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Goldautomatismus

Begriff der ökonomischen Theorie (Ricardo, Hume) für einen selbstständigen Ausgleichsmechanismus für die Zahlungsbilanz beim Handels- und Kapitalverkehr zwischen Ländern mit Goldwährung. Demnach sind die Wechselkurse bei Goldwährung nur innerhalb der beiden Goldpunkte flexibel. Sobald der Kurs einer Währung im Vergleich zur Währung eines anderen Landes über die mit der Goldversendung verbundenen Kosten hinaus anstieg, floss Gold aus dem Land der schwächeren Währung in das der stärkeren. Der Goldabfluss und die damit verbundene Verringerung der Reserven führte zu eingeschränktem Notenumlauf, zum Anstieg der Zinsen und schließlich zu Preissenkungen und besseren Exportbedingungen des einen Landes. Im anderen Land führte das zum umgekehrten Vorgang: Ausweitung des Notenumlaufs, Senkung der Zinsen, Preisanstieg und Drosselung des Exports. Wenn dieser Punkt erreicht war, kehrte sich der Vorgang um: Das Gold floss in das Land mit den höheren Zinsen und der größeren Goldnachfrage, die Waren in die entgegengesetzte Richtung. Damit wurden die ungleichen Zahlungsbilanzen ausgeglichen, der Wechselkurs stabilisiert.
In der Praxis funktionierte der Goldautomatismus nur bedingt, wohl, weil sich die Banken nicht an die Spielregeln hielten. Weder verknappten noch erweiterten sie die Notenemission im Bedarfsfall noch floss ausreichend Gold von einem Land in das andere und umgekehrt. Die internationalen Banken rechneten ihre Forderungen gegenseitig auf und hielten den Goldfluss durch Ansammeln von Devisenreserven und Forderungen auf ausländische Guthaben möglichst gering. Das ganze System (Goldstandard) funktionierte nur so lange leidlich, wie das Vertrauen in die Konvertibilität Geld gegen Gold gegeben war (in Friedenszeiten). Mit dem allgemeinen Run auf Gold im Jahr 1914, der die Goldreserven weit überschritt, konnten die Forderungen auf ausländische Guthaben nicht mehr realisiert werden. Das ohnehin nur bedingt funktionierende System brach endgültig zusammen.