Messing), die als Schmuck und Reichtumsindikator fungierten. Ringbruchstücke und Ringe, die aufgrund ihrer zu kleinen Öffnungen nicht tragbar waren, sog. Kümmerformen, weisen eindeutig auf eine Verwendung als Zahlungsmittel hin. Einige bevorzugte Formen des Ringgelds scheinen sich von einem Armreiftyp abzuleiten. Ringe aus Muscheln finden sich vor allem in der Südsee: Die Bewohner der Salomon-Inseln und die Bevölkerung im Norden Neuguineas verwendeten Tridacna-Ringe (aus dem Gehäuse der Riesenmördermuschel) als Geld.

In der Steinzeit waren Ringe aus Knochen- und Muschelmaterialien gebräuchlich, erstere im alten Ägypten, bei den Kelten und wohl auch bei den Germanen. In der Hallstatt- und frühen Latènezeit (etwa 750-400 v. Chr.) benutzten die Kelten neben Ketten vor allem auch Bronzeringe als Wert- und Tauschobjekte. In der Schweiz fand man kleine sog. Pfahlbau-Portemonnaies, roh gegossene Bronzeringe, die auf größere fibelähnliche Gegenstände aufgereiht werden konnten. Interessant sind die Funde von hufeisenförmigen Dreiviertel-Ringen aus Irland (ca. 200 v. Chr.), die den Manillen aus dem Gebiet von Nigeria ähneln, die dort bis ins 20. Jh. umliefen. Depotfunde aus der Völkerwanderungszeit in Nord- und Osteuropa brachten Bruchstücke von Ringen (auch aus Silber) zutage, die wie absichtlich zerbrochen wirken und möglicherweise als Kleingeld dienten. In den mittelalterlichen Skalden-Dichtungen werden freigebige Fürsten als „Baugenbrecher“ (Bauge = Ring) gepriesen, weil sie Ringbruchstücke als Geschenke verteilten.

Schon bei den alten Ägyptern waren Ringe ein begehrtes Tauschmittel, später vermutlich auch Ringe aus Gold. Eine Verbindung zu den abessinischen (Äthiopien) und ostsudanesischen Goldringen liegt nahe, die im Mittelalter als Zahlungsmittel gedient haben sollen. Denn Goldringe gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zur ursprünglichen Kultur Schwarzafrikas, sondern drangen vermutlich über die Handelspartner der alten Ägypter in den schwarzafrikanischen Raum vor. In Afrika gab es vermutlich schon Ringgelder, bevor die Portugiesen im 15. Jh. die ersten Handelsbeziehungen aufnahmen. In Darfur (Westsudan) sollen Zinnringe als Zahlungsmittel gedient haben, weiter südlich soll mit ringförmigen Messingperlen, die auf Lederbänder aufgezogen wurden, bezahlt worden sein. Bei den Borana im Süden von Abessinien (Äthiopien) soll es "weiße Metallarmringe" (vermutlich eine Zinnlegierung) gegeben haben, die wegen ihrer zu kleinen Öffnungen als Schmuck nicht zu gebrauchen waren. In Portugiesisch-Ostafrika (Mozambique) dienten Messing- und Eisenringe als unverzichtbarer Bestandteil des Brautpreises. Bei den Zulu und den benachbarten Ngoni kamen Ringe bei rituellen Tänzen zum Einsatz. Die Warundi entrichteten einen Ring aus geflochtenen Palmfasern als Brautpreis. Bei den Wanande (Kongo) soll ein Ring aus Palmfasern als Zahlungsmittel gedient haben. 

Reich verzierte Ringe in allen erdenklichen Formen und aus den verschiedensten Metallen finden sich vor allem in den an Bodenschätzen (Metallen) reichen Gebieten im zentralafrikanischen Kongogebiet (siehe auch Drahtringe- und -spiralen) und im Gebiet nördlich des Golfs von Guinea (Nigeria). Ihre Bedeutung für die Kultur als Zahlungsmittel und Wertobjekt ist im einzelnen oftmals noch ungeklärt. Neben ihrer Bedeutung als Schmuck dienten einzelne Formen auch kultischen und rituellen Zwecken oder waren Bestandteil des Brautpreises, manche dienten auch dem Handel. Sie sollen auch im Sklavenhandel eine Rolle gespielt haben und werden in Sammlerkreisen deshalb auch oft als Sklavenringe bezeichnet. Form, Gewicht und die Wahl des Metalls haben auch Bedeutung für die Stellung ihres Besitzers in der Stammesgemeinschaft (Statussymbol, Reichtumsanzeiger).