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Reichsgoldwährung

Im Jahr 1871 wurde das Deutsche Kaiserreich gegründet und die Reichswährung "Mark und Pfennig" eingeführt. Das Gesetz vom 4. Dezember 1871 "betreffend der Ausprägung von Reichsgoldmünzen" definierte die Mark als 10. Teil der auszuprägenden Reichsgoldmünze (10-Mark-Stück), von der 139 1/2 Stücke aus einem Pfund Feingold ausgebracht werden sollten. Auch das entsprechende Doppelstück zu 20 Mark wurde geprägt, das ebenfalls zunächst ausgeprägte 5-Mark-Stück in Gold konnte sich nicht durchsetzen, weil es zu klein war, daher wurde es zur Jahrhundertwende außer Kurs gesetzt. Da aber auch die alten silbernen Taler, die 3 Mark entsprachen, als unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel galten, kann nicht von einer reinen Goldumlaufwährung gesprochen werden, es handelte sich eher um eine hinkende Goldwährung. Die anderen Silbermünzen des Kaiserreichs mussten nur bis zu einem Betrag von 20 Mark angenommen werden und waren Scheidemünzen. Nach Art. 15 des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 galten die alten Talerstücke 3 Mark, die Doppeltaler 6, entsprechend die Drittel- und Sechstelstücke 1 bzw. eine halbe Mark. Nachdem genügend Goldmünzen geprägt waren, wurden am 1. April 1874 die Landesgoldmünzen und die ihnen gleichgestellten ausländischen Goldmünzen außer Kurs gesetzt. Schließlich verloren auch die Taler ihre Gültigkeit als gesetzliche Zahlungsmittel, zuletzt die Taler deutschen Gepräges am 1. Oktober 1907. Damit war eine reine Goldwährung erreicht. Mit dem Gesetz vom 4. August 1914 wurde die Einlösungspflicht der Banknoten in Gold wegen des Weltkriegs aufgehoben, die Reichsgoldmünzen galten aber bis zum 15. August 1938 als gesetzliche Zahlungsmittel. Durch den Ersten Weltkrieg ist wahrscheinlich mindestens die Hälfte der Goldmünzen eingeschmolzen, verbraucht oder vernichtet worden. Die meisten der erhaltenen 10- und 20-Mark-Stücke stammen wohl aus den Beständen des Kriegsschatzes im Umfang von 120 Mill. Mark (1913 sogar noch verdoppelt). Sie wurden 1873 geprägt und in den Juliusturm der Festung Spandau transportiert. Da sie erst mit Beginn des Kriegs 1914 in Umlauf kamen, finden sich heute noch häufig Stücke in guten Erhaltungen. Seit den 80er Jahren kommen Reichsgoldmünzen aus dem Bestand der Bank von Schottland vor, die wohl aus der Kriegsbeute des Ersten Weltkriegs stammen. 
Die Goldwährung war von einigen Ländern schon vor der Einigung Deutschlands 1871 angestrebt aber nicht durchgeführt worden; sie wäre wohl auch nicht überall finanzierbar gewesen. Erst die Reparationsleistungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 ermöglichten die Finanzierung. Der Preisverfall des Silbers in der 2. Hälfte des 19. Jh.s auf dem Weltmarkt vollzog sich vor dem Hintergrund der großen Goldfunde des 19. Jh.s in den USA. Die Tatsache, dass die Weltmacht Großbritannien vergleichsweise schon früh auf Goldwährung umgestellt hatte, relativiert sich, wenn man die Ausgangslage der deutschen Münzverhältnisse im Blick behält. Das Münzwesen des auf dem Wiener Kongress von 1815 gegründeten Deutschen Bundes präsentierte sich nach den napoleonischen Kriegen zerrissen und zersplittert. Den ersten Schritt zur Vereinheitlichung machten die süddeutschen Staaten im Münchener Münzvertrag von 1837, der durch Verträge 1938 und 1945 erweitert wurde. Weitere Schritte zur Vereinheitlichung des Münzwesens stellten der Dresdner (1838) und der Wiener Münzvertrag (1857) der Mitglieder des Zollvereins dar. Die Münzreformen hatten auch die Schließung vieler Münzstätten zur Folge. Die Einigung Deutschlands beendete schließlich diese Periode der Vereinheitlichung des Münzwesens.

    

Bayern, 5 Mark 1877

    

Hamburg, 10 Mark 1905

    

Baden, 20 Mark 1873

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