Kundenservice Telefon Icon
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Rupie

Die Rupie ist die wichtigste Silbermünze Indiens, die auch weit über die Grenzen des Subkontinents als Handelsmünze Bedeutung erlangte. Die Bezeichnung „Rupie“ kommt aus dem Sanskrit: „rupiya“ bedeutet „verarbeitetes Silber“. Eingeführt wurde die Rupie bereits im 16. Jh. n. Chr.

Historische Entwicklung der indischen Rupie

Die indischen Silbermünzen haben eine lange Geschichte hinter sich – verschaffen Sie sich im Folgenden einen Überblick über die Entwicklung, Nutzung und Bedeutung der ursprünglich nur indischen und heute weiter verbreiteten Landeswährung.

Einführung der Rupie

Die Rupie wurde unter Sher Shah (1539-1545 n. Chr.) aus der kurzzeitig herrschenden Dynastie der Suri (1525-1555 n. Chr.) eingeführt, um die im Wert verfallene Tanka abzulösen. Nachdem der Mogulherrscher Akbar (1556-1604) das Kernreich im Jahr 1555 zurückerobert hatte, wurde die silberne Rupie zur Standard-Silbermünze, auf der die Währung des Mogulreichs beruhte. Sie verbreitete sich mit der Expansion des Mogulreichs im 17. Jh. nahezu über den gesamten Subkontinent.

Die Eckdaten der Rupie

Eigenschaft Ausprägung
Gewicht und Silbergehalt Das Standard-Silbergewicht lag um 11,44 g, der Silbergehalt war so hoch, wie dies technisch zu dieser Zeit möglich war. Unter den Nachfolgern Akbars wurden aber auch 1 bis 2 ½ g schwerere Rupien hergestellt. Als das Mogulreich im 18. Jh. verfiel, konnte das Silbergewicht auch etwas leichter ausfallen (um die 10 g).
Münzmotive Die Stücke zeigen auf beiden Seiten arabische Schriften, die übliche Münzgestaltung islamischer Herrscher. Es gibt mehrere hundert Typen der Rupie, die aus über 200 Münzstätten des Mogulreichs stammen.
Stückelungen / Nominale Die üblichen Teilstücke waren Halb-, Viertel- und Achtel-Rupien, letztere schon seltener, im 18. Jh. wurden Teilwerte darunter (1/16, 1/32 Rupie) ausgeprägt.
Form Die Münzen sind meist rund, zeigen gelegentlich aber auch quadratische, klippenähnliche Formen, vorwiegend unter Akbar.
Lediglich im äußersten Süden, in der Nachfolge des Reichs von Vijayanagar, und im Nordosten Indiens, unter anderem im Hindu-Königreich der Ahom, gelang es einigen Herrschern, zumindest eine relative Unabhängigkeit von den Moguln zu bewahren. Interessant ist die Form der Rupien unter den Ahom-Herrschern im Gebiet von Assam, die seit dem Präge-Beginn Mitte des 17. Jh. ihre Münzen in oktogonaler (achteckiger) Form ausgaben.

Die Rupien nach dem Fall der Moguln

Mit dem Verfall des Reichs der Moguln im 18. Jh. und dem steigenden englischen Einfluss im geschwächten Indien ließen auch die kleinen Nachfolgestaaten und die East India Company einige Rupien prägen.

Die frühen englischen Rupien der East India Company wurden noch im Stil der Mogulherrscher geprägt (Sicca Rupee). Die Kolonialgesellschaft prägte 1835 eine Regierungs-Rupie, die auf der Vorderseite (Avers) das Bildnis des britischen Monarchen zeigt. Im Jahr 1839 wurde der Feingehalt der britisch-indischen Rupie drastisch gesenkt (von 916 2/3/1000 auf 500/1000).

Nachdem die Briten 1857 den letzten Mogul abgesetzt hatten, blieb die Rupie weiterhin Währungsmünze nach dem folgenden Währungssystem:

1 Rupie = 16 Annas = 64 Pices (Paise) = 192 Pies

Eine Reihe von indischen Fürstentümern behielt das Münzrecht und prägte Rupien teilweise bis 1947, als sich die Briten aus Indien zurückzogen. Die Rechte der East India Company wurden 1852 beschnitten und 1858 an die englische Krone übertragen. Obwohl nun Indien britische Kronkolonie ist, trugen die Münzen nominell noch bis 1862 die Umschrift EAST INDIA COMPANY auf den Rückseiten (Revers).

Nachdem die englische Königin Victoria 1877 den Kaisertitel angenommen hatte, wurden die britisch-indischen Münzen mit dem Titel EMPRESS oder EMPEROR versehen. Der Widerstand der indischen Bevölkerung gegen die britische Kolonialverwaltung bewog England 1947, Indien den Status eines selbstständigen Dominions zu geben. In der Folge entstanden zwei unabhängige Staaten: Das vorwiegend hinduistische Indien und das überwiegend islamische Pakistan.

In Indien wurde die indische Rupie, in Pakistan die pakistanische Rupie Währungseinheit. In einigen angrenzenden Ländern zeigt sich der Einfluss der Rupie bis heute:

  • Afghanistan: bis 1925
  • Bhutan: bis 1978
  • Ceylon (seit 1972 Sri Lanka): bis heute als Sri-Lanka-Rupie
  • Indonesien: bis heute als Rupiah
  • Nepal: bis heute
  • Tibet: bis heute als Tangka (3 Tangka = 1 indische Rupie)
  • Mauritius: bis heute

Vorderseite einer Rupie aus Mauritius    Rückseite einer Rupie aus Mauritius

Mauritius, 200 Rupien 1971

Die Rupie im internationalen Kontext

Die Rupie hatte nicht nur Einfluss auf die asiatischen Münzen der angrenzenden Gebiete, sondern erlangte neben ihrem Stellenwert als Münze aus Indien auch internationale Bedeutung. In der 2. Hälfte des 19. Jh. und Anfang des 20. Jh. war sie auch Handelsmünze in Ostafrika. So kam auch die deutsche Kolonialverwaltung nicht umhin, für die Gebiete in Deutsch-Ostafrika (DOA) silberne Rupien auszugeben.

Vorderseite einer Rupie aus Deutsch-Ostafrika   Rückseite einer Rupie aus Deutsch-Ostafrika

Deutsch Ostafrika, 1 Rupie 1890

Zwischen 1890 und 1902 wurden in Berlin zunächst für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG) neben Hellern Rupien geprägt, die auf den Vorderseiten die Büste von Kaiser Wilhelm II. in Uniform und Helm der Garde du Corps zeigen. Auf den Rückseiten ist das Wappen der DOAG, der schreitende Löwe unter der Kokospalme, zu sehen. Es gab auch Viertel- und Halb-Stücke (1891-1901) sowie eine doppelte Rupie (1893/94) dieses Typs.

Zwischen 1904 und 1914 wurden die Rupie und ihre Teilwerte für das Auswärtige Amt mit veränderter Rückseite (Wert und Datum im Feld) in Berlin und Hamburg geprägt. Die deutsch-ostafrikanischen Kolonialmünzen blieben bis weit in die 1920er-Jahre im Umlauf. Im Ersten Weltkrieg wurden 1916 im ostafrikanischen Tabora die interessanten Taboranotmünzen geschlagen, darunter die einzigartigen goldenen Notmünzen zu 15 Rupien.

Unsere Produktvorschläge