Das große Münzen-Lexikon

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Vorwort / Einleitung


Im späten 7. vorchristlichen Jahrhundert wurden im Reich der Lyder die ersten Münzen geprägt. Ein neues "Zeitalter" war angebrochen. Die neuen kleinen und handlichen Tauschgegenstände verbreiteten sich bald im gesamten Kulturkreis der damaligen griechischen Welt und der angrenzenden Gebiete. Die Münze ist also schon seit mehr als 2500 Jahren in Gebrauch. Sie hat sich seit ihren Anfängen in einer reichen Vielfalt entwickelt und im Laufe der Zeit über den gesamten Globus verbreitet. Durch die Darstellungen ist die antike Münze mit der religiösen und mythologischen Vorstellungswelt der Völker des Mittelmeerraums verbunden. Ihre Gestaltung erhob sie bald über das blosse Zahlungsmittel hinaus zum Kunstwerk. Besonders schöne Gepräge entstanden im 5./4. Jh. v.Chr. in den griechischen Kolonien Siziliens. Die Münzen der hellenistischen Reiche und des römischen Reichs verbanden religiöse Motive mit dem Bildnis der Herrscher. Vor allem die römischen Münzen entwickelten sich zu Trägern der politischen Propaganda. Seit der Zeit des spätrömischen Reiches fanden zunehmend christliche Symbole Eingang auf die Münzbilder. Die im Mittelalter aufkommende Heraldik schlug sich auf spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen in Form von Wappen nieder. Die Renaissance brachte die Wiederentdeckung des Porträts und die Entdeckung der Medaille. Lange Zeit hatte den Menschen nur die zeitgenössische Münze und deren innerer Wert als Geld interessiert. 

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, begann mit der Renaissance im 15. Jh. das Interesse für die ungültigen Münzen früherer Zeiten. Daraus entwickelten sich die ersten Münzsammlungen und erste Versuche, die Münze über ihre Funktion als blosses Zahlungsmittel hinaus als Kulturgut und historisches Zeugnis zu deuten. Von interessierten Sammlern und Autorenwurden in sog. "Münzbelustigungen" Ansichten und Deutungen zu den numismatischen Gegenständen in loser Folge veröffentlicht und im Kreis der damals noch wenigen Münzliebhaber interessiert aufgenommen. Die Münzbetrachtungen der Amateure gingen den systematischen Beschreibungen und Analysen der wissenschaftlichen Berufsnumismatiker voraus. Die zum Aufbau und zur Betreuung der fürstlichen Münzkabinette angestellten Bediensteten können als erste Berufsnumismatiker bezeichnet werden. Sie nahmen die numismatische Tätigkeit auf, die heute noch in städtischen und staatlichen Sammlungen fortgeführt wird. Die Numismatik entwickelte sich zur ernstzunehmenden Wissenschaft, die in der Lage ist, der historischen Forschung wichtiges Quellenmaterial zu erschliessen. Sie hat sich in letzter Zeit weit über die blosse Beschäftigung mit der Münze hinaus zur eigenständigen Wissenschaft der Geldgeschichte entwickelt und berührt viele verwandte Gebiete. 

Nach der wissenschaftlichen Begründung der Numismatik im 18. Jh. entstanden die ersten Münzlexika, die mittlerweile inhaltlich und stilistisch weitgehend überholt sind. Als bedeutendes Werk ist das von Friedrich von Schrötter im Jahre 1930 herausgegebene "Wörterbuch der Münzkunde" hervorzuheben. Es wird heute noch als wertvolles Nachschlagewerk genutzt, auch wenn durch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte inhaltlich einiges überholt ist und manche Neuentwicklung fehlt. 

Im Jahr 1996 beauftragte mich das Münzenversandhaus Reppa, ein neues Lexikon der Münzkunde zu erstellen, das auf die aktuellen Bedürfnisse der gestiegenen Zahl von Sammlern ausgerichtet ist. Die Aufgabe, aus dem umfangreichen Wissensgebiet und dem gewachsenen Anspruch der Numismatik und Geldgeschichte das Wesentliche in einem Lexikon zu konzentrieren, ohne wichtige Einzelheiten und Besonderheiten ausser Acht zu lassen, war kein leichtes Unterfangen. Neben dem antiken, m ttelalterlichen, neuzeitlichen und modernen Münzgeld sowie neben Marken, Notgeld und sonstigen Münzersatzmitteln mussten auch Medaillen und Plaketten, Rechenpfennige, Jetons und andere numismatische Zeichen Berücksichtung finden. Münzähnliche Objekte wie Gemmen und Siegel usw. werden erklärt, auch auf münztechnische Begriffe, Münzmetalle und -legierungen wird eingegangen. Traditionelle prämonetäre Geldformen im Bereich von Natural,- Geräte- und Schmuckgeld sind detailliert beschrieben, daneben fanden auch wirtschaftstheoretische Begriffe wie Geldtheorie und Inflation Aufnahme. Aus dem mittlerweile sehr umfassenden Bereich des Papiergeldes, zu dem eigenständige Lexika erschienen sind, werden einige Frühformen des europäischen Staatspapiergeldes sowie Wechsel, Aktie usw. definiert und in ihrer geldgeschichtlichen Bedeutung erklärt. Einige der wichtigsten Medailleure sind gewürdigt, auch das Wirken der für das Geld- und Finanzwesen wichtigen Familien der Medici, Fugger und Rothschilds wurde beschrieben. Es liegt in der Natur des Lexikons, dass der Raum nicht ausreichte, um alle Möglichkeiten ausreichend auszuschöpfen. Deshalb kann das Lexikon dem Interessierten erste Information sein, die zur weiterführenden Beschäftigung anregen soll. Eine bibliographische Auswahl aus dem umfangreichen Fundus der numismatischen Literatur erscheint am Ende des Lexikons.

Ohne die andauernde Unterstützung und gemeinsame Anstrengung des Münzenversandhauses Reppa wäre das Erscheinen dieses Lexikons nicht möglich gewesen. Zu besonderem Dank verpflichtet für tätige Mitarbeit, Korrekturen, sachkritische Hinweise und Anmerkungen bin ich Herrn Dr. Claus W. Hild, der auch einen Grossteil der Münzfotos zur Verfügung stellte, Herrn Dr. Holger Höcke, Herrn Georg Reppa, Herrn Gerald Reppa, Herrn Ralph Reppa und Frau Dr. Heike Schmid. Für die technische Unterstützung bei Computerproblemen möchte ich mich bei Herrn Karlheinz Bohl, der auch die CD-ROM und Internet-Version entwickelte, und Herrn Thomas Jäckel bedanken. Für das Layout und den Satz verantwortlich sind Herr Michael Burkhard, Herr Markus Hopfinger und Herr Christian Schmoll.

Pirmasens, im November 1999

Hans-Peter Reinhard

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