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Steingeld

Vormünzliches Zahlungsmittel aus Stein, das in verschiedenen Teilen der Erde vorkam. In vorkolonialer Zeit gab es in Togo und Teilen Ghanas flache, rundliche und in der Mitte mit einem Zentralloch versehene Quarzscheibchen im Durchmesser von 3 bis 10 cm, die als Steingeld angesehen werden. Sie wurden von Sammlern Togosteine, von den Einheimischen Sokpé (Donnersteine) genannt, weil sie vom Himmel gefallen sein sollen. Sie sollen als Zahlungsmittel sowie für magische und rituelle Zwecke Verwendung gefunden haben. Bei den Sudanvölkern sind zum Steingeld gehörige Halbedelsteine aus Karneol und Achaten als Handels- und Tauschmittel verwendet worden. Sie wurden oft in Idar-Oberstein geschliffen und von arabischen und indischen Händlern in Afrika eingeführt. Bei dem noch Anfang des 20. Jh.s steinzeitlich lebenden Papua-Volk der Dani im Hochland Westneuguineas wurden länglich-ovale Je-Steine als Zeremonialgeld benutzt. Im Bereich der Südküste von Neubritannien (Melanesien) wurde aus braunem Hartstein das diskusförmige sog. Mok-Mok geschliffen (Durchmesser 5-11 cm), das heute sehr selten ist. 
Das bekannteste und kurioseste Steingeld findet sich auf den Inseln von Yap, im westlichen Bereich der Karolineninseln (Mikronesien) gelegen und zwischen 1894 und 1914 deutsches Schutzgebiet. Das von den Yap-Insulanern selbst Fä (Fei) oder Rai genannte Geld besteht aus gelblich-weißem Aragonit, der auf den Inseln selbst nicht vorkommt, sondern erst in Steinbrüchen auf den Palau-Inseln unter Mühen gebrochen, bearbeitet und 400 km über die offene See transportiert werden musste. Die Steingeld-Expeditionen wurden im Auftrag eines gesamten Dorfes ausgeführt, den größten Anteil an Geldsteinen erhielt das Dorfoberhaupt. Das Steingeld hatte großen Einfluss auf das Sozialprestige von Einzelpersonen oder das Ansehen von Sippen und Dörfern. Die Prachtstücke sind bis heute vor den Häusern von Einzelpersonen und Gemeinschaftshäusern ausgestellt. 
Die Steine konnten im Gewicht zwischen 50 g und 3000 kg schwanken und wurden mit Kanus und Flößen transportiert, eine große seefahrerische Leistung, die bei Sturm mit Lebensgefahr und Verlust der Geldsteine verbunden war. Die Geldsteine haben in der Regel die Form einer runden Scheibe mit einem Loch in der Mitte, das wohl auch zum Tragen und Rollen monströser Stücke diente. Ihr Durchmesser reichte von Handtellergröße bis zu Geldsteinen von 4 m Durchmesser, deshalb von Europäern auch als Mühlsteingeld bezeichnet. Da es nur von Männern als Geld benutzt werden konnte, wurde es auch Männergeld genannt. Neben der Größe war auch die Farbe und die Verarbeitung der Steinscheiben für den Wert entscheidend. Dünne Steine mit feiner kristalliner Körnung und Steine mit milchweißer oder schokoladenbrauner Färbung waren besonders beliebt. Die größten Geldsteine sind jüngeren Datums und wurden von europäischen und amerikanischen Dampfern transportiert. Die massenhafte Einfuhr der Geldsteine von europäischen und amerikanischen Händlern führte gegen Ende des 19. Jh.s zu einer Inflation, die den Zusammenbruch der Fä-Währung einleitete. Bis zum 1. Weltkrieg wurde das steinerne Zahlungsmittel noch einigermaßen vielseitig verwendet, heute besitzt es nur noch zur Bezahlung von Strafen (bei Vergehen) einen gewissen Geldcharakter. Die Yap-Insulaner sind nicht zu Unrecht sehr stolz auf ihr traditionelles Steingeld, seine Ausfuhr ist praktisch verboten.

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