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Reichsstädte

Unmittelbar dem Kaiser und seinen Behörden unterstellte Städte im Römisch-Deutschen Reich, die sich von den geistlichen oder weltlichen Fürsten unabhängig gemacht hatten. Die Reichsstädte standen unter dem Schutz des Kaisers, von dem sie auch besteuert wurden. Die Freiheit von den Landesherren, auf deren Gebiet sie lagen, konnte durch Krieg oder Kauf erworben werden. Wenn die Linie der Landesherren ausstarb, konnte die Stadt auch an den König fallen (sog. Anfall). Anfangs übten königliche Beamte, Burggrafen, Reichsvögte oder Reichsschultheißen die Hoheitsrechte über die Reichsstädte aus. Seit dem 13. Jh. konnten die Reichsstädte aber vermehrt Rechte in ihren eigenen Besitz bringen und selbst ausüben. Das gilt insbesondere für das Zoll- und Münzrecht, manche Städte boten sogar eine Streitmacht auf. Erstmals waren die Reichsstädte 1255 auf einem Reichstag vertreten, seit dem 16. Jh. bildeten sie neben den Kurfürsten und Reichsfürsten ein eigenes Gremium.
Zeitweilig gab es bis zu 83 Reichsstädte, im 17. und 18. Jh. schwankte ihre Zahl in der Regel etwa zwischen 50 und 60. Dazu zählten Aachen, Aalen, Biberach, Dinkelsbühl, Dortmund, Esslingen, Friedberg, Giengen, Goslar, Heilbronn, Kaufbeuren, Kempten, Köln, Lindau, Nordhausen, Nördlingen, Offenburg, Ravensburg, Regensburg, Rothenburg (Tauber), Rottweil, Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Hall, Schweinfurt, Überlingen, Ulm, Weißenburg, Wetzlar, Wimpfen, Worms und auch Augsburg, Bremen, Frankfurt a.M., Hamburg, Lübeck und Nürnberg. Die letzten sechs verblieben nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 als Reichsstädte, die anderen fielen zur Entschädigung für die verlorenen linksrheinischen Gebiete an verschiedene Herrscher (Mediatisierung). Nach dem Wiener Kongress 1815 gehörten Bremen, Hamburg, Lübeck und Frankfurt a.M. als Freie Reichsstädte zum Deutschen Bund, Frankfurt wurde 1866 von Preußen annektiert.