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Erhaltungsgrad

Die Erhaltung einer Münze ist ein wichtiges Merkmal zur Bestimmung ihres Wertes (neben der Seltenheit der Münze und den Markteinflüssen auf das entsprechende Sammelgebiet). Zur Messung des Erhaltungsgrads hat sich für den Münzhandel und die Münzsammler im Laufe der Zeit ein einheitliches System von Qualitätsstufen herausgebildet, deren Einteilung in der Numismatik international anerkannt ist. Lediglich in den besseren Erhaltungsgraden kommen geringfügige Abweichungen, gelegentlich auch Zwischenstufen, vor, die sich durch Ausführung, Verpackung und Transport der Prägestücke erklären.

1. Die Polierte Platte (PP) ist streng genommen kein Erhaltungsgrad, sondern ein aufwendiges modernes Prägeverfahren, das speziell für moderne Münzen zu Sammelzwecken angewendet wird. PP-Münzen zeichnen sich durch feinstmattierte Reliefs aus und stellen die höchste Qualitätsstufe der modernen Prägung dar. Für die Prägung verwendet man makellose Münzplättchen, die ebenso wie die Stempel poliert werden. Zur Aufrechterhaltung des hohen Qualitätsstandards müssen die Prägewerkzeuge bei Bedarf nachpoliert und nach kurzer Zeit ausgetauscht werden. Die Münzen werden einzeln in die Prägemaschine gelegt, von Hand entnommen und einzeln verpackt. Die gleiche Qualitätsstufe erreichen die mit proof-like (PL) oder "Spiegelglanz" bezeichneten Stücke, die in ihrer Wirkung der „Polierten Platte“ entsprechen. Für sie gelten ähnliche Kriterien. Der Begriff „Spiegelglanz“ ist nicht eindeutig definiert: Manche benutzen diesen Ausdruck, wenn die Stempel poliert sind, die Plättchen (Ronden) aber unpoliert bleiben. Manchmal bedeutet Spiegelglanz auch, dass die Arbeitsgänge automatisiert sind, die bei „Polierter Platte“ von Hand ausgeführt werden. Die polierten Flächen reagieren in der Regel empfindlicher auf Angriffe von außen (Stöße, Schwefel in der Luft, Plastik oder Unterlegstoffe). Wenn sie nicht mit äußerster Vorsicht behandelt werden, so entsteht leicht die bei vielen Sammlern unbeliebte Erhaltung „aus PP“ oder „PL berieben“. Vorbeugend empfiehlt sich, die Sammelstücke in Folie eingeschweißt oder in Kapseln aufzubewahren, denn schon kleinste Oxidationsspuren, wie sie schon beim „Ansprechen der Münze“ verursacht werden können, mindern den Wert erheblich.

Eine Besonderheit sind Erstabschläge, die ersten hundert (je nach Härte des Stempels auch mehr) von einem neuen Stempelpaar geprägten Stücke. Sie sind maschinell hergestellt, glänzen gleichmäßig, spiegeln aber nicht, denn weder Stempel noch Schrötlinge sind poliert. Diese Münzen sollten in Kapseln aufbewahrt werden, denn sie müssen vollkommen einwandfrei sein, um keinen Wertverlust zu erfahren.

2. Stempelglanz (st) ist ein Erhaltungsgrad von Münzen, die ungebraucht und ohne sichtbare Beschädigungen sind, d.h. keine Kratzer und Randschäden aufweisen. Bei der Herstellung wird auf die Polierung der Stempel und Plättchen verzichtet, sie werden einzeln der Maschine entnommen und verpackt. Zur Erhaltung ihres Metallglanzes sollten sie ebenfalls in Kapseln aufbewahrt werden.

Heute werden häufig auch Bezeichnungen wie prägefrisch (pfr), stempelfrisch (stfr), bankfrisch (bfr) oder unzirkuliert (unc) verwendet, die nicht zu den klassischen Qualitätsstufen zählen. Darunter versteht man stempelglänzende Münzen mit geringfügigen Beschädigungen, die durch die automatisierte Herstellung und Verpackung oder durch den Transport verursacht wurden; sie entstehen zum Beispiel durch das Fallen in Kästen, das Verpacken und/oder das Transportieren in Säcken. Seit 1973 wurden die Gedenkmünzen der Bundesrepublik Deutschland zum ersten Mal in Rollen verpackt und rutschfest an die Banken transportiert, wodurch die Transportschäden erheblich reduziert werden konnten. Im Gegensatz dazu versteht man unter handgehobenen Stücken (hdg) Automatenprägungen, die von Hand dem Prägestock entnommen werden. Auch diese Stücke sollten in Münzkapseln aufbewahrt werden.

3. Vorzüglich (vz) erhaltene Münzen waren nur kurz im Umlauf, daher kann der Prägeglanz verschwunden sein. Sie dürfen nur leichte Beschädigungen oder Kratzer aufweisen, das Relief muss aber einwandfrei sein. Das Münzbild soll auch die Einzelheiten zeigen, speziell bei Wappen und Haaren. Auch in diesem Erhaltungsgrad empfiehlt sich eine Aufbewahrung in Münzkapseln. Es ist praktisch der beste Zustand, in dem antike und mittelalterliche Münzen im Handel noch vorkommen. Bei antiken Bronzen haben die volle Rundheit und Gleichmäßigkeit des Schrötlings und die Zentrierung der Prägung keinen Einfluss auf den Erhaltungsgrad, wohl aber auf den Preis. Eine schöne, gleichmäßige Patina kann zur höheren Bewertung einer antiken Bronze führen.

4. Sehr schön (ss) bezeichnet einen Erhaltungsgrad, der deutliche Spuren schon länger im Umlauf befindlicher Münzen zeigt. Auch kleinere Kratzer, Randbeschädigungen und geringfügige Abflachungen des Reliefs müssen hingenommen werden. Trotzdem sollte das Münzbild Einzelheiten zeigen, wenn auch nicht mehr in aller Deutlichkeit. Bei antiken Münzen sollten die Konturen insgesamt noch deutlich sein, wenn sie sich auch nicht mehr detailliert abzeichnen.

5. Schön (s) bezeichnet schon deutliche Abnutzungserscheinungen der Münze durch die lange Zirkulation. Die Einzelheiten der bildlichen Darstellungen sind nicht mehr voll zu erkennen, das Gesamtmotiv muss aber klar erkennbar bleiben. Randschäden und Kratzer gehören zum üblichen Erscheinungsbild. Die Schrift sollte noch lesbar sein, bei antiken Münzen sollten die Legenden mindestens zu 50% noch lesbar sein. Für die meisten antiken Münzen aus unedlen Metallen stellt „schön“ den durchschnittlichen Erhaltungsgrad dar. Für Münzen des 20. Jh.s ist diese Erhaltungsstufe schon nicht mehr sammelwürdig.

6. Der Erhaltungsgrad sehr gut (sg), ist inzwischen abgeschafft und durch gering erhalten (ge) ersetzt. Moderne Münzen in dieser Erhaltung sind allgemein nicht mehr sammelwürdig. Es handelt sich um stärker abgenutzte Münzen mit deutlichen Beschädigungen. Bei antiken und mittelalterlichen Münzen müssen auch tiefere Kratzer, Randschäden und Einschläge akzeptiert werden. Die Schrift ist nicht mehr voll lesbar, die Erkennbarkeit sollte, wenn auch mit Mühe, noch gewährleistet sein. Sie sind manchmal nur noch von Experten bestimmbar und sollten nur in eine Sammlung eingehen, wenn es sich um absolute Raritäten handelt.

Beschädigungen, die nicht dem Erhaltungsgrad entsprechen, müssen zusätzlich angeführt werden, z.B. „berieben“, „gestopftes Loch“, „gelocht“, „Stempelsprung“, „Henkelspur“ oder „vergoldet“.

Natürlich werden die Erhaltungsgrade subjektiv interpretiert und führen bei mehr oder weniger strenger Auslegung zu verschiedenen Einstufungen. Bei historischen Münzen bis zum 19. Jh. erfolgt keine so strenge Auslegung wie bei zeitlich jüngeren Stücken, weil allein schon die Prägewerkzeuge und die Prägetechnik keine so scharfen und exakten Prägungen zuließen, wie sie heute möglich sind. Der gestiegene Anspruch der Sammler in den letzten Jahren führte zu einem starken Preisanstieg der Stücke in besseren Erhaltungsgraden.

Bezeichnung der Erhaltungsgrade in verschiedenen Sprachen:

Deutsch Englisch Französisch Italienisch Niederländisch Spanisch
Polierte Platte Proof Flan bruni fondo specchio Gepolijste stempel placa pulimentada
Stempelglanz (BU) brillant uncirculated  FDC 
(Fleur de coin)
FDC 
fior di conio
FDC FDC
flor di cuño
vorzüglich extremely fine (EF) superbe (SUP) splendido Prachtig Extraordinariamente bien conservado (EBC)
sehr schön very fine 
(VF)
très beau 
(TB)
bellissimo
(BB)
zeer fraai Muy bien conservado (MBC)
schön fine (F) beau (B) molto bello (MB) Fraai Bien conservado (BC)
gering erh. (ge) bzw.
sehr gut (sg)
very good très bien conservé (TBC) bello (B) zeer good Regular conservada
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