Die kleine Reppa Sammlerkunde

Nachprägung, Fälschung und Manipulation von Münzen

Die Falschmünzerei ist so alt wie das Geld selbst und wurde schon in der Antike schwer bestraft. Doch zunächst soll der Begriff „Falschmünze“ genauer definiert werden, denn es gibt auch hier Unterschiede, die für einen Sammler von Bedeutung sind. Man unterscheidet vier Gruppen von Fälschungen:

Zeitgenössische Fälschung

Zeitgenössische Fälschungen sind für den Sammler aus historischen Gründen interessant. Das älteste bekannte Beispiel einer solchen Fälschung stammt aus der griechischen Antike. Um 525 v. Chr. ließ Polykrates, Tyrann von Samos, Bleimünzen mit einem dünnen Goldüberzug herstellen. Mit diesen Fälschungen kaufte er seine Insel von der Belagerung der Spartaner frei. Auch die Münzen der Kipper- und Wipperzeit sind für den Sammler hoch interessant. Damals wurden Münzen mit geringem Silbergehalt und teilweise ohne Münzrecht hergestellt. Aus politischen Gründen fälschten aber auch Herrscher mit Münzrecht. Teils brachte man diese Münzen in Umlauf, um Waffenkäufe zu finanzieren, teils um die Wirtschaft eines anderen Landes zu schwächen.

Moderne Fälschung

Eine moderne Fälschung hat meist einen kriminellen Hintergrund. Sie wird bewusst hergestellt, um einem Sammler finanziellen Schaden zuzufügen. Ein typisches Beispiel sind die „Touristenprägungen“, die in vielen südlichen Urlaubsländern von Straßenverkäufern angeboten werden. Kaufen Sie deshalb Münzen nur bei einem autorisierten Händler und bestehen Sie bei seltenen und teuren Exemplaren auf einem Echtheitszertifikat.

Nachprägung

Besonders seltene und begehrte Münzen, die für einen normalen Sammler nicht erschwinglich sind, werden heute als Nachprägung angeboten. Diese Repliken werden nur von offiziellen Stellen ausgegeben und sind immer durch ein kleines Merkmal als Nachprägung gekennzeichnet. Aber auch hier gibt es einige Ausnahmen wie z.B. die berühmten „Beckerfälschungen“. Der Offenbacher Hofrat Carl Wilhelm Becker (1772-1830) war Graveur und Stempelschneider. Er fertigte Anfang des 19. Jh. in seiner kleinen Werkstatt mehr als 300 Stempel von antiken und mittelalterlichen Münzen an. Dabei imitierte er sogar das ursprüngliche Prägeverfahren. So entstanden derart perfekte Nachahmungen, dass nur wenige Experten sie von den Originalen unterscheiden können.

Fantasieprägung

Bereits im 16. Jh. wurden für reiche Sammler Münzen hergestellt, deren Motive frei erfunden waren. An erster Stelle stehen hier die so genannten „Padu aner“. Der Gelehrte A. Bassiano und der Stempel schneider G. Cavino aus Padua gestalteten vorwiegend Sesterze und bronzene Medaillons nach altrömischem Vorbild. Aber auch aus China sind Münzen bekannt, die Lücken in Sammlungen füllen sollten und Initialen von Kaisern zeigen, die niemals Münzen prägen ließen.

Techniken des Münzfälschens

Münzfälscher gehen zum Teil mit außergewöhnlichen Methoden zu Werke. Die angewandten Verfahren sind meist komplizierter als die bei der Her stellung des Originals gebrauchten. Des halb haben sich einige Münzliebhaber auf das Sammeln von Fälschungen spezialisiert. Trotz aufwändiger Technik ist es bisher keinem Fälscher gelungen, die beim Kopieren einer Münze auftretenden Probleme zu meistern. Aufgrund des Materialunterschieds heben sich Original und Fälschung in Größe und Gewicht voneinander ab.

Gussverfahren

Beim Gussverfahren wird die Form von den Originalmünzen abgenommen. Als Werkstoffe für die Formherstellung werden temperaturbeständige und schnell aushärtende Stoffe wie z.B. Gips oder Silikonkautschuk verwendet. Zum Gießen der Münzen verwenden die Fälscher Metalle oder Legierungen mit niedriger Schmelztemperatur (Blei, Zinn). Eine Guss - fälschung erkennt man an den unscharfen Konturen des Münzbildes, der Farbe und dem dumpferen Klang.

Galvanoplastikverfahren

Beim Galvanoplastikverfahren wird vom Original zunächst ein Wachsabdruck genommen. Dieser Abdruck wird anschließend galvanisch mit einer Kupferschicht überzogen. Nach Ablösen des dünnen Kupferplättchens vom Wachs lötet man dieses auf den Kern der Falschmünze (Eisen). In einem weiteren Galvanisierungsbad wird auf diesen Rohling dann eine Oberflächenschicht aus Silber oder Gold aufgebracht. Solche Fälschungen erkennt man meist am Rand und ebenfalls am etwas dumpferen Klang.

Prägeverfahren

Moderne Fälschungen werden ausschließlich geprägt. Zur Herstellung der Prägestempel verwendet man u.a. auch das Galvanoverfahren. Die Haltbarkeit eines auf diese Art gefertigten Stempels ist allerdings nicht sehr hoch, folglich kann nur mit leichten Prägedrücken und weichen Münz metallen gearbeitet werden. Gelegentlich tauchen auch Kopien von Originalstempeln aus Stahl auf. Diese Fälschungen sind jedoch leicht durch Abweichungen im Münzbild erkennbar.

Münzmanipulation

Manipulationen an Münzen findet man ausschließlich bei Samm lermünzen. Im Gegensatz zu den oben genannten Verfahren arbeiten hier Fälscher mit Originalen. Bestimmte Merkmale (Buchstabe, Jahrgang) der Münzbilder werden verändert und lassen die Münze wertvoller erscheinen. Ein Paradebeispiel ist das 50-Pfennigstück 1950 G „Bank Deutscher Länder“. Der Fälscher benutzte zwei 50-Pfennigmünzen: Ein beliebiges Geldstück aus dem Jahr 1950 und eine recht verbreitete Münze von 1949 mit dem Prägebuchstaben G. Der Rand der 1950er Münze wird mit Hilfe eines Uhrmacherdrehstocks bis zum Perlkreis abgedreht und die Seite mit der Nominalangabe geplant. Danach wird bei der zweiten Münze die Rückseite ausgedreht, um Platz für das kleinere Münzplättchen zu schaffen. Anschließend wird die Jahrgangsseite wie eine Intarsie in das ausgedrehte Stück eingepasst. Diese Manipulation ist leicht daran zu erkennen, dass der Perlkreis ungleichmäßig stark ist und das Gewicht erheblich von dem des Originals abweicht.