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Stempelstellung

Die Stellung der Stempel zueinander war bis zum 18. Jh. zufällig und nicht festgelegt, in manchen Staaten wurden die Münzen sowohl in Kehr- wie auch in Wendeprägung gemünzt. Seit dem 18. Jh. ist die Stellung der Stempel zwar festgelegt, aber der Gebrauch der "unglücklich gewählten" Ausdrücke Kehr- und Wendeprägung ist nicht einheitlich. Jäger definiert die Kehr- oder Kehrtprägung so, dass "oben" auf beiden Seiten der Münze an der gleichen Stelle ist, d.h. sie haben bei einer seitlichen Drehung der Münze die gleiche senkrechte Stellung. Das ist die Regel bei deutschen (und auch österreichischen, jugoslawischen und bulgarischen) Münzen, deshalb auch "deutsche Prägung" genannt. Bei französischen (unter anderem italienischen, schweizerischen und türkischen) Münzen sind die Stempel dagegen um 180° verdreht oder gegeneinander versetzt, d.h. die Münzbilder stehen senkrecht, wenn man die Münze nach oben oder unten verdreht. Diese Stellung der Seiten wird Wendeprägung oder "französische Prägung" genannt. 
Diese Anwendung der Begriffe Kehr- und Wendeprägung ist nicht unumstritten. Denn im Sprachgebrauch verhält es sich eher so, dass man eine Münze seitlich wendet (wie man die Seite eines Buchs wendet und nicht kehrt), wohl aber um 180° kehrt. Deshalb werden die Begriffe von Numismatikern und Sammlern oftmals genau umgekehrt verwendet. Die Versuche, obige Definition mit dem Sprachgebrauch in Übereinstimmung zu bringen (mit Ausdrücken wie "Kehrtwendung" oder "von oben nach unten umwenden") scheinen bisher auch nicht zur endgültigen Klärung der Diskussion beigetragen zu haben. Eine endgültige Entscheidung über die Anwendung der Begriffe ist den Numismatikern und Münzfreunden selbst überlassen. Früher oder später wird sich wohl eine einheitliche Verwendung der Ausdrücke durchsetzen.
Durch falsches Einsetzen, unrichtiges Ausrichten oder Verrutschen der Münzen kommen häufig auch Exemplare vor, die nicht nach dieser Regel geprägt sind, z.B. deutsche Münzen mit "französischer Prägung". Es gibt auch Münzen, die nicht mit einer Stempeldrehung von 0 oder 180° geprägt wurden, sondern z.B. mit einer Stempeldrehung von 50°. Außergewöhnliche Stempeldrehungen sind in Preislisten oder Auktionskatalogen häufig vermerkt. Da solche Fehler bei Massenprägungen immer wieder vorkommen, rechtfertigen sie nicht die häufig geforderten hohen Preise.