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Sedisvakanzmünzen

Sedisvakanzmünzen und -medaillen wurden von bestimmten Verwaltern in der Interrimszeit zwischen dem Tod eines geistlichen Münzherren und der Wahl eines neuen Amtsinhabers geprägt. Im Vatikan wurde die zeitlich begrenzte Prägeberechtigung in der Regel durch die Kardinalkämmerer, in Deutschland durch die Stifts- und Domkapitulare wahrgenommen (siehe auch unter Kapitelmünzen). Sedisvakanzmünzen sind oft an der Beschriftung SEDE VACANTE oder ähnlichen Hinweisen zu erkennen. Sie wurden nur selten aus einem finanziellen Bedürfnis heraus geprägt, sondern stellten für die Prägeberechtigten eine oft willkommene Gelegenheit dar, ihre temporäre Souveränität und Bedeutung auszudrücken. Die Münzen sind deshalb oft besonders dekorativ gestaltet und sorgfältig gearbeitet.
Die bekanntesten Sedisvakanzmünzen sind die des Kirchenstaats bzw. des Vatikans, die von vielen Sammlern weltweit begehrt sind. Bei den deutschen Sedisvakanzmünzen handelte es sich meist um Taler, deren Teilstücke und Vielfache. Ihre Münzbilder zeigen oft Stiftsheilige, andere religiöse Darstellungen, Ansichten von Kirchengebäuden oder Wappen. Wenn Art und Umfang der Prägung von Stiften oder Abteien die Ausgabe von regulären Sedisvakanzmünzen als nicht sinnvoll erscheinen ließen, wurden Schaumünzen und  Medaillen geschlagen (vor allem im 18. Jh.). Mit der Säkularisation geistlicher Güter verloren die letzten Fürstbischöfe im beginnenden 19. Jh. das Münzrecht( Reichsdeputationshauptschluss). Eine der letzten deutschen Sedisvakanzprägungen stellen Taler (Speciestaler, 2/3- und 1/3-Reichstaler) von 1801 des Hochstiftes Münster dar, die auf den Rs.n Karl den Großen mit Schwert und Reichsapfel zeigen. Die vorläufig letzten Sedisvakanzmünzen des Vatikans erschienen 1978, als es - aufgrund der kurzen Amtszeit Papst Johannes Pauls I. (26.8.1978-18.9.1978) - zu zwei Sedisvakanzprägungen durch Kardinal Jean Villot kam: Die 500-Lire-Stücke zeigen auf den Rs.n die Taube des Heiligen Geistes, auf den Vs.n das Wappen des Kardinals und die römische Jahreszahl, die Münzen der Sedisvakanz II sind mit dem Zusatz SEPTEMBER versehen.

Fulda, Taler 1788 auf die Sedisvakanz

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