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Edelmetallfluss

Das in Bergwerken gefundene Gold und Silber und das in Flüssen gewaschene Gold wurde regional und international auf Goldschmieden und Münzstätten verteilt und dort zu Schmuck verarbeitet bzw. zu Münzen verprägt. Die Bergbauunternehmer brachten es meist in Form von Barren in die Handelszentren. Die Kaufleute wählten bei großen Aufträgen häufig auch diesen Weg, bei kleineren Aufträgen wechselten sie ihre Münzen an den jeweiligen Münzstätten. Denn sie mussten seit dem Spätmittelalter meist in der Währung des Ortes zahlen, an dem sie auch ihren Handel tätigten. So erhielten die Münzstätten ihren Rohstoff auch in Form von Münzen. Die deutschen Kaufleute brachten ihr Silber aus Böhmen und dem Alpenraum vor allem nach Norditalien und in die Champagne, um dort Waren aus der Levante einzukaufen. Die Hansestädte führten das Edelmetall aus dem silberreichen Sachsen (Freiberger Silber) in den Ostseehandel und vorwiegend auf die Messen in die Champagne. Dort verkauften Kaufleute aus Venedig und Genua Gewürze, die über den Levantehandel aus Asien kamen, teurer als die flämischen Tuche, die sie einkauften. Den Silberüberschuss aus diesem Handel führten sie ihrerseits wieder an die Handelsstädte im östlichen und afrikanischen Mittelmeerraum ab (Levantehandel), um so wieder Gewürze, Zucker und Baumwolle einzukaufen. Aus den gleichen Gründen floss Gold von den Oberläufen des Niger und des Senegal in die afrikanischen Handelsstädte und von dort weiter in die norditalienischen Städte, die deshalb schon früh eine regelmäßige Goldmünzenprägung aufnehmen konnten( Floren ( Genovino, Zecchino). 
Gegen Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit waren auch die Holz- und Getreidelieferungen aus Preußen und die Wachs- und Pelzlieferungen aus Russland und Livland teurer als die Fisch-, Salz- und Fertigwarenlieferungen aus dem Westen. So floss sowohl in den Ostseeraum als auch in die Levante Silber ab - eine Edelmetallknappheit in Westeuropa im 14. Jh. war die Folge. Erst mit der Erschließung neuer Silbervorkommen in Spanisch-Amerika und der Expansion des Handels nach Übersee floss ein Großteil des Silbers vom amerikanischen Kontinent über Spanien nach Europa und übertraf das Defizit im Levante- und Ostseehandel. So konnte sich Westeuropa allmählich von der Edelmetallknappheit erholen.
Mit der Aufnahme des Ostasienhandels durch die niederländische und englische Ostindienkompanie ging im 17./18. Jh. ein Großteil der Edelmetalle in den Fernen Osten, um den wachsenden Tee- und Kaffeekonsum zu finanzieren. Dies gelang mit Hilfe des brasilianischen Goldes, das über Portugal nach Europa hereinkam. Die Verbilligung des Goldes im 19. Jh. wurde durch die Funde in Kalifornien und Australien ausgelöst. Gegen Ende des Jh.s verfiel auch der Silberpreis. Dabei machten sich die Edelmetallhändler die schnellen Veränderungen der Gold-Silber-Relation zunutze, indem sie Gold oder Silber in die Länder einführten, die aufgrund ihrer Doppelwährung eine feste Gold-Silber-Relation besaßen (Lateinische Münzunion) und deshalb nicht schnell genug auf die Marktentwicklungen reagieren konnten. Durch die Entstehung des internationalen Bankensystems wurden dann die Ungleichgewichte der Zahlungsbilanzen nicht mehr durch Edelmetalle, sondern mit Hilfe von Devisenvorräten bzw. Forderungen auf ausländische Guthaben ausgeglichen.