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Münzstätte

Ort, Gebäude, Werkstatt oder Fabrik zur Herstellung von Münzen, auch kurz als Münze bezeichnet. Die griechischen Münzen aus der Antike wurden meist in dem Hauptort der Stadtstaaten geprägt. Häufig gehörte auch noch das Umland dazu oder der Bündnispartner (Bundesmünzen). Die erste Münzstätte Roms, noch vor seiner Machtentfaltung, war im Tempel der Juno untergebracht (siehe Moneta). Die ersten Silbermünzen stammten teilweise noch aus süditalischen und sizilischen Münzstätten. Mit der Machtentfaltung des Römischen Reichs wurden die Reichsmünzen in Rom geschlagen. In der römischen Kaiserzeit stieg der Geldbedarf so an, dass das Münzamt von Rom vermutlich die benötigten Geldmengen nicht mehr allein herstellen konnte. Für den lokalen Geldbedarf der Provinzen arbeiteten in der Provinz Ägypten die Münzstätte Alexandria, für die Provinz Syrien vorwiegend Antiochia mit Prägungen im Drachmenfuß. Die Zuordnungen der Münzstätten ist schwierig, weil zu dieser Zeit keine Münzzeichen auf die Münzstätten hinweisen. Schon Kaiser Augustus ließ etwa 15 v. Chr. eine Münzstätte in Lugdunum (Lyon) eröffnen, die Gold-, Silber- und Bronzemünzen für das Römische Reich herstellte. In den Städten Caesarea, Pergamon und Ephesos wurden nicht nur lokale Münzen hergestellt, sondern auch Kistophoren und wohl auch Reichsmünzen unter den julisch-claudischen Kaisern. Seit den Bürgerkriegen (68/69 v. Chr.) kamen wohl noch eine Reihe Münzstätten hinzu. Viele wurden während der Geldkrise in der 2. Hälfte des 3. Jh.s v. Chr. geschlossen, um unter Diokletian als offiziellen Reichsmünzstätten wieder eröffnet zu werden. Seitdem wurden die Münzstätten gekennzeichnet. Colonia Agrippina (Köln) prägte bereits von 257 bis 274 v. Chr. vorwiegend für die Kaiser Postumus und Victorinus. Treveri (Trier) prägte zwischen 260 und 274 v. Chr., wurde unter der Tetrarchie Diokletians 293 v. Chr. wieder eröffnet und entwickelte sich dann zur Hauptmünzstätte des westlichen Reichs (423 v. Chr. geschlossen). Die einzige ununterbrochen tätige Münzstätte Rom arbeitete bis 479 v. Chr.
In der Merowingerzeit ist von Wandermünzstätten und Prägungen an den Königshöfen auszugehen. Im Früh- und Hochmittelalter war das Münzwesen im Westen weiter fortgeschritten als im Osten: Die letzten Karolinger des Ostreiches prägten in Maastricht, Köln, Trier, Verdun, Cambrai, Metz, Toul, Namur, Mainz, Würzburg, Regensburg, Straßburg, Konstanz, Basel und Zürich. Allerdings haben diese Werkstätten in der Regel nicht viele Münzen geprägt, noch nicht einmal kontinuierlich, wie in den "Münzhauptstädten" Köln oder Trier, die allerdings zwischen 925 und 950 v. Chr. gar nicht geprägt zu haben scheinen. Ebensolche Lücken gibt es in Mainz, Straßburg und Konstanz. Als den deutschen Königen mit Lothringen zeitweise die prägeintensivste Landschaft (bis 925 v. Chr.) entzogen war, nahm die Prägung deutlich ab. Seit den Ottonen verliehen die sächsischen Kaiser das Münzrecht vor allem an die hohe Geistlichkeit (siehe auch Kloster). Neben einem Ausbau des Münzwesens an der Mosel und der Maas, in Lothringen, Flandern und Friesland kamen an Rhein und Ruhr Münzstätten in Breisach, Selz, Speyer, Worms, Bingen, Boppard, Koblenz, Andernach, Hammerstein, Remagen, Bonn, Berg, Werden, Essen, Dortmund, Duisburg, Xanten, Rees und Utrecht hinzu. Im Osten wurden viele Münzrechte vergeben, darunter an Osnabrück, Minden, Herford, Paderborn, Corvey, Fritzlar, Fulda, Hersfeld, Braunschweig, Hildesheim, Goslar, Quedlinburg, Naumburg, Erfurt, Merseburg und Meißen, im Norden an Lüneburg, Bardowick, Stade, Bremen, Emden, Jever und Leer. Unter den Staufern wurden - wie zum Ende der Salierzeit schon geschehen - die Münzrechte an weltliche Fürsten und Adlige vergeben, später auch an Städte.
Bis zum 13. Jh. wurden die Münzen in kleinen Werkstätten hergestellt, wobei in einigen größeren Städten mehrere Werkstätten stationiert waren, wie z.B. in Brügge (4) oder in London (etwa 10). Im 13. Jh. änderte sich die Münzproduktion. Kleinere Städte verloren ihre Münzstätten, während die größeren Münzstände schon fast fabrikähnliche Münzstätten einrichteten. Große Gebäude wurden errichtet, die der Spezialisierung gerecht wurden. Es mussten Räumlichkeiten geschaffen werden für das Kundengeschäft, für die Schreiber, Probierer, zum Herstellen der Schrötlinge, zum Prägen und für die Werkzeuge, außerdem für Tresore, Waagen, Schmelzöfen, für die gemeinsame Küche, einen Raum für den Gottesdienst und für die Wohnung des Münzmeisters, der den Münzbetrieb und die Verwaltung leitete. Die größeren Geräte wie z.B. die Eisentische mit Rinnen stellte der Münzherr, während spezielle Werkzeuge wie die Münzstempel, Scheren und Hämmer meist von den Stempelschneidern, Münzgesellen oder dem Münzmeister selbst gestellt wurden. Ein staatlicher Beamter, der Wardein, beaufsichtigte die Ausgaben und Einkünfte und kontrollierte die Geldwährung und den Geldwechsel. Probierer, die Gewicht und Feingehalt überprüften, und die Stempelschneider wurden ebenfalls in den staatlichen Dienst eingestellt. Auch die einflussreiche Kaufmannschaft stellte Aufsichtspersonen (frz. contre-gardes), die die staatlichen Kontrolleure und Münzmeister nochmals kontrollierten. Die großen Münzbetriebe des Mittelalters hatten die vielleicht ausgeprägteste Arbeitsteilung ihrer Zeit, um die Produktionszahlen von mehr als einer Million Münzen pro Monat zu erreichen. Die "zecca" in Venedig gehörte z.B. mit etwa 200 Angestellten und Arbeitern zu den größten Arbeitgebern des Mittelalters.
Die Neuzeit war geprägt vom Widerstand der Münzer gegen die Technisierung. Das Spindelprägewerk, das schon im 16. Jh. in Italien und Augsburg eingesetzt wurde, hielt daher erst im 18. Jh. Einzug in die Münzstätten. Das Münzgebäude musste nun ein möglichst stoßfestes Fundament besitzen, um die Schläge des Spindelprägewerks auffangen zu können. Nach der Entdeckung der Dampfkraft durch James Watt richtete dessen Freund Matthew Boulton 1786 in Birmingham die Soho Mint ein, deren Prägemaschinen bereits mit Hilfe der Dampfkraft angetrieben wurden. Eine einschneidende Verbesserung der Mechanisierung der Prägung wurde mit dem 1817 von Dietrich Uhlhorn erfundenen Kniehebelprägewerk erreicht. Die Industrialisierung der Produktion und die Zentralisierung der Prägung durch die Nationalstaaten führten im 19. Jh. schließlich zu einem erheblichen Münzstättenschwund. Durch die Automatisierung waren schließlich die großen Münzstätten des 20. Jh.s in der Lage, für andere Staaten kostengünstig zu prägen. Für einige kleine Staaten lohnte sich dagegen die Errichtung einer eigenen Prägeanstalt nicht mehr.

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