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Warin‚ Jean

Berühmter französischer Stempelschneider und Medailleur flämischer Herkunft, der das Münzwesen Frankreichs neu ordnete. Sein Name taucht auch in der romanisierten Schreibweise "Varin" auf. Nachdem Nicolas Briot die Pariser Münze im Jahr 1625 in Richtung England verlassen hatte, gelang es dem münztechnisch interessierten Warin, das Spindelprägewerk so zu verbessern, dass die französischen Münzer ihren fast ein Jahrhundert dauernden Widerstand gegen die mechanische Prägung aufgaben. So verdrängte die mechanische Prägung endgültig die Hammerprägung, zuerst im Jahr 1640 an der Pariser Münze, sechs Jahre später auch in den Münzstätten der französischen Provinz. Diese Entwicklung ging einher mit der Einführung zweier über die Grenzen Frankreichs hinaus bedeutender Münzen (1640 und 1641), des goldenen Louis d´or und des silbernen Ecu blanc (Louis d´argent). Die Stempel für die neuen Münzen wurden u.a. von Warin geschnitten, auch für den seltenen zehnfachen Louis d´or, der zu den teuersten Münzen Frankreichs zählt. Als "graveur général" blieb Warin bis zu seinem Tod für die Münzprägung Frankreichs verantwortlich. Der Künstler schuf eine Reihe meisterhafter Medaillen, u.a. die berühmte Porträtmedaille von Kardinal Richelieu. Als Lehrer unterrichtete er den jungen König Ludwig XIV. im Fach "Antike Münzkunde" und weckte das Interesse des Kindes an der Münz- und Medaillenkunst, das den absolutistischen Herrscher lebenslang begleitete.

    

1 1/2 Ecu 1642, Stempelschnitt von Jean Warin