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Schraubtaler

Halbierte, ausgedrehte und mit einem Schraubgewinde versehene Taler, die in ihrem Hohlraum Bilder aufnehmen können. Schraubtaler wurden zwischen dem ausgehenden 16. und dem 19. Jh. vorwiegend in Süddeutschland (vor allem in Augsburg) gefertigt. Sie wurden auf zwei verschiedene Arten aus einem oder aus zwei Talern hergestellt. Bei der frühesten Machart wurden aus zwei Talern die Rückseiten und der Großteil des Münzmaterials herausgedreht, ohne den Rand zu verletzen. Es entstanden zwei flache Schalen mit Münzrändern, an deren Innen- bzw. Außenseite Gewinde eingeschnitten wurden, so dass die beiden ausgedrehten Taler miteinander verschraubt werden konnten. Die Innenseiten wurden oft mit Miniaturmalereien versehen, meist mit Porträts, gelegentlich auch mit eingelegten einzelnen Bildern. Bei der anderen Machart zersägte man einen Taler in Vorder- und Rückseite und lötete zwischen beide Seiten ein verschraubbares Zwischenstück. Die Schraubtaler waren im 17. und 18. Jh. so beliebt, dass man schließlich darauf verfiel, die Stücke speziell als Schraubmedaillen herzustellen, ohne bereits vorhandene Talermünzen oder Medaillen zu bearbeiten. Diese Typen enthalten oft ganze Serien von Bildern, meist auf Papier, manchmal auch auf Marienglas gemalt, auch Gravuren und geschriebene Texte kommen vor; selten sind feine, in Öl gemalte Miniaturbildnisse. Bedeutendster Hersteller der Schraubtaler war im 18. Jh. der Augsburger Silbertreiber Abraham Remshart. Im 19. Jh. wurden manchmal Bilder fototechnisch auf die polierten Innenseiten der Schraubtaler oder -medaillen geätzt. Es handelt sich oftmals um Bildergeschichten, die sich inhaltlich auf private, modische, religiöse oder politische Themen beziehen. In Kriegszeiten sollen die Münzkapseln auch zum Transport von Geheimbotschaften gedient haben. Schöne alte Schraubtaler und -medaillen sind heute als Kuriosa beliebte Sammelobjekte und erzielen beachtliche Preise.

    

    

Schraubtaler mit im Deckel eingeklebtem Bild undGlimmerblättchen-Einlage