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Wilder Mann

Sagengestalt des Harzes, ein furchterregender Riese, behaart und fast nackt, nur mit einem Eichenkranz als Lendenschurz bekleidet, der in der Hand einen ausgerissenen Baum trägt. Ähnliche Sagengestalten (Faune und Silvane) kommen in allen Teilen der Welt vor, z.B. der „einäugige Zyklop“ der antiken griechischen Sagen oder Rübezahl im Riesengebirge. Im Harz begann der Bergbau zwar schon in ottonischer Zeit im 10. Jh. v. Chr., aber nach der Pest im 14. Jh. verödete das Gebiet. Als man um 1529 den Harzer Bergbau wieder begann, wurden aus dem Erzgebirge viele Bergleute angeworben, die in den Harz umsiedelten und dort die Bergbausiedlung „Wildemann“ gründeten. Bereits in den frühen 30er Jahren gab es eine Grube „Wildermann“ und einen Stollen „Wilder Mann“ und bald darauf auch eine Grube „Wilde Frau“. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die angeworbenen Bergleute die Sagengestalt mitbrachten, denn im Erzgebirge ist schon im 15. Jh. eine Grube „Wilder Mann“ in Freiberg bekannt, in Schneeberg die Gruben „Wilder Mann“ und „Wilde Frau“. Bergchroniken aus den meißnerischen Landen berichten davon, dass bereits in ottonischer Zeit Bleie und Erze vom „Wilden Mann“ kommen. Für die Welfenfürsten war der Wilde Mann das Symbol des Harzes, das sie für über zwei Jahrhunderte auf ihren Münzen darstellen ließen.