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Hoffaktor

Bezeichnung für den Leiter einer Faktorei, der im Auftrag des Fürsten die Geschäfte des Hauses leitete. Der Hoffaktor handelte mit Waren und Geld des Fürsten. Er war für den Bedarf des Hofs an Lebensmitteln, Luxusgütern, Kleidung u.a. zuständig und hatte deren Finanzierung sicherzustellen. Das Aufgabengebiet eines Hoffaktors konnte auf ein Tätigkeitsfeld beschränkt sein, wie im Titel eines Milizfaktors, Kriegsfaktors oder Kammeragenten ausgedrückt, oder sich auf das gesamte Finanzwesen (auch mehrerer Herren) ausdehnen, einschließlich des Münzwesens. Sein vertragliches Dienstverhältnis zum fürstlichen Auftraggeber konnte auch beinhalten, mehrere Aufträge zu bündeln und somit gleichzeitig für mehrere Auftraggeber tätig zu werden. Bei den Hoffaktoren handelte es sich in der Regel um Juden, deren geschäftliche Beziehungen auf engen Zusammenhalt von Familien oder Sippen beruhten. Die Juden hatten nicht die gleichen Rechte wie die Christen, sie waren z.B. von der Verpachtung der Münzstätten ausgeschlossen. Die Rohstofflieferverträge für die landesherrlichen Münzstätten machten einen erheblichen Teil des Geschäfts eines Hoffaktors aus und verschleierten die reichsrechtlich verbotene Verpachtung der Münzstätten an sog. "Münzjuden". Ein von gegenseitiger Abhängigkeit geprägtes Vertrauensverhältnis zwischen Fürst und Hoffaktor erlaubte - neben einer verstärkten Schutzaufnahme des sog. "Hofjuden" - auch Privilegien, wie das Recht zum Synagogenbau oder zur Anlage eines Friedhofs. Der jüdische Hoffaktor war immer auch ein Vorreiter der jüdischen Emanzipation, denn mit seiner Stellung war er meist der oberste Jude und hatte Einfluss auf die Einbeziehung der Juden in den landesherrlichen Schutz. Als Hoffaktor hatte er aber auch die Pflicht, den Judenzoll zu erheben oder die Judenschutzgelder und Judensteuer einzunehmen. Seine herausgehobene Stellung erschien deshalb den Glaubensgenossen und auch den Christen nicht unproblematisch. Da die Eigenkapitaldecke vieler Hoffaktoren oft bei weitem nicht ausreichte, mussten Einlagen christlicher Geldgeber mit hohen Zinsspannen angenommen werden, die an die Gläubiger weitergegeben werden mussten. Daraus resultierten dann Wuchervorwürfe an die Juden, die mit den geringen Sicherheiten begründet wurden, wie sie in den geringen Auszahlungsquoten bei Wechselgeschäften deutlich wurden. Zudem stand die Funktion der Hoffaktoren im Zusammenhang mit der zentralistischen und absolutistischen Verwaltung der deutschen Territorien und darum auch in einem brisanten Spannungsverhältnis zwischen ständischer Verfassung des Landes und Absolutheitsanspruch des Fürsten.
Juden sind schon im 12. Jh. in fürstlichen Finanzverwaltungen des Römisch-Deutschen Reichs nachweisbar. Als erster jüdischer Hoffaktor gilt Salomon oder Salmon, der 1315 als Hof- und Küchenmeister von Herzog Heinrich VI. in Breslau bezeugt ist. Bis zur Jahrhundertwende diente Samuel von Derenburg unter vier Kirchenfürsten in Magdeburg. Burggraf Friedrich VI. von Hohenzollern (1404-1440) beschäftigte den Juden Joseph. Kurfürst Joachim II. (1535-1571) ernannte den obersten märkischen Juden, den aus einer Prager Judenfamilie stammenden Lippold, 1556 zum Münzmeister. Er gilt als erster Hoffaktor im umfassenden Sinne; zu seinen Aufgabe gehörte die Beschaffung des Münzmetalls und die Betreuung des Schlagschatzes. Als mit dem Tod des Herzogs dessen Schutz wegfiel, wurde Lippold angeklagt, zum Tode verurteilt, gevierteilt und verbrannt. Berühmt wurde der Oberhoffaktor Samuel Oppenheimer, der die Befreiung Wiens finanzierte und zum Geldbeschaffer der Habsburger wurde. Nach der Vertreibung der Juden aus Wien 1670 gelang Oppenheimer eindrucksvoll der Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde. In dem "Edikt wegen aufgenommenen 50 Familien Schutz-Juden" erteilte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg am 21. Mai 1671 die Aufenthaltserlaubnis für 50 aus Wien vertriebene jüdische Familien in Brandenburg. Zwar wurden sie beim Grenzübertritt vom Judenzoll befreit, bekamen aber die Zahlung jährlicher Schutzgelder auferlegt. Sie durften für die nächsten 20 Jahre mit Wolle, Tüchern und Konfektionswaren handeln, jedoch nicht mit Geld (Wuchergeschäfte). Ihre Religion durften sie privat ausüben, nicht aber Gottesdienste in einer Synagoge abhalten. Unter dem aufklärerisch wirkenden preußischen Monarchen Friedrich der Große (1740-1786) arbeiteten mit Herz Moses Gomperz, Itzig, Isaak und Ephraim vier "Münzjuden" am Hof des Königs. Nach der Eröffnung der neuen Berliner Münze 1751 gewannen Verträge mit jüdischen Münzern ein großes Gewicht. Die Erteilung der Generalprivilegien mit den Rechten der christlichen Kaufmannschaft im Jahr 1763 durch Friedrich den Großen an die Hoffaktoren gilt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Emanzipation der Juden. Die Institution der Hoffaktoren wurde in Preußen bis zur Besetzung durch Napoleon beibehalten, die Zahl der Hoffaktoren erhöhte sich nach dem Wiener Kongress sogar noch.
Im Januar 1772 stellte Landgraf Friedrich II. (1760-1785) gegen Bezahlung von zunächst 450.000 Talern Großbritannien ein hessisches Söldnerheer zur Verfügung, das den britischen Truppen bei der Niederschlagung des amerikanischen Aufstands dienen sollte. Schon sein Vorgänger, Landgraf Wilhelm VIII. (1751-1760), kassierte für jeden toten hessischen Söldner 30 Kronen, für jeden Verwundeten immerhin 10. Es war der 1792 zum Oberhof- und Kammeragenten von Hessen-Kassel ernannte Feidel David, der seit 1756 für die Landgrafen den Soldatenhandel vermittelte. Sein Konkurrent war Meyer Amschel Rothschild, der die Gelder des Hessen-Kasseler Landgrafen so gewinnbringend anlegte, dass er zu den reichsten deutschen Fürsten zählte. Die Vermittlungsgelder der britischen Anleihe und die Gewinne aus Geschäftsverbindungen nach Frankfurt, Wien und London befähigten Meyer Amschel 1810 zur Gründung des Stammhauses "Rothschild & Söhne", das zum Ausgangspunkt des Hauses Rothschild, des reichsten Privatbankhauses Europas, wurde.

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