Das große Münzen-Lexikon

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Schilling

Bezeichnung für viele Münzen, die zu verschiedenen Zeiten zu verschiedenen Gewichten, Werten, Gestaltungen und Münzmaterialien ausgebracht wurden. Ihr gemeinsamer Ursprung wurzelt in Bezeichnungen, wie "Skullinger", "Skilligs" "Scilling" o.ä., die germanische Völker zur Völkerwanderungszeit vermutlich für den byzantinischen Solidus bzw. für seine Nachahmungen verwendeten. Spätere Schillinge tragen auch offiziell als lateinische Bezeichnung den Namen  Solidus. Das unter Karl dem Großen als Gewichtseinheit eingeführte  Karlspfund wurde in 20 Schillinge (Solidi) zu je 12 Pfennige (Denarii) eingeteilt. Aus dem Karlspfund wurden demnach 240 Pfennige geprägt. Der Schilling wurde nicht ausgeprägt, sondern bestand nur als Zähl- oder Recheneinheit zu 12 Pfennigen.
Zum ersten Mal ausgeprägt wurde das 12-Pfennig-Stück in Form des französischen  Gros tournois, als im 13. Jh. der aufstrebende Handel ein größeres Nominal als den Pfennig benötigte. Diese Groschenmünzen, die auch in Deutschland als  Handelsmünzen dienten, und ihre Nachahmungen ( Turnosen oder Turnosegroschen) wurden zum Ausgangspunkt der Groschenprägung in Deutschland und Europa (nördlich der Alpen). Im Rheinland wurden die Nachfolgemünzen aus  Billon nach ihrer Farbe als  Weißpfennig oder  Albus bezeichnet. Im Ostseeraum, in Preußen, dem Gebiet des Wendischen Münzvereins und in süddeutschen Gebieten (Franken und Schwaben) wurden die Münzen nach ihrem Wert Schillinge genannt. Eine der ältesten als Schilling bezeichnete Münze wurde unter Hochmeister Winrich von Kniprode (1351-1382) im Gebiet des Deutschen Ordens im Gewicht von etwa 1,67 g (ca. 1,39 Silbergewicht) geschlagen. Die Ordensschillinge verschlechterten sich aber bald zu  Billonmünzen und hielten im ausgehenden 15. Jh. (bei einem Raugewicht von ca. 1,32 g) nur noch ca. 0,24 g Silber. Ihr Münzbild wurde weitgehend unverändert beibehalten und zeigt den Wappenschild des Hochmeisters und den Ordensschild. Nach diesem Vorbild ließen die Bischöfe und der Ordensmeister in Livland ähnliche Schillinge prägen. In Pommern begann die Schillingprägung unter Bogislaus IX. (1418-1446). Im polnisch-baltisch-preußischen Raum waren die Schillinge (im Wert von 1/3 Groschen) im 16. Jh. zeitweise die kleinste Münze, da dort wenige Pfennigmünzen (Denare und  Ternare) geprägt wurden. In der Mitte des 17. Jh.s wurden die polnischen und baltischen Schillinge zu Kupfermünzen ( Boratinki), die preußischen Schillinge blieben kleine Billonmünzen. Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jh. wurden auch die Schillinge von Preußen und Posen aus Kupfer geschlagen.
Um 1432 begannen die vier im Wendischen Münzverein zusammengeschlossenen Städte Lübeck, Hamburg, Wismar und Lüneburg regelmäßig nach gemeinsamem Fuß Schillinge zu prägen. Anfangs lag ihr Gewicht bei ca. 2,54 g und ihre Stempel (meist Stadtwappen/Kreuz) wurden in Lübeck hergestellt. Im späten 15. Jh. begann auch die Ausgabe von Doppelschillingen als Gemeinschaftsprägung des  Wendischen Münzvereins, an der sich auch umliegende Münzstände beteiligten. Die Lübecker Schillinge wurden bis ins ausgehende 18. Jh., die Hamburger Schillinge (1/32-Taler) bis 1855 und die mecklenburgischen Schillinge (1/48-Taler) sogar bis 1866 (beide zuletzt in Berlin) geprägt
In Süddeutschland, vor allem im fränkischen und schwäbischen Raum, entstanden seit dem ausgehenden 14. Jh. und im beginnenden 15. Jh. Schillinge von verschiedenem Gewicht und Gepräge. Je nach Münzvereinbarung beteiligten sich verschiedene Münzstände an der Schillingprägung: Im fränkischen Raum waren vor allem Nürnberg, die Bischöfe von Bamberg und Würzburg, Brandenburg und die Pfalzgrafen an der Prägung beteiligt. An der ersten spätmittelalterlichen Schillingprägung in Schwaben nahmen Herzog Leopold von Österreich, die Grafen von Württemberg und Oettingen, der Bischof von Augsburg, die Reichsstände von Ulm, Esslingen und Schwäbisch Gmünd teil. In Württemberg wurden Schillinge bis in die  Kipper- und Wipperzeit, im Bistum Würzburg bis zur Säkularisation geschlagen.
In Westfalen hatten die Schillinge von Dortmund, Minden, Münster, Osnabrück und Paderborn ebenfalls verschiedene Gewichte und Werte. In Osnabrück wurden zuletzt 1628-1633 kupferne Schillinge zu 12 Pfennigen geschlagen. In den Niederlanden waren die ersten Schillinge unter der Bezeichnung Snapphaan oder  Schnapphahn bekannt, es folgten Schillinge zu 6 Stuiver wie  Arendschelling,  Hoedjesschelling, Rijder- oder  Staatenschelling,  Roosschelling und der  Scheepjesschelling. Den englischen Schilling siehe unter  Shilling, den skandinavischen unter  Skilling.
Österreich hat 1925 die Schillingwährung eingeführt, die die Kronenwährung ablöste: 1 Schilling = 100 Groschen. Die erste Prägephase endete mit der Eingliederung Österreichs ins Dritte Reich 1938, die 2. österreichische Republik nahm die Schillingwährung 1945 wieder auf. Die vielen österreichischen  Gedenkmünzen in Schillingwerten machten den Schilling bei Sammlern weltweit bekannt.

    

Schilling des 16 Jh.s der Schweizer Kantone Uri und Nidwalden

    

Schilling 1698 des Würzburger Bischofs Johann Gottfried II. von Gutenberg (1684-1698)

    

100 Schilling 1927 der Republik Österreich

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