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Erzämter

Ursprünglich Ämter, die bestimmten Persönlichkeiten am Hof des karolingischen, fränkischen und ottonischen Königs übertragen wurden. Die Ämter wurden erblich und die Inhaber der höchsten Ämter zu Electoren bzw. Kurfürsten. Durch die Goldene Bulle aus dem Jahre 1356 wurden die Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz sowie die vier weltlichen Kurfürsten mit den erblichen Erzämtern versehen: Der Erzbischof von Trier war Erzkanzler für Gallien und Burgund, der Kölner für Italien und der Mainzer für Deutschland. Der König von Böhmen war Erzmundschenk (mit dem Doppelstauf als Abzeichen), der Pfalzgraf bei Rhein Erztruchsess (goldener Reichsapfel), der Herzog von Sachsen Erzmarschall (zwei gekreuzte Schwerter), der Markgraf von Brandenburg Erzkämmerer (goldenes Reichszepter).
Aufgrund der Parteinahme für die Protestanten verlor die Pfalz 1622 ihre Kurwürde an den Herzog von Bayern. Durch den Westfälischen Frieden 1648 bekam der Pfalzgraf mit dem neu geschaffenen Amt des Erzschatzmeisters (goldene Reichskrone) die Kurwürde zurück. 1692 wurde dem Herzog von Braunschweig-Lüneburg (Linie Calenberg-Hannover) die Kurwürde verliehen. Er sollte das Erzbanner als Abzeichen bekommen, jedoch protestierte der Herzog von Württemberg. Mit der Rückgabe des Titels Erztruchsess an die Pfalz erhielt Hannover das freigewordene Amt des Erzschatzmeisters. Das Amt des Erzbannerträgers (Reichsturmfahne mit schwarzem Adler) wurde erst mit der Verleihung der Kurfürstenwürde an Württemberg (1803) vergeben.
Neben dem Kurhut traten die oben genannten Titel auch auf den Münzen der betreffenden Kurfürsten auf.