Münzmetalle

Das älteste uns bekannte Münzmetall ist das Elektron. Es besteht aus einer in der Natur vorkommenden Mischung aus Gold und Silber. Seine Hauptfundorte waren Spanien und das Reich der Lyder im Westen der Türkei. Bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. verwendeten die Lyder Elektron zur Herstellung von Schmuck. Unter König Kroisos (561-546 v. Chr.) gelang es ihnen erstmals, das Elektron vom Silber zu scheiden und Goldmünzen zu prägen. Diese nennt man Stater.

Bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. bevorzugten die Griechen Elektron als Münzmetall. Sein Goldanteil liegt zwischen 30 und 35%. Auch heute taucht gelegentlich der Begriff Elektron bei der Münzherstellung auf. Allerdings handelt es sich hier um eine Legierung, deren Bestandteile Aluminium und Magnesium sind. Fachlich richtig wird dieses Münzmetall nicht als Elektron, sondern mit der Abkürzung Al-Mg bezeichnet.

Die Römer übernahmen von den Griechen noch eine weitere Münzlegierung - Bronze, eine Mischung aus Kupfer und Zinn. Wegen ihrer Wertigkeit und der leichteren Verarbeitung waren jedoch die reinen Metalle Gold und Silber die beliebtesten Materialien. Mit zunehmendem Wertverlust des Geldes führte Kaiser Caracalla (198-217 n. Chr.) im Jahr 214 n. Chr. ein neues Münzmaterial ein: Billon, eine Silberlegierung mit hohem Kupfer-, Zinn- oder Zinkgehalt. Sein Silberanteil war dementsprechend gering. Die aus diesem Material hergestellten Münzen (ursprünglich als Doppeldenare mit dem 11/2-fachen Wert eines Denar ausgelegt) bezeichnet man in Anlehnung an den Kaiser Marcus Aurelius Antoninus als Antoninian. Der Feinsilbergehalt dieses Münztyps sank sehr schnell herab, so dass Mitte des 2. Jahrhunderts schließlich nur noch eine Kupfermünze mit einem dünnen Silberüberzug übrig blieb.

Während des Übergangs von der Spätantike zum Mittelalter wurden ins besondere in Byzanz zur Münzherstellung überwiegend Kupfer und Gold zur Münzherstellung verwendet. Als Nominale prägte man Kupfer-Follis und Gold-Solidi.

In der Münzprägung des europäischen Mittelalters dominierte das Silber. Man bezeichnete diese Silberstücke mit dem bereits aus der Antike bekannten Begriff „Denar“. Im Gegensatz zum römischen Denar gab es allerdings keine Norm für Form und Gewicht. Mit Beginn der Neuzeit folgten dem Denar größere Münztypen wie Taler und Silbergulden. Alle Münzen hatten jedoch eines gemein: Ihr Wert entsprach immer der Menge des Silbers, das zur Herstellung verwendet wurde.

Im 16. Jahrhundert begann die Prägung von Scheidemünzen. Hohe Nominale wie Taler und Gulden konnten die Wertdifferenz im alltäglichen Geldverkehr nicht ausgleichen. Die Herstellung von Kleinmünzen, bei denen der Material wert gleich Nominalwert war, wäre zu kostspielig gewesen. Darum veränderte man das Münzmetall und experimentierte mit geringhaltigen Silberlegierungen, später prägte man Kleinnominale aus reinem Kupfer. Bei den Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhunderts war der Münzfuß für die auszuprägenden Scheidemünzen zu hoch angesetzt. Deshalb prägten viele Münzstände entweder gar keine Scheidemünzen oder gaben unter Missachtung der geltenden Reichsmünzordnung nur Münzen mit geringem Silbergehalt aus. Diese Entwicklung führte zu den schlechten Münzen der Kipper- und Wipperzeit. Auf deren Höhepunkt erschienen ausschließlich noch Kupfermünzen. Der Wert der Kippermünzen fiel stetig, und es kam zu einer Münzkrise im ganzen Reich.

Nach und nach wurden auch diese „schlechten“ Münzen akzeptiert. Seit dem 18. Jahrhundert kennzeichnete man die entsprechenden Münzen des Römisch-Deutschen Reichs durch die Aufschrift „Scheidemünz“. Heute existieren im Zahlungsverkehr fast ausschließlich Scheidemünzen. Reine Gold- und Silbermünzen werden nur im Bereich der Gedenkprägungen und Sammlermünzen verwendet. Die Münzmetalle, Legierungen und deren Abkürzungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Reine Münzmetalle

Aluminium, Al, sehr leichtes und weiches Münzmetall, das silbrig glänzt. In reiner Form ist Aluminium wegen seiner schnellen Abnutzung für die Münzprägung weniger gut geeignet. Es wird deshalb heute nur noch als Legierung benutzt.

Blei, Pb, als Münzmetall ungeeignet, da es zu weich und feuchtigkeitsanfällig ist. Nur in der Antike wurden Münzen aus Blei gefertigt. Münzfälscher griffen immer wieder gerne auf Blei zurück.

Eisen, Fe, wurde schon im 3. Jahrhundert v. Chr. in China zur Herstellung von Münzen verwendet. Wegen der schnellen Korrosion wurde aber nur in Notzeiten darauf zurückgegriffen.

Gold, Au, das begehrteste Münzmetall der Welt. Es wird zumeist in Legierungen aus Kupfer, Silber, Nickel, Neusilber oder Palladium verarbeitet. Je höher der Reingehalt, desto weicher ist das Gold.

Kupfer, Cu, neben Gold und Silber das dritthäufigste Münzmetall. Kupfer wird wegen seiner hervorragenden Legierungseigenschaften fast ausschließlich zur Prägung von Umlaufmünzen verwendet.

Nickel, Ni, hellsilbrig glänzendes, besonders hartes Metall. Nickel gilt als das wichtigste Legierungsmetall der modernen Münzprägung.

Palladium, Pd, ein rares, silbrig-weißglänzendes Münzmetall, das zu der Gruppe der Platinmetalle gehört.

Platin, Pl, hellgraues, silberglänzendes Metall, das nicht sehr hart und daher nur bedingt zur Münzprägung einsetzbar ist. Echte Platinmünzen wurden nur in Russland Anfang des 19. Jahrhundert ausgegeben.

Silber, Ag, seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. eines der ältesten Münz- und Tauschmetalle. Der überwiegende Teil der modernen Gedenkmünzen besteht aus Silber.

Zink, Zn, beliebtes Metall zur Münzherstellung in Kriegs- und Notzeiten.

Zinn, Sn, als Legierungsbestandteil wird Zinn recht häufig benutzt, als reines Münzmetall dagegen nur selten.

Metall-Legierungen

Billon, Bi, Kupfer und Silber verbinden sich zu dieser Legierung, wobei der kleinere Teil immer aus Silber ist.

Bronze, Br, schon in der Antike zur Münzprägung verwendet. Diese Legierung aus Kupfer und Zinn zeichnet sich durch ihre besondere Härte aus.

Elektron, El, ältestes Münzmetall der Geschichte. Es kommt entweder als natürliche Legierung vor oder wird aus Gold und Silber hergestellt.

Messing, Me, eine Kupfer-Zink-Legierung mit überwiegendem Kupferanteil. Zur Prägung von Umlaufmünzen sehr beliebt.

Neusilber, Ns, der Name ist irreführend, denn diese Legierung besteht aus Kupfer, Nickel und Zink, die sich zu einem hervorragenden Münzmetall verbinden. Silber kommt im Neusilber allerdings überhaupt nicht vor.

Nordisches Gold, Ng, Mischung aus Kupfer, Aluminium, Zinn und Zink, Münzmetall der 10-, 20- und 50-Euro-Cent-Stücke.

Stahl, St, veredelte Form des Eisens, wegen der Nachteile des Eisens bei der Münzprägung aber trotzdem nur bedingt geeignet.

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