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Currency-Theorie

Eine Geldtheorie, die sich im beginnenden 19. Jh. als besondere Ausprägung der Quantitätstheorie in England entwickelte. Die Benennung geht auf die Definition der Banknote als Currency zurück. Die Theorie entstand vor dem Hintergrund der stark ansteigenden Preise und der Verschlechterung des Wechselkurses des englischen Pfunds während der napoleonischen Kriege. Walter Boyd sah den Grund für diese Entwicklung in der zuvor erfolgten Befreiung der Goldeinlösungspflicht von Banknoten für die Bank of England. David Ricardo (1772-1823), auf den sich die Vertreter der Currency-Theorie stützten, forderte in "The High Prize of Bullion" (1809) die Reduzierung der vorhandenen Notengeldmenge und die vollständige Golddeckung (100%) für Banknoten. Zunächst konnten sich die Bullionisten um Ricardo politisch nicht gegen die antibullionistische Fraktion um die Direktoren der Bank of England durchsetzen. Obwohl sich das Parlament 1819 durchrang, die Goldeinlösungspflicht für Banknoten wiederaufzunehmen, gab es in Britannien im Wechsel Inflation und Deflation. Deshalb wurde die Debatte in den 20er Jahren wieder aufgenommen. Diesmal standen sich einerseits die in bullionistischer Tradition stehenden Anhänger der Currency-Theorie, die konvertible Banknoten als echtes Umlaufsgeld (currency) definierten, und andererseits die von Tooke angeführten Anhänger der Banking-Theorie gegenüber. Letztere sahen die Banknoten lediglich als Kreditzahlungsmittel und bezweifelten, dass von ihnen inflatorische oder deflatorische Wirkungen ausgehen konnten. Samuel J. Loyd, der spätere Lord Overstone, schlug in "Thougts on the Separation of the Bank of England" eine Zweidritteldeckung der Banknoten in Gold vor. Diesen Vorschlag setzte 1844 die Peelsche Bankakte in die Praxis um. Ein Grund dafür, dass die restriktive Währungspolitik in der Praxis nicht zu einem völligen Zusammenbruch der Zahlungsmittel- und Kreditversorgung Großbritanniens führte, lag in dem "Fehler" der Currency-Theorie, Buchgeld nicht als Geld zu betrachten. Diese naive Geldmengen-Theorie erlaubte es, die durch Kontingentierung knapp gewordenen Banknoten im Zahlungsverkehr durch Schecks und Wechsel unbeschränkt zu ersetzen. Auch die Plenersche Bankakte von 1862 setzte in Österreich die Zweidritteldeckung durch. Bereits in der 2. Hälfte des 19. Jh.s und im 20. Jh. wurden die Notendeckungsvorschriften der Currency-Theorie von der Banking-Theorie verdrängt.