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Karolingische Münzen

Das nach Karl dem Großen (768-814 n. Chr.) benannte Geschlecht der Karolinger stammt von dem 641 n. Chr. verstorbenen Bischof Arnulf von Metz ab. Pippin II. konnte 687 n. Chr. das einflussreiche Amt als Hausmeier (lat. maior domus) des fränkischen Reichs erblich an sein Geschlecht binden.

Sein Enkel, Pippin III., vertrieb den letzten Merowinger-König Childerich III. 751 n. Chr. Er überließ dem Papst den Kirchenstaat – auch als "Pippinische Schenkung" bekannt. Dadurch wurde er mit Zustimmung des Oberhauptes der katholischen Kirche 754 n. Chr. zum König der Franken. So endete das Merowingerreich mit dem Beginn der Karolingerzeit.

Pippin III. begann eine zentralistische Reform des Münzwesens. Sein Sohn Karl der Große vollendete die Pippinide Münzreform: Im Vergleich zu seinen merowingischen Vorläufern ließ Pippin schon dünnere und breitere Pfennige schlagen, die bei einem Durchschnittsgewicht von ca. 1,3 g lagen. Sie trugen meist einen Hinweis auf die königliche Münzgewalt. Der charakteristische Typ zeigt auf dem Avers das Monogramm RP (Rex Pippinus) und auf dem Revers meist die Angabe des Münzortes.

Münzreform in der karolingischen Renaissance

Karl der Große dehnte das Frankenreich in alle Himmelsrichtungen aus: Spanische und Bretonische Mark, Kärnten, Norditalien und Spoleto. Er führte es durch Reformen zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte. Die Zeit wird auch als „karolingische Renaissance“ bezeichnet. Er kontrollierte das Münzwesen zentralistisch. Es gab sogar eine Anweisung von 805 n. Chr., nach der sämtliche Münzen an den kaiserlichen Pfalzen (lat. Palatia) ausgemünzt werden sollten. Sie wurde nie streng befolgt, aber es gab speziell ausgewiesene Hofprägungen, wie die lateinische Münzinschrift PALATINA MONETA zeigt.

Die Einführung einer neuen Gewichtseinheit, des Karlspfundes, aus dem 240 Pfennige ausgemünzt werden sollten, stellte den Kernpunkt der Münzreform dar. Die typischen karolingischen Pfennige waren im Vergleich zu den vorangegangen merowingische Münzen schwerer, breiter und flacher.

Karolingische Münzmotive

Die meisten königlichen Pfennige zeigen das Monogramm oder den Namen und Titel CAR(O)LUS REX FR(ancorum), auf der Rückseite meist ein Kreuz.

Vorderseite einer karolingischen Münze Ludwig des Frommen    Rückseite einer karolingischen Münze Ludwig des Frommen

Obol Ludwigs d. Frommen (814-840), Prägestätte Melle

Nach der Kaiserkrönung durch den Papst an Weihnachten 800 n. Chr., ließ der Kaiser einige seltene Stücke im Stil römischer Kaiserprägungen ausbringen: Die Vorderseite zeigt das lorbeerbekränzte Haupt des Kaisers mit der Umschrift CAR(O)LUS IMP(erator) AVG(ustus). Auf den Rückseiten wurden Münzorte genannt oder symbolisch dargestellt: zum Beispiel ein Stadttor für die Münzstätten Trier oder Arles, ein Schiff (Dorestad und Quentovic) und der große Amboss mit Hammer für die südfranzösische Bergwerksstadt Melle.

Der nach der rückseitigen Schrift X(=CH)RISTIANA RELIGIO benannte Münztyp zeigt die Darstellung eines Tempels. Dieser Typ wurde leicht abgewandelt auch von Karls Nachfolger, Ludwig dem Frommen (814-840 n. Chr.), übernommen und taucht auch später im karolingischen Oberitalien auf.

Das karolingische Frankenreich und seine Münzen

Die Denare Karls des Kahlen (840-877 n. Chr.) sind kaum von denen Karls des Großen zu unterscheiden, denn er reaktivierte das CAROLUS-Monogramm für seine Prägungen. Einige sind schon mit dem später üblichen DEI GRATIA beschriftet. Unter den sich streitenden Enkeln Karls des Großen begann der allmähliche Verfall des fränkischen Reichs.

Vorderseite eines karolingischen Denars Karl des Kahlen    Rückseite eines karolingischen Denars Karl des Kahlen

Denar Karls d. Kahlen (840-877), Prägestätte Tours

Aufgrund der Immobilisierung der Gepräge und der Namensgleichheit der karolingischen Herrscher (Karl, Ludwig) sind die Münzen häufig nur mit Schwierigkeiten eindeutig zuweisbar. Die meisten karolingischen Münzen wurden im westlichen Frankenreich geprägt und später zum Vorbild der französischen Feudalprägungen.

Die Schwächung des Königtums im Frankenreich führte zur Vergabe der Münzregalien an weltliche und geistliche Herrscher und zur Zersplitterung der Münzprägung. Im Ostfrankenreich sind Prägungen nur nach der Eingliederung des Rheinlands und Lothringens seit 880 n. Chr. bekannt.

Die Vergabe des zuerst gar nicht und dann nur spärlich ausgeübten Münzrechts an das Kloster Corvey (um 833 n. Chr.), später auch an das Bistum Bremen, zeugen von den Bemühungen, ein Münzwesen auf dem Gebiet des erst von den Feldzügen Karl des Großen unterworfenen Sachsens zu schaffen. Jedoch dienten Naturalien und ungemünztes Metall weiterhin als Hauptzahlungsmittel. Im karolingischen Italien wurde die Münzstätte Lucca nach Venedig verlegt.

Die Münzprägungen des Karolingerreichs zeugen noch heute vom bedeutenden Zeitalter des Karolingerreichs, welches enormen Einfluss auf den Verlauf des Frühmittelalters nahm. Dadurch gehören sie zu den begehrtesten Sammlerstücken aus dem Mittelalter.

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